Kleingartenanlagen sind typisch für Ballungsräume, es gibt sie aber auch im Kreis Borken. (Symbolfoto) © dpa
Kreis Borken

Kleine Gärten mit großem Zuspruch: Schrebergärten immer beliebter

„Der Zuspruch für Kleingärten steigt“, sagt Rolf Mümken. Er ist ist stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Bocholt/Borken der Kleingärtner e.V. Der Trend liegt nicht an der Pandemie.

Ein Stückchen Rasen, ein paar Gemüsebeete und Blumenrabatten – kurzum ein paar Quadratmeter Grün, auf denen man die Seele baumeln lassen kann. In Zeiten von Corona ist der eigene Garten für viele Menschen ein idealer Ort, um die Pandemie mit ihren Beschwernissen ein paar Stündchen hinter sich zu lassen. In ländlichen Regionen wie dem Kreis Borken tun das die meisten im eigenen Garten hinterm Haus.

Rolf Mümken und seine Frau Karola gehören zu jenen in der Region, die einen Garten gepachtet haben und viel Freizeit in einer Kleingartenanlage verbringen. Rolf Mümken ist stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Bocholt/Borken der Kleingärtner e.V. Dem Verband gehören fünf Vereine in Bocholt und einer in Rhede an. „Der Zuspruch für Kleingärten steigt“, sagt der 64-Jährige beim Besuch der Anlage des Kleingartenvereins Gartenfreunde am Bocholter Stadtwald. Und zwar so sehr, dass dort derzeit keiner der rund 100 Gärten frei ist und bei Nachbarvereinen auch nicht.

Lange Warteliste

Wer Kleingärtner werden will, der muss sich nicht nur in Bocholt auf eine Warteliste setzen lassen – und Geduld mitbringen. Viel Geld braucht man hingegen nicht, um Kleingärtner zu werden. Gerade einmal 15 Cent pro Quadratmeter und Jahr kostet der städtische Boden. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge für den Verein von ein paar Euro im Monat und – sofern schon eine Laube auf dem Grundstück steht – eine Abstandszahlung an den Vorbesitzer. Die aber ist nach oben gedeckelt und beträgt maximal 2700 Euro. Sogar einen „sozialen Faktor“ gibt es dabei, der etwa Familien helfen soll. Unterm Strich komme man so auf 20,30 Euro pro Monat für einen 400 Quadratmeter großen Kleingarten, sagt Rolf Mümken. „Billiger kann man keinen Urlaub haben“, sagt seine Frau Karola Mümken (60) und lacht.

Was manchen vom Kleingarten fernhält, andere aber anzieht, ist die Nachbarschaft mit vielen anderen Gartenfreunden. „Im Kleingarten gibt es kein Sie. Und im Kleingarten entstehen langjährige Freundschaften“, sagt Karola Mümken beim Rundgang durch die Anlage, auf der wegen der kalten Wetterlage nur ein paar Pächter werkeln. „Früher war das aber mal mehr“, sagt ein Mann um die 50, der mit dem Rechen sein Grundstück säubert. Da habe man noch regelmäßig vor der Laube zusammengesessen, habe Gemüse geschnibbelt und gekocht und gemeinsam gegrillt. Und auch die geselligen Runden in der Vereinsgaststätte seien mehr gewesen. Heute gärtnerten viele so vor sich hin. Schade findet er das.

Apropos „Vor-sich-hin gärtnern“: Wer auf die Idee kommt, er könne auf seinem Gartengrundstück machen, was er will, der ist in einer Kleingartenanlage fehl am Platz. Schließlich gibt es ein eigenes Gesetz, das Bundeskleingartengesetz, das vieles regelt. Etwa, dass ein Kleingarten im Sinne des Gesetzes maximal 400 Quadratmeter groß sein darf und die Laube darauf höchstens 24 Quadratmeter inklusive Freisitz. „Und dass auf mindestens einem Drittel der Fläche Nutzpflanzen stehen sollten“, sagt Rolf Mümken. Ein weiteres Drittel ist für Zierpflanzen vorgesehen und ein Drittel für die „Freizeitgestaltung.“

Regelmäßige Begehungen

Damit diese Vorgaben und die Regeln der Kleingartenvereine auch eingehalten werden, gibt es regelmäßige Begehungen. Wer sich nicht an die Regeln hält oder bei wem nicht die Stangenbohnen Rekordhöhen erreichen sondern das Unkraut, der muss beim Vereinsvorstand antanzen. Dann gibt‘s Ermahnungen und am Ende schlimmstenfalls den Rausschmiss. „Das ist alles schön geregelt“, sagt Karola Mümken.

Aller Vereinsmeierei zum Trotz finden bundesweit, aber auch in Bocholt, zunehmend junge Familien zum Gärtnern und zum Kleingarten. „Da können die Kinder schließlich mal sehen, wo das Gemüse herkommt“, sagt Rolf Mümken, der selbst „von allem ein bisschen anbaut“, aber auch schon mal ausgefallenere Dinge wie Auberginen ausprobiert. Für die Neuankömmlinge hielten die „alten Hasen“ Tipps und Tricks parat, sagen die Mümkens. Und wer Lust auf Gespräche und Nachbarschaft habe, bekomme schnell Anschluss. Die beiden Bocholter mögen ihren Kleingarten auf jeden Fall nicht mehr missen. Und wenn‘s wärmer werde und die Sonne scheint, „dann ist das hier so herrlich, das kann man sich kaum vorstellen“, sagt Karola Mümken.

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