Georg Badurczyk vom Kirchenvorstand, Thomas Vestrick von der Zentralrendantur des Dekanats Borken und Architektin Monika Göddeker (von links) auf dem Gerüst an der Giebelseite der Schlosskapelle Sankt Sebastian. Dort laufen Sanierungsarbeiten. © Stephan Werschkull
Sanierung mit Fingerspitzengefühl

Dritter Bauabschnitt an der Schlosskapelle in Raesfeld hat begonnen

Die Sanierung der Kapelle Sankt Sebastian hat den dritten Bauabschnitt erreicht. Jetzt wird an der Fassade gearbeitet.

Nahezu zärtlich berührt Monika Göddeker den Sandstein am First der St.-Sebastian-Kapelle. Die Architektin kümmert sich um die Sanierung der Kapelle. Aktuell wird am dritten Bauabschnitt gebaut. Der Abschnitt umfasst die Sanierung der Giebelseite – eine filigranere Aufgabe als man beim Anblick des großen Gebäudes denken mag.

Jeder Stein und jede Fuge des Bauwerks wurde abgeklopft, um die Beschaffenheit festzustellen. „Man hört es, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Architektin Göddeker während sie auf dem Gerüst über den Dächern der Raesfelder Freiheit steht.

Fugen haben unter 50 Jahren Witterung gelitten

Ein Problem, das Göddeker und ihre Kollegen festgestellt haben: Die Fugen, die vermutlich in den 1960er-Jahren zuletzt erneuert wurden. Unter der Witterung haben diese gelitten. Die Mauersteine ließen Feuchtigkeit herein. Das Ergebnis: Ausplatzungen. Damit sich das nicht wiederholt, sollen die neuen Fugen die Feuchtigkeit aus dem Gemäuer rauslassen. „Das muss eine Ehe zwischen Stein und Fuge sein“, erklärt Göddeker bevor sie eine Gerüsttreppe nach oben steigt.

Mörtel drohte abzustürzen

Dort verbirgt sich eine Sandstein-Einfassung, der das Wetter zugesetzt hat. In der Vergangenheit hat dem Anschein nach bereits eine Behelfs-Ausbesserung stattgefunden. „Eine Auftragung mit Mörtel, der modelliert wurde“, erklärt Göddeker. Das sehe erst einmal so aus wie echter Sandstein, doch Stein und Auftragung unterscheiden sich in ihrer Härte. „Hier ist es erstaunlich lange gut gegangen“, sagt die Architektin. Ein Glück, insbesondere für die Passanten vor der Kapelle. Denn es bestand die Möglichkeit, dass der Mörtel abklappt und hinunterfällt. Auch deshalb seien die Bauarbeiten an der Kapelle notwendig, erklärt Georg Badurczyk vom Kirchenvorstand.

Millimeterarbeit notwendig

Die Notwendigkeit wird auch eine Etage höher deutlich. Dort zeigt Göddeker Wasserschläge, die rund um das Gemäuer verlaufen. „Einer kam uns entgegen als wir ihn nur angefasst haben“, sagt sie.

Anderswo geht es um deutlich filigranere Probleme: In einem Sandstein-Wappen lässt sich an der Schnauze eines Löwen ein Riss erkennen. Um Abplatzungen zu vermeiden, müssen die Arbeiter hier mit besonders viel Fingerspitzengefühl ans Werk gehen. Mit einer Spritze, laut Göddeker „dünn wie beim Arzt“, wird ein Klebstoff in den Stein gefüllt.

Auch winzige Hohlräume und Risse werden damit beseitigt. Millimeterarbeit, die Zeit kostet. Die Bauzeit ist auch immer wieder ein Thema, auf das Badurczyk angesprochen wird. Die Fertigstellung im Juni ist wohl nicht zu halten. „Im Laufe des Sommers“ soll es nun klappen. Die Gründe dafür sind vielseitig. Da ist zum einen das Wetter, das Arbeiten an der Fassade erschwert hat. Zum anderen gebe es „viele Restaurierungsschäden“, die man nicht erwartet hatte, betont Göddeker nach dem Abstieg vom Gerüst.

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