So kann ein Tiny House aussehen. Die Aufnahme dieses Tiny Houses ist in den Vereinigten Staaten entstanden. Dort hat der Trend seinen Ursprung. © dpa
Tiny Houses

Rekener Firma baut Tiny-Houses – der erste Auftrag ist schon da

Tiny Houses, also winzige Wohnhäuser, liegen im Trend. Felix Küdde von der gleichnamigen Tischlerei und Zimmerei aus Bahnhof Reken sieht darin Potenzial. Kürzlich hat er seinen ersten Auftrag für ein Tiny House erhalten.

Tiny Houses, also winzige Häuser, erfahren seit mehreren Jahren einen regelrechten Hype. Im Jahr 1933 gab es zwar weder Tiny Houses noch diesen Begriff. Dennoch findet sich in Erich Kästners Roman „Das fliegende Klassenzimmer“, der in diesem Jahr erschienen ist, das literarische Tiny-House-Vorbild: Der „Nichtraucher“ hat sich in einem schmalen Eisenbahnwaggon eingerichtet.

In den Vereinigten Staaten erfreuen sich insbesondere mobile Formen der Mini-Häuser schon seit Beginn der 2000er Jahre größerer Beliebtheit. Seit einigen Jahren bekommt diese Wohnform aber auch in Europa immer mehr Aufmerksamkeit. Stichwort: Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Anfragen schon vor zwei Jahren – jetzt erster Auftrag

Es war vor zirka zwei Jahren, als bei der Tischlerei und Zimmerei von Felix Küdde in Bahnhof Reken zum ersten Mal Anfragen ins Haus flatterten, ob er sich vorstellen könne, ein Tiny House zu bauen. Damals wurde daraus nichts. Doch inzwischen hat Felix Küdde seinen ersten Auftrag erhalten. Seine Firma baut ein Tiny House, das im Garten auf einem Privatgrundstück stehen wird. „Ein Familienvater wird dort seinen Arbeitsbereich einrichten, weil im Haus ein weiteres Kinderzimmer benötigt wird“, erzählt Felix Küdde.

Das Tiny House werde individuell nach den Wünschen des Auftraggebers in Holzrahmenbauweise angefertigt, ergänzt der Bahnhof Rekener. In ein paar Wochen soll das Häuschen fertig sein.

Mit der Philosophie der Tiny-House-Bewegung hat das allerdings wenig zu tun. Da geht es eher darum, den eigenen Lebensraum zu minimieren – zugunsten der Natur und der eigenen Zufriedenheit. Die Vereinfachung der Lebensführung ist einer der zentralen Punkte.

Individualität beim Wohnen

Felix Küdde glaubt, dass Tiny Houses als Wohnform auch hierzulande eine Perspektive haben. „Die Menschen wollen Individualität und Flexibilität beim Wohnen. Es gibt außerdem immer mehr Single-Hauhalte.“ Und auch energetisch könne man mit Tiny Houses gute Ergebnisse erzielen. Der Bahnhof Rekener hat vor allem immobile Formen von Tiny Houses im Blick, weniger Mobilheime, wie sie mittlerweile häufig auf Camping-Plätzen zu finden sind.

„Bau- und genehmigungsrechtlich ist man in Deutschland allerdings relativ stark eingeschränkt“, betont Küdde. Wer dauerhaft in seinem eigenen Mini-Haus wohnen möchte, muss sich an die Bauordnung halten. Das klingt nicht nach Vereinfachung der Lebensführung oder Abenteuer-Lifestyle in der Natur.

Felix Küdde sieht Potenzial im Tiny-House-Bau.
Felix Küdde sieht Potenzial im Tiny-House-Bau. © Schulze © Schulze

Damit Tiny Houses auch abseits des Freizeitsegments in Deutschland als Wohnform salonfähig werden, bedürfe es Vereinfachungen auf der genehmigungsrechtlichen Seite, meint Felix Küdde. Zumindest müssten Tiny Houses in Bebauungsplänen ermöglicht werden. In einigen Kommunen passiert das bereits in Form von Tiny-House-Siedlungen .

Es gibt Kritik – auch am Nachhaltigkeitsaspekt

In der Regel gilt: Je größer der Hype desto mehr Gegenwind kommt irgendwann auf. Das ist bei Tiny Houses nicht anders. Kritiker bezweifeln beispielsweise, dass die Mini-Häuser geeignet sind, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sie böten zu wenig Komfort und seien zu teuer. Kritik gibt es auch am Nachhaltigkeitsaspekt.

Welche Lebensdauer hat ein Tiny House? „Dieselbe wie ein Fertighaus“, sagt Felix Küdde. „Zumindest wenn es bauphysikalisch vernünftig gemacht ist.“ Vor allem die Fassade sei entscheidend für die Lebensdauer. Seine Standardvariante in Holzrahmenbauweise mit Pultdach sei von außen verputzt und gut isoliert, sagt Küdde. Er biete Gipskartonwände und Laminatboden. Preislich gehe es bei 35.000 Euro los – zuzüglich der Planungskosten.

„Tiny Village“ in Dortmund

In Dortmund soll das „Tiny Village“ im Stadtteil Sölde entstehen. Bis zu 30 Mini-Häuser unterschiedlicher Größe sollen dort auf einem extra dafür ausgewiesenen Gelände gebaut werden. Die Stadt Dortmund bezieht die künftigen Bauherren in die Gestaltung des Gebiets mit ein. Interessenten sollen Baugruppen bilden. Laut einem Bericht der „Ruhrnachrichten“ hofft der zuständige Stadtplaner, dass die Baugruppen ihre Entwürfe bis zum Herbst konkretisiert haben. 2022 soll demnach die Verkehrserschließung des Gebiets beginnen. Ein Jahr später könnte Baustart sein. Gleichwohl ist die Bauleitplanung nicht abgeschlossen.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.