Wildgänse fliegen von einem Feld auf. Durch solche Tiere erfolgt in der Regel der Viruseintrag. Wegen mehrerer Ausbrüche von Geflügelpest gilt derzeit auch im Münsterland die Aufstallpflicht. Im Kreis Borken werden in circa 2100 Geflügelhaltungen 4 Millionen Stück Geflügel gehalten. Eine Übertragung auf den Menschen nennt Borkens Chefveterinär Dr. Manfred Ulrich unwahrscheinlich. Die H5N8-Variante sei für Menschen in der Regel nicht gefährlich. © dpa
Weniger Neuausbrüche

Gute Nachricht für Geflügelhalter: Die Geflügelpest flaut allmählich ab

Laut Chefveterinär des Kreises Borken flaut die Geflügelpest im Kreis langsam ab. Das liege auch am Wetter. Noch ist nicht klar, wann die Geflügelhalter ihre Ställe wieder öffnen dürfen.

Dr. Manfred Ulrich zeigt sich „guter Dinge“: Wenn allmählich die Wärme einziehe, komme in der Regel das Seuchengeschehen „zur Ruhe“. Damit meint der Chefveterinär des Kreises Borken die Geflügelpest, die Geflügelhalter im Regierungsbezirk Münster seit dem 26. März zwingt, ihre Tiere im Stall zu lassen.

Optimistisch stimmt Ulrich freilich der Hinweis des Friedrich-Loeffler-Instituts als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Er sagt: „Ein Rückgang der Neuausbrüche ist deutlich festzustellen.“

Infizierte Wildgans wurde in Werth entdeckt

Ein Opfer der Geflügelpest sei wie berichtet in Werth gefunden worden. Das sei bereits an Ostern gewesen, sagt Chefveterinär Ulrich auf Anfrage. Anwohner hätten die Wildgans im Werther Baggersee entdeckt und die Stadtverwaltung informiert. Die habe das Tier ordnungsgemäß geholt und dem Kreisveterinäramt übergeben. „Wir haben es weitergeleitet und zur Untersuchung gegeben“, sagt Ulrich.

Das geschah in Münster beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe. Dort deutete der Befund auf Geflügelpest hin, doch zur Bestätigung wird in solchen Fällen stets das Friedrich-Loeffler-Institut als „Referenzlabor“ eingeschaltet. Vorher dürfe ein solcher Fall nicht veröffentlicht werden, erklärt Ulrich. Da das Loeffler-Institut aber bundesweit zuständig sei und die Untersuchung toter Wildvögel nicht so dränge wie entsprechende Befunde bei Hausgeflügel, könne der Bestätigungstest „länger dauern“ – „die untersuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten“.

Kreisveterinäramt entscheidet, was mit Fundtieren zu tun ist

Wie man dann mit solch einem Fund umgehe, sei abzuwägen, sagt Ulrich. Bei Wildgeflügel – anders als bei Hausgeflügelbeständen – liege dies im Ermessen des Kreisveterinäramtes. Und das entscheide nach „Geflügeldichte“, erläutert der Chefveterinär. Weil es in Werth und überhaupt in Isselburg keine größeren Geflügelhaltungen gebe, habe der Kreis hier weder Sperrbezirk (Radius: drei Kilometer) noch Beobachtungsgebiet (zehn Kilometer) ausgewiesen. Schließlich zögen solche Restriktionen stets Handelsbeschränkungen nach sich.

Bisher sei im Kreis auch kein weiterer Fall aufgetreten, sagt Ulrich. Mit Blick auf einen Anrufer aus Bocholt deutet er auf das Gebot der Verhältnismäßigkeit: Wegen der verendeten Wildgans aus Werth habe ihm der Mann eine tote Singdrossel gemeldet. Die spiele mit Blick auf die Geflügelpest aber keine Rolle, betont der Kreisveterinär – hier gehe es in erster Linie um Wassergeflügel.

Gefundene Menge an toten Wildtieren war „gravierend“

In diesem Jahr sei die Menge an aufgefundenen toten Wildvögeln und die Zahl der Todesfälle in Hausgeflügelbeständen „gravierend“ gewesen, berichtet Ulrich. „Die Mortalitätsrate war diesmal sehr hoch.“ Dies zeige an, wie aggressiv dieses H5-Virus sei. Bundesweit habe es seit Ende Oktober 1200 Wildvögel getötet und 245 Tiere in Hausgeflügelbeständen. In Münster traf es im März einen größeren Putenbestand von 6800 Tieren sowie zwei kleinere Hühnerbestände im Kreis Warendorf. Dort seien zuletzt Mitte April lediglich vier Hühner betroffen gewesen. Doch „jedes Huhn ist eines zu viel“, sagt Dr. Manfred Ulrich. Mit Blick auf mögliche Restriktionen mache die Zahl der betroffenen Tiere keinen Unterschied.

Eingeschleppt werde das Virus in der Regel durch Wildgänse, erklärt der Kreisveterinär. Die Übertragung erfolge vor allem durch Tröpfcheninfektion. Weitere Infektionen könnten sich durch „Vektoren“ ereignen – wenn zum Beispiel ein Mensch das Virus mit seinen Stiefeln von Stall zu Stall trage – oder durch Windübertragung, falls Ställe dicht beieinanderlägen. Ulrich hofft, dass die Aufstallpflicht bald wieder aufgehoben wird. Das sei frühestens am 16. Mai möglich – sofern es bis dahin in der Region keine weiteren Ausbrüche gebe.

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