Vor dem Jugendschöffengericht in Bocholt wurde das Verfahren am Montag eingestellt. © Betz
Jugendschöffengericht

Rheder Missbrauchsprozess: Verfahren einvernehmlich eingestellt

Im Missbrauchsprozess gegen einen 31-jährigen Rheder wurde das Verfahren vor dem Jugendschöffengericht in Bocholt am Montag eingestellt. Der Mann muss 5000 Euro an das mutmaßliche Opfer zahlen.

Das Verfahren gegen einen 31-jährigen Rheder wurde am Montag eingestellt. Auflage: Er muss 5000 Euro an das mutmaßliche Opfer zahlen. Sollte er das nicht tun, würde der Prozess neu aufgerollt. „Aber davon gehe ich nicht aus“, sagte der Richter.

Dem Rheder wurde vorgeworfen, zwischen 2003 und 2006 die kleine Schwester eines Freundes in acht Fällen missbraucht zu haben. Zu dieser Zeit war der Angeklagte teilweise noch strafunmündig, weil er erst 13 Jahre alt war. Das Mädchen war, als die Straftaten begonnen haben sollen, noch nicht eingeschult. Die sexuellen Übergriffe hätten aufgehört, bevor sie zur weiterführenden Schule ging, hatte die heute 24-Jährige beim Prozessauftakt berichtet. Damals habe der Freund ihres Bruders die Besuche in der Familie eingestellt.

24-Jährige litt lange unter den Folgen

Unter den Folgen des Erlebten hatte die heute die junge Frau lange zu leiden. Zwei Therapien brach sie ab. Erst eine Heilpraktikerin, die sie 2017 aufsuchte, konnte ihr helfen. Danach entschloss sich die junge Frau, den Rheder anzuzeigen, auch, um endlich einen Schlussstrich unter das Geschehene zu ziehen.

Der Rheder hatte beim Prozessauftakt geschwiegen. Gestern ließ er durch seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Sein Mandant habe auf die Vorwürfe bestürzt reagiert und sie betroffen zur Kenntnis genommen. Aber er könne sich nicht an die Vorfälle erinnern. Das heiße nicht, dass er der 24-Jährigen nicht glauben würde. Sein Mandant halte es für möglich, dass es im kindlichen Umgang miteinander beim Spielen zum Anfassen, Aneinanderpressen oder auch zu Küssen gekommen sei. „Aber den Geschlechtsverkehr schließt mein Mandant aus“, betonte der Verteidiger. Der Prozess habe den Angeklagten extrem belastet, aber er sei bereit, bei der Einstellung des Verfahrens einen moderaten Betrag zu zahlen. Den legte das Gericht auf 5000 Euro fest.

Aufklärung stieß an ihre Grenzen

Der Richter betonte, dass die Anklagepunkte, die dem Rheder zu Last gelegt wurden, schwere Straftaten seien. Aber das Gericht sei in diesem Verfahren bei der Aufklärung an Grenzen gestoßen. Das habe auch daran gelegen, dass die Taten 15 bis 17 Jahre zurücklägen und es chronologisch nicht möglich sei, jede Straftat zeitlich zuzuordnen. Rein theoretisch hätten alle Straftaten zu einem Zeitpunkt begangen worden sein können, als der Angeklagte noch strafunmündig gewesen sei.

Der Richter lobte das Auftreten der 24-Jährigen. Sie habe das Gericht überzeugt und sei immer bemüht gewesen, nur das zu schildern, woran sie sich nach so langer Zeit noch erinnern konnte. „Wir gehen nicht davon aus, dass es die Vorfälle nicht gegeben hat“, sagte der Richter. Nur konkret feststellen und beweisen, ließen sie sich nicht.

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.