In dieser Klasse der Overberg-Grundschule ist es schon so eng, dass Schulleiterin Nicole Gatzke keinen Platz für einen mobilen Luftfilter sieht. © Sven Betz
Luftfilter für Rheder Schulen

Stadt Rhede kauft Luftfilter für alle Grundschulklassen

Die CDU setzt ihren eigenen Antrag mit knapper Mehrheit durch - Stadt und Schulleiter waren dagegen. Sie sehen keinen zusätzlichen Nutzen.

Die Verwaltung wird für alle 43 Klassenräume der Grundschulen und der Jahrgangsstufen 5 und 6 in der Gesamtschule mobile Luftfilter anschaffen. Für sinnvoll hält sie das nicht, es wurde aber am Mittwochabend im Ausschuss für Soziales, Bildung und Sport allein mit den Stimmen der CDU so beschlossen.

CDU-Antrag zur Anschaffung der Luftfilter vor zwei Wochen – Zweifel in der Verwaltung

Die Christdemokraten hatten vor zwei Wochen den Antrag auf Anschaffung der Geräte gestellt (das BBV berichtete). Sie seien „eine sinnvolle Investition in die Gesundheit unserer Kinder“, begründete Silke Schlüß den Vorschlag ihrer Fraktion. Mithilfe der Anlagen ließen sich die nötigen Lüftungsintervalle deutlich verlängern und es sei nicht mehr nötig, „dass die Kinder mit Decken, Schals und Winterjacken in den Klassen sitzen und frieren“.

Bürgermeister Jürgen Bernsmann widersprach. Regelmäßiges Lüften sei auch mit Luftfilter weiter erforderlich. Wenn sich das Intervall verlängern sollte, „kann keiner sagen um wie viel“. In Klassen, wo sich die Fenster weit öffnen lassen, sehe er „keinen zusätzlichen Nutzen“ in Filteranlagen. Deswegen gebe es von Land und Bund für Räume dieser „Kategorie 1“ ja auch keine Zuschüsse. Die Stadt habe alle Klassenzimmer zwei Mal kontrolliert: „Überall ist Stoß- und Querlüften möglich.“

Platznot und schlechte Akkustik

Schulleiterin Nicole Gatzke von der Overberg-Grundschule, die als sachkundige Bürgerin Mitglied im Ausschuss ist, äußerte sich irritiert, dass die Antragssteller vorab mit keinem der Schulleiter gesprochen hätten. Sie habe Sorge, was die Lautstärke der Geräte angeht: „Die Akustik ist ohnehin schon schlecht, weil alle Maske tragen“, sagte sie. Wenn dann noch das Rauschen des Luftfilters hinzukomme, fürchte sie, „dass man nichts mehr versteht“. Außerdem seien die Klassenräume mit bis zu 27 Schülern voll. „Da habe ich keine Idee, wo ich das Gerät noch hinstellen soll.“ Ähnlich hatte sich im BBV vor zwei Wochen bereits Sabine Uhlenbrock, Rektorin der Ludgerusschule, geäußert.

CDU hält an Beschlussvorlage fest

Alfred Knipping (CDU) teilte die Bedenken nicht. Die Geräte seien nicht laut, das habe ihm ein Schulleiter aus Neukirchen-Vluyn bestätigt. Und wenn alle 20 Minuten gelüftet werde, dann heiße das ja, dass in einer Schulstunde in 90 Prozent der Zeit nicht gelüftet werde. Es bestehe kein Zweifel an der Wirksamkeit der Filteranlagen. Schließlich bestellten auch die Hansestadt Hamburg und der Freistaat Bayern für alle Klassen Filter. „Schmeißen die das Geld zum Fenster raus?“, so Knippings rhetorische Frage. Die CO2-Ampell, nach der sich die Lehrer beim Lüften richten, „vernichtet keine Viren“, sagte er. Die Luftfilter dagegen schon. „Jedes Virusteilchen, das eliminiert wird, muss nicht eingeatmet werden.“ Wenn man sich auf die Fachleute verlasse, „müssen wir die Geräte anschaffen“, so die Schlussfolgerung des Christdemokraten.

Opposition dagegen – FDP enthält sich

SPD-Fraktionschef Bernd-Josef Beckmann hielt die Begründung der Verwaltung für „schlüssig“, wonach Stoßlüften die Aerosole zuverlässig entfernt und auch mit Filter unverzichtbar ist. „Nach dem Stoßlüften ist es in wenigen Minuten wieder warm.“ Heike Dings (Grüne) fürchtete, die Geräte würden im Unterricht gar nicht erst angeschaltet, wenn sie als störend empfunden würden. Sie sehe in der Lärmbelästigung gesundheitliche Gefahren.

Da SPD und Grüne sich ablehnend äußerten, kam es auf die FDP an. Denn die CDU hat im Ausschuss genau 5 von 10 Stimmen. Bei Stimmengleichheit hätte der Antrag als abgelehnt gegolten. FDP-Parteichefin Bernadette Ebbers erklärte, den Freidemokraten sei „nicht klar geworden, wo der Gewinn für die Schüler“ sei, wenn auf Lüften und Maskentragen dennoch nicht verzichtet werden könne.

Am Nachmittag hatte die CDU ihren Antrag noch kurzfristig um technische Spezifikationen für die gewünschten Geräte ergänzt. Damit wollte sie die Bestellung beschleunigen, denn Bernsmann hatte erklärt, für die geschätzten 200.000 Euro an Investitionsvolumen müsse eine europaweite Ausschreibung gemacht werden, sodass wahrscheinlich erst am Ende des Winters geliefert werde.

Knappe Mehrheit dafür

Es war 21.30 Uhr, als schließlich über den geänderten Antrag abgestimmt wurde: Die CDU votierte natürlich dafür, SPD und Grüne dagegen, die FDP enthielt sich – somit war die Anschaffung der Luftfilter mit 5 zu 4 Stimmen beschlossen.

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