Auch im Treppenhaus ein Schutz: Die Mund-Nase-Maske. © Stephan Werschkull
Coronavirus

Wesekerin will Maskenpflicht auch im privaten Hausflur durchsetzen

Über die Frage, ob man in Treppenhäusern von Mehrparteienhäusern eine Schutzmaske tragen muss, scheiden sich die Geister. Eine Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in Weseke fordert dies.

Ob Behördengang, Einkauf oder Arbeit: Schutzmasken sind vielerorts zum Alltagsgegenstand geworden. Doch ausgerechnet vor der eigenen Wohnungstür ist das nicht immer der Fall. Die Wesekerin Sylvia Giese trägt im Flur des Mehrparteienhauses, in dem sie lebt, immer eine Maske. Insbesondere die Mutationen des Coronavirus bereiten ihr Sorge. „Deshalb erwarte ich auch, dass alle Bewohner des Hauses Masken tragen“, sagt die Wesekerin. Doch darauf konnte sie sich mit ihren Nachbarn nicht verständigen, sagt sie.

Weil Giese sich damit aber nicht zufrieden gab – „Es geht ja um meine Gesundheit“ – versucht sie nun eine Maskenpflicht im Treppenhaus zu erreichen. Hilfe suchte sie zunächst beim zuständigen Ordnungsamt in Borken. Doch dort verwies man darauf, dass das Treppenhaus kein öffentlicher Raum sei und man als Ordnungsamt nicht „in privatem oder auch halb-öffentlichem Raum tätig werde“.

Ohnehin sei bei einer kurzen Begegnung im Treppenhaus nicht mit einer Infektion durch einen Nachbarn zu rechnen. Auf Anfrage der Redaktion erklärt der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Markus Lask: „Der Hausflur wird von uns als privater Raum eingestuft. Somit haben wir keine Handlungsmöglichkeit.“

Haus und Grund: Maskenpflicht besteht

Anders sieht das die Interessenvertretung in Immobilienangelegenheiten „Haus und Grund“. Auf Gieses Anfrage, wie man dort die Situation bewerte, antwortete „Haus und Grund“, dass das Treppenhaus von der Coronaschutzverordnung abgedeckt sei. Dort wird davon gesprochen, dass die Verordnung nur den „geschützten Bereich“ im Sinne des Grundgesetzes ausnehme – und der sei schließlich nur die Wohnung an sich.

So etwas wie „halb-öffentliche Räume“ gebe es rechtlich gesehen ohnehin nicht. Daraus folgern die Düsseldorfer Experten, dass im Treppenhaus eine Maskenpflicht gelte, insbesondere da es auch schwer sei, den Abstand einzuhalten.

Ministerium widerspricht

Eine andere Haltung vertritt das Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Auf Anfrage der BZ hieß es aus dem Ministerium, dass man zwar Treppenhäuser nicht zum öffentlichen Raum zähle, aber es auch eine Regelung für den privaten Raum gebe. In der Coronaschutzverordnung heiße es schließlich, „dass jede in den Infektionsschutz einsichtsfähige Person sich so zu verhalten hat, dass sie sich und andere keinen vermeidbaren Infektionsgefahren aussetzt.“ Damit das nicht zur Debatte unter Nachbarn führt, ob das maskenfreie Betreten des Treppenhauses eine solche „vermeidbare Infektionsgefahr“ ist, schlägt das Ministerium vor, dass der Vermieter tätig werden könne. Der Eigentümer kann nämlich über die Hausordnung eine Maskenpflicht im Flur und Treppenhaus durchsetzen.

Sylvia Giese nimmt auch das Ordnungsamt in die Pflicht

Neben ihrer Vermieterin nimmt Sylvia Giese auch das Ordnungsamt in die Pflicht. Sie beruft sich dazu auf die Corona-Schutzverordnung: „Unbeschadet davon bleiben die zuständigen Behörden befugt, im Einzelfall auch über diese Verordnung hinausgehende Schutzmaßnahmen anzuordnen.“

„Die Lücken in der Coronaschutzverordnung müssen bald geschlossen werden“, fordert Giese. Das Virus interessiere sich schließlich nicht, ob es im Hausflur oder im Supermarkt übertragen werde.

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