Rudi Ropertz mit seinen „Hounds“ im Schnee. Da ist der international renommierte „Musher“ in seinem Element. Doch etwas Angst vor seinem wirklich allerletzten Rennen hat er schon. © BZ/privat
Schlittenhundesport

Schlittenhund-Champion Rudi Ropertz aus Borken denkt noch nicht ans Aufhören

„Rudis letztes Rennen“ – das ist für Rudi Ropertz inzwischen ein Running Gag. Vor neun Jahren – Ropertz war gerade 70 geworden – lief die gleichnamige WDR-Doku erstmals im Fernsehen.

Seitdem wurde der Fernsehbeitrag mehrfach wiederholt, sodass ihn Freunde schon scherzhaft gefragt haben: „Letztes Rennen? Wirklich?“

Nicht wirklich. Seinen Rücktritt vom Rücktritt hat der zigfach preisgekrönte Schlittenhunde-Champion aus Borken voller Überzeugung vollzogen. „Hunde sind eine Lebenseinstellung“, sagt der 79-Jährige über das, was er immer noch sein Hobby nennt. Ohne seine Hunde, ohne den knirschenden Schnee und die klirrende Kälte jedes Jahr im skandinavischen Trainingslager, ohne das Kribbeln vor den Wettkämpfen– ohne das alles habe er Angst, in ein Loch zu fallen.

So habe er das schon vor knapp zehn Jahren empfunden. „Wir hatten tatsächlich aufgehört“, berichtet er. „Aber in dem halben Jahr darauf habe ich gemerkt: Irgendwatt stimmt nicht“, sagt der gebürtige Duisburger. Der Wiedereinstieg sei dann „so fließend“ gekommen. „Wir hatten damals Hunde angenommen, die andere nicht mehr haben wollten.“

Ausdauer, Schnelligkeit und Gutmütigkeit

Aus diesen Hounds, wie die auf Ausdauer, Schnelligkeit und Gutmütigkeit gezüchteten Hunde kurz und bündig heißen, hat Ropertz ein schlagkräftiges Team geformt. Er wolle ganz bestimmt nicht zu dick auftragen, sagt der Borkener, „aber wir haben eine der besten Züchtungen in Deutschland“.

Einst hatte er 28 Hunde, jetzt hat er 16, für ein Gespann braucht er zwölf. „Jetzt läuft es darauf hinaus, dass die Zucht nicht noch mal von vorne beginnt“, sagt Ropertz. In diesem Jahr solle es noch mal zwei Würfe geben, die Welpen würden an gute Freunde abgegeben. Und danach ist Schluss. Vielleicht.

Vielleicht auch nicht. Denn eigentlich will es Ropertz noch mal wissen. Diese Saison ist coronabedingt abgeblasen. Ropertz wurmt das. Mit dem Titel als Europameister aus dem vergangenen Winter hatte er sich nämlich gute Chancen bei der WM ausgerechnet. Mehr noch: „Dieses Jahr hätte ich noch mal alles abgeräumt“, sagt er ganz unbescheiden. Er sei nämlich ein „ehrgeiziger Typ“.

Beim „Arbeitsurlaub“ im Dezember, im nordschwedischen Lappland, hat Ropertz via Satellit Bundesliga gesehen. Bei den Spielen würden jetzt auch immer Statistiken mit den schnellsten Spielern eingeblendet, zieht Ropertz amüsiert einen Vergleich. „Dann steht da 34 Kilometer pro Stunde, und ich denke mir: ‚Mein Gott, sind die schnell!‘“ Allerdings schafften seine Hunde das im Schnitt über eine Strecke von 25 Kilometern.

40 Jahre Schlittenhundesport

Mit seiner Erfahrung aus 40 Jahren Schlittenhundesport weiß er seine Kräfte einzuteilen. „Mit den Bergen komme ich nicht mehr so klar“, räumt Ropertz ein. Die „jungen Leute“ nähmen ihm bei Anstiegen schon mal vier, fünf Minuten ab. „Dafür habe ich das Wissen, die Hunde so zu trainieren, dass die für mich arbeiten“, sagt er.

Ropertz weiß um seinen Rang in der internationalen Szene der Musher, der Schlittenhundeführer. Sein Rat ist gefragt. „Wir sind eine internationale Gemeinschaft“, sagt Ropertz. „Viele Freundschaften gibt es seit Jahrzehnten.“ Einige seien aus der anfänglichen Konkurrenz heraus entstanden.

Mehrfacher Weltmeister

Weltmeister sei er inzwischen „sieben oder acht Mal“. Als er als „Rookie“, als Neuling, bei den Titelkämpfen in Alaska antrat, sei er auf Anhieb Zweiter geworden. „Aber nur, weil ich so anständig war.“

Der Erstplatzierte habe nämlich mehrfach anhalten müssen, weil einer seiner Hunde ein Problem gehabt habe. „Ich bin hinter ihm geblieben“, erzählt Ropertz. Sie beide seien immer noch befreundet.

Mit 80 noch einen Titel gewinnen: „Das wäre schon schön“

Seine private Hundefreilaufzone hinterm Haus in Borkenwirthe ist einen Hektar groß. Zwei Mal am Tag lassen seine Frau und er ihre Meute dort herumtollen. Dazu gibt’s Fell- und Pfotenpflege, Zahnsteinentfernung und und und. „Langeweile haben wir nicht“, sagt Marlies Ropertz.

Und wie geht es weiter? Rudi Ropertz hat gemischte Gefühle. Einerseits: Mit 80 noch einen Titel zu gewinnen. „Das wäre schon schön“, sagt Ropertz. Und dann ist da wieder die Angst vor dem Loch nach dem dann wirklich letzten Rennen. Wenn sie dieses Jahr die Welpen abgeben, werde er nicht dabei sein, sagt Ropertz. „Dafür bin ich zu weich.“

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