Anklage

Verfolgungsjagd durch Coesfelder City: Anklage wegen versuchten Mordes

Im Juli 2020 ist ein 29-Jähriger durch die Coesfelder Innenstadt gerast. Mehrere Passanten wurden dabei verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat nun offiziell Anklage erhoben.
Beim Hotel-Restaurant Haselhoff rammte der Täter einen Blumenkübel, dessen herumfliegende Teile Gäste verletzten. Eine Frau erlitt eine Beckenprellung, weil er mit seinem Pkw einen Tisch gegen sie gedrückt hatte © Allgemeine Zeitung

Der schreckliche Vorfall hat sich vielen Gästen, die am Abend des 17. Juli 2020 im Biergarten des Hotel-Restaurants Haselhoff saßen, ins Gedächtnis gebrannt: Mit hoher Geschwindigkeit raste ein Wagen, gesteuert von einem 29-jährigen Coesfelder, kurz nach 19 Uhr in der Ritterstraße durch den engen Durchgang zwischen der Außengastronomie und dem Hotelgebäude.

Nach den Ermittlungsergebnissen der Polizei rammte er einen Blumenkübel, dessen herumfliegende Teile mehrere Personen leicht verletzten. Eine Frau erlitt eine Beckenprellung, nachdem der Pkw gegen einen Tisch gefahren war und diesen auf sie geschoben hatte. Kurz danach konnte sich ein 14-jähriger Passant auf dem Parkplatz der Stadtbücherei nur mit einem Sprung zur Seite vor dem Raser retten, der auf der Flucht vor der Polizei war.

Beschuldigter habe tödliche Verletzungen in Kauf genommen

Für die Staatsanwaltschaft ist jetzt klar: Die Taten sind als versuchter Mord beziehungsweise gefährliche Körperverletzung einzustufen. Insbesondere bei der Fahrt durch die Ritterstraße soll er „in Kauf genommen haben, einen Passanten, einen Besucher oder Angestellten der Gastronomie, die jeweils unvermittelt die Straße hätten betreten oder von einem Tisch hätten aufstehen können, bei einer Kollision mit dem Pkw tödlich zu verletzen“, heißt es in der Presseerklärung der Behörde.

Sie teilte mit, nach Abschluss der Ermittlungen nun Anklage gegen den Mann zu erheben. Über die Zulassung der Anklageschrift muss das Landgericht Münster entscheiden.

Sachschaden in Höhe von 18.000 Euro

In der Anklageschrift zeichnet die Staatsanwaltschaft den Weg nach, den der Beschuldigte bei der Verfolgungsjagd durch die City mit seinem Wagen genommen haben soll: Nachdem er wegen des nicht angelegten Gurts kontrolliert werden sollte, floh er mit hoher Geschwindigkeit (80 bis 100 km/h) über die Bernhard-von-Galen-Straße und bog in die Fußgängerzone (Schüppenstraße) ein.

Weiter ging es über die Letter Straße und Ritterstraße, wo der Streifenwagen die Verfolgung abbrach. Über den Schützenring gelangte er auf den Mühlenplatz, wo er mit seinem nicht zugelassenen Fahrzeug zwei abgestellte Wagen beschädigte. Nächste Station: Weberstraße, wo er mit zwei parkenden Autos kollidierte. Am Burgring ließ er seinen Wagen zurück.

Insgesamt soll er bei der wilden Verfolgungsjagd einen Sachschaden in Höhe von 18.000 Euro angerichtet haben. Acht Tage später wurde der Mann in Münster festgenommen. Er sitzt seither in Haft und verbüßt eine Strafe wegen eines Diebstahls.

Beschuldigter gibt der Polizei die Schuld

Was ihn zu seinem Menschenleben gefährdenden Verhalten getrieben hat, ist bislang laut Staatsanwaltschaft noch ungeklärt. „Der Angeschuldigte hat sich lediglich dahingehend geäußert, dass die Polizeibeamten für seine Flucht verantwortlich gewesen seien, da diese ihn nicht mit Blaulicht und Martinshorn hätten verfolgen dürfen“, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Weitere Angaben habe er nicht gemacht.

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