Obelix ist aktueller Weltrekordhalter. Talina Lorei ist stolz auf ihr 23 Jahre altes Pony. © Berthold Fehmer
Weltrekord

Mit Video: Talina Lorei macht Pony-Opa Obelix zum Weltrekordhalter

Frischgebackener Weltrekordhalter ist Obelix. Mit 23 Jahren ist er zwar schon ein Pony-Opa. Doch Talina Lorei trainierte ihn so, dass er beim ersten Versuch einen Weltrekord pulverisierte.

Talina Lorei und Obelix leben auf der Lopaka Ranch an der Alten Fährstraße in Schermbeck. Die 26-Jährige sagt über sich: „Ich saß auf einem Pferd, bevor ich laufen konnte.“ Obelix war zwar nicht ihr erstes Pferd – das bekam sie mit 3: „Ein Shetty – so ein kleiner schwarzer Teufel.“ Doch vor 19 Jahren wurden Obelix und Talina ein Herz und eine Seele. „Jeder weiß immer sofort, wie es dem anderen gerade geht“, sagt sie.

Hochklassige Dressur-Wettbewerbe ist Talina Lorei mit Obelix geritten und erinnert sich noch gern daran, wie manche sie bei Turnieren hochnäsig abweisen wollten, weil jetzt die S-Dressur-Prüfung sei und keine Pony-Reitstunde. „Und dann haben wir alle geschrubbt“, sagt sie lachend. Doch irgendwann sei sie so groß geworden, dass sie selbst sagt: „Das sieht auf einem Pony nicht mehr so elegant aus.“

Comedy-Show einstudiert

Das Duo versuchte es mit Westernreiten, doch das war Talina Lorei zu langweilig. „Working Equitation“ (Arbeitsreitweise) war die nächste Station, eine Turnierdisziplin, die auf traditionellen Reitweisen beruht. Nebenbei brachte Talina Lorei Obelix immer neue Tricks bei, und studierte sogar eine Comedy-Show mit ihm ein. Das erste Mal, dass beide ihre Tricks zeigten, war gleich bei der Messe „Equitana“ – vor 5000 Leuten. „Ab und zu habe ich so verrückte Ideen.“

Tänzchen gefällig? Auch das hat Obelix drauf.
Tänzchen gefällig? Auch das hat Obelix drauf. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Die Corona-Ruhepause von Turnieren wusste Talina Lorei zu nutzen. „Obelix ist vom Charakter der liebe ruhige Typ. Der wäre auch glücklich, wenn er seine Wiesen und seine Stuten um sich hätte“, sagt sie lachend. „Er guckte manchmal ein bisschen gequält, wo ich ihn wieder mit hinschleppe. Ich bin auch mal auf Mittelalterturnieren geritten.“

„Rente ist noch nicht“

Trotzdem beschloss Talina Lorey für Obelix: „Rente ist noch nicht.“ Sie überlegte: „Der kann ja ein paar Tricks.“ Und dann schaute sie nach, was der Weltrekord sei, wie viele Tricks ein Pferd in einer Minute geschafft hat. „Das waren 14.“ Ein Wettbewerb gegen die Zeit sei „vielleicht nicht die schlauste Idee gewesen, wenn man ein eher ruhiges, faules Pferd hat“, sagt sie augenzwinkernd.

Zwei, die sich scheinbar blind verstehen: Pony Obelix und Talina Lorei.
Zwei, die sich scheinbar blind verstehen: Pony Obelix und Talina Lorei. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Bei „Official World Record“ in Barcelona bewarb sich Talina Lorei mit Obelix. Insgesamt zwei Jahre Vorbereitungszeit habe es gebraucht, bis Obelix seine Tricks in Blöcken von fünf bis sechs Tricks hintereinander abspulen konnte. Etwas improvisieren müsse man bei jedem Durchgang, sagt die 26-Jährige, und ungewohnt sei auch, dass kein physischer Kontakt beim Weltrekord erlaubt sei. „Wenn ein Trick nicht klappt, muss man einen Backup-Trick im Kopf haben.“

Auf der Lopaka Ranch wurde der Weltrekordversuch nach strengen Regeln im Spätsommer durchgeführt. Bekannte hätten dabei geholfen, so Talina Lorei. Einer musste die Tricks filmen, einer die Szenerie mit Zuschauern. Zwei wurden offiziell zur Zeitmessung akkreditiert. Drei waren als Zeugen eingeplant. Etwa zehn Menschen seien dabei gewesen – die Familie habe zugeschaut. „Der Papierwust war das größte Problem.“

21 Tricks in einer Minute

Mehrere Versuche waren möglich, „aber wir haben den ersten genommen“. Denn da hatte Obelix statt geforderten 15 schon 21 Tricks in einer Minute absolviert. Obelix kann nicken, mit dem Kopf schütteln, „Pfötchen geben“, apportieren, eine Verbeugung machen, mit allen Vieren hochspringen und sogar Karten mit Buchstaben in der richtigen Reihenfolge ziehen, sodass sein Spitznamen „Obi“ herauskommt.

Und das sind längst nicht alle Tricks, die das Deutsche Reitpony beherrscht. Talina Lorei wählte natürlich beim Kampf gegen die Uhr diejenigen aus, die sich am schnellsten umsetzen lassen. Jedoch hätten die Tricks auch nicht zu ähnlich sein dürfen.

Die Filme und Unterlagen wurden eingeschickt, aber erst in der vergangenen Woche erhielt Talina Lorei die offizielle Urkunde für den Weltrekord. „Die muss noch gerahmt werden. Das habe ich bis jetzt nicht geschafft.“

Jungpferde werden ausgebildet

Wie lange hätte sie wohl für die Vorbereitung gebraucht, wenn Obelix noch keine Tricks gekonnt hätte? Dann wären es wohl sechs bis sieben Jahre gewesen, schätzt Talina Lorei. Dass jetzt gerade keine Turniere und Shows sind, kommt ihr eigentlich ganz gelegen. Zwei Jungpferde habe sie, die sie gerade systematisch ausbilden könne, sagt die lizensierte Trainerin für Reitsport.

Obelix sei zu Beginn, als Talina Lorei begann, auch mit anderen Pferden zu arbeiten, „schwerst eifersüchtig“ gewesen, sagt sie. „Er muss immer wissen, dass er meine Nummer 1 ist“, sagt sie und nennt ihn: „Mein Sensibelchen“. Ihre Beziehung sei aber eine besondere, da sie mit Obelix gelernt habe. „Bei allen Tieren, die später kamen, war es so: Denen bringe ich was bei.“

Obelix als Gentleman

Die Tricks, die Obelix im Laufe der Jahre gelernt hat, helfen Talina Lorei auch im Alltag. „Wenn ich füttere, sammelt er die Schüsseln von anderen Pferden ein. Und manchmal nimmt er mir die Jacke ab – da ist er ein Gentleman.“

Bekommt Obelix als amtierender Weltrekordhalter denn jetzt seinen verdienten Ruhestand? Talina Lorei sagt augenzwinkernd, sie habe „schon was im Hinterkopf“: „Vielleicht eine Zaubertrick-Nummer.“ Hinkelsteine-Apportieren, Wildschweine-Jagen und Römer-Verdreschen gehören aber nicht dazu.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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