Der alte Faulturm wird abgerissen und der neue rechts daneben gebaut, wo derzeit noch die Reste des alten Sozialgebäudes liegen. © Sven Betz
Sanierung

Lange Planung: Rheder Kläranlage wird bei laufendem Betrieb saniert

Die Sanierung im Rheder Klärwerk hat begonnen. Dabei erfolgt diese bei laufendem Betrieb. Dabei muss jede Menge beachtet werden. Im ersten Schritt geht es dem Faulturm an den Kragen.

Die Rheder Kläranlage wird bei laufendem Betrieb saniert. Die Planungen laufen bereits seit Jahren. Bis 2024 sind drei Bauabschnitte geplant. Aktuell wird der Faulturm aus den 1950er-Jahren abgerissen. Dabei muss jede Menge beachtet werden.

Vom ehemaligen Faulturm steht noch das Gerippe. Vom alten Sozialgebäude mit Labor ist bereits nur noch Schutt übrig. Ein Bagger sortiert die Überreste des Gebäudes, für das es bereits Ersatz gibt. Am alten Faulturm müssen vor dem Abriss zunächst die schwarzen Außenplatten abgenommen werden. Stück für Stück, denn darin ist Asbest verarbeitet. Sind die weg, fällt auch der Turm, in dem jahrzehntelang der Faulschlamm entwässert wurde.

Sanierung im April gestartet

Im April startete die lange geplante Sanierung der Rheder Kläranlage am Winkelhauser Esch. In drei Bauabschnitten soll das Klärwerk bis 2024 modernisiert werden. „Das ist so ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen“, sagt Jens Schröer vom städtischen Abwasserbetrieb.

Denn gearbeitet wird im laufenden Betrieb. Weiterhin müssen täglich zwischen 2500 und 4500 Kubikmeter Abwasser aus den Rheder Haushalten und Betrieben gereinigt werden, um anschließend in den Rheder Bach geleitet zu werden.

Faulgas soll Blockheizkraftwerk betrieben

Bislang wurden mit dem Gas aus dem Faulturm die Gebäude auf dem Klärwerksgelände geheizt, erläutert Schröer. Künftig soll mit dem Faulgas ein Blockheizkraftwerk betrieben und dort Strom und Wärme produziert werden, erläutert Jens Schröer. Geplant sei zudem eine Fotovoltaikanlage.

„Wir wollen künftig einen hohen Anteil des Strombedarfs für das Klärwerk selbst decken können“, so Schröer. „Ziel ist ein Eigenversorgungsgrad von 70 Prozent.“ Insgesamt solle durch die Sanierung der Strombedarf reduziert werden – von derzeit rund 850.000 Kilowattstunden im Jahr auf prognostizierte rund 555.000 Kilowattstunden.

Erster Bauabschnitt läuft bis 2022

Im ersten Bauabschnitt, der bis 2022 läuft, wird auch das Vorklärbecken abgerissen. Ersetzt werden soll es durch eine Siebmaschine, die laut Schröer „relativ selten zu finden ist“ und die es seines Wissens im Münsterland noch nicht gibt. Vergangenen Sommer habe man bereits mit einer Versuchsanlage gearbeitet, die gute Ergebnisse geliefert habe. Deshalb werde man nun umstellen.

Rund 1,2 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser fließen im Jahr durch die Kanäle in die Kläranlage am Winkelhauser Esch. Vier große Pumpen pumpen das Schmutzwasser hoch, „damit es die ganze Anlage im Freigefälle durchfließen kann“, erläutert Schröer. Die Pumpen würden dieses Jahr ebenfalls ausgetauscht, eine weitere Maßnahme, die „massiv Strom spare“.

Neues Belebungsbecken wird gebaut

Im zweiten Bauabschnitt an der Kläranlage soll ein neues (drittes) Belebungsbecken gebaut und ein altes abgerissen werden. Dort werde dem Wasser Sauerstoff zugeführt, „damit die Mikroorganismen aktiv werden“ und im Abwasser gelösten organischen Stoffe sowie Phosphate und Stickstoffverbindungen abbauen. Da werde einem Verfahren, aus der Natur technisch nachgeholfen. „Ein Bach reinigt sich auch selbst“, so Schröer.

Im dritten und letzten Bauabschnitt soll schließlich in den Jahren 2023 bis 2024 die Schlammentwässerung modernisiert werden. Die alte Kammerfilterpresse zur Klärschlammentwässerung wird dann durch eine moderne Trocknungsmaschine ersetzt – auch die deutlich energiesparender als die aktuelle Presse.

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