Protest vor Rathaus

70 Demonstranten stemmen sich in Coesfeld gegen Westfleisch-Pläne

Während im Coesfelder Rathaus hinter verschlossenen Türen über die Erweiterungspläne von Westfleisch gesprochen wurde, formiert sich draußen der Protest.
Rund 70 Demonstranten empfingen die Westfleisch-Vertreter und Lokalpolitiker vor dem Rathaus mit Spruchbändern, Trillerpfeifentönen und Trommelschlag. Beteiligt waren neben den Grünen die Gruppen „Coesfeld for Future“, IGBCE, Nabu, tierretter.de, Animal Liberation, Vier Pfoten, Peta und eine Delegation von Westfleisch-Kritikern aus Oer-Erkenschwick. © Detlef Scherle

„In dieses Unternehmen setzen die Coesfelderinnen und Coesfelder kein Vertrauen mehr.“ Deutliche Worte findet Sarah Albertz, Grünen-Fraktionschefin im Stadtrat, als sie am Dienstag rund 70 Protestierende auf dem Marktplatz begrüßt.

Sie sind das selbst ernannte „Empfangskomitee“ für leitende Mitarbeiter von Westfleisch, die am Spätnachmittag Vertretern der Stadtrats-Fraktionen im Rathaus ihre Pläne erläutern wollen. Perspektivisch könnten in Stockum ein Viertel mehr Schweine – 70 000 statt 55 000 pro Woche – geschlachtet werden. Das sei aber alles „noch gar nicht so klar“, wie Westfleisch-Sprecher Meinhard Born erklärte. Die Erweiterungspläne seien im vergangenen Jahr erstmal auf Eis gelegt worden – „daran hat sich bis heute nichts geändert“.

Demonstranten glauben nicht, dass Pläne auf Eis liegen

Die Demonstranten wollen das angesichts der aktuellen Aktivitäten auf dem Gelände nicht glauben. Wie berichtet, hat Westfleisch unter anderem mit dem Bau eines neuen Kühlhauses begonnen. „Westfleisch stoppen – jetzt sofort“, heißt die Antwort auf einem Plakat. „Stopp, stopp, stopp, Westfleisch stopp“, hallt es laut über den Platz.

Trillerpfeifentöne und Trommelschläge bilden den Soundtrack dieser Mahnwache, bei der sich die Teilnehmer vor allem auch darüber echauffieren, dass Westfleisch „schon begonnen hat, Fakten zu schaffen“, wie es eine junge Frau im Gespräch mit unserer Zeitung formuliert. Heimlich sei man schon angefangen mit der Erweiterung – „mit Billigung der Stadt“. Das ärgere sie und auch, dass Westfleisch zum Beispiel, was die Bauhöhe angehe, machen darf, was das Unternehmen will – „Alt-Bürgermeister Öhmann hat da noch Freifahrtscheine ausgestellt.“

Protestgruppe fordert Transparenz

„Es geht uns um Transparenz“, ruft Albertz den Protestlern zu, die aus vielen verschiedenen Gruppen kommen. Viele Grüne sind darunter, Naturschutzbund-Vertreter, Gewerkschafter von der IGBCE. Aber auch Aktivisten von tierretter.de, Animal Liberation, Vier Pfoten und Peta. Eigens angereist ist eine Westfleisch-kritische Gruppe aus Oer-Erkenschwick, wo auch ein Schlachthaus erweitert wurde. Albertz verweist darauf, dass Umbrüche in der Welt im Gange seien, auf die auch Westfleisch Antworten finden müsse: Schließlich solle ja nicht für ein paar Jahre neu gebaut werden, sondern „für 60, 70 Jahre muss das Sinn machen“.

Dann geht sie rein ins Rathaus zum Dialog mit den Westfleisch-Vertretern. Die Öffentlichkeit ist dabei nicht zugelassen. Auf Nachfrage unserer Zeitung spricht Bürgermeisterin Eliza Diekmann im Anschluss von einem „sehr offenen und transparenten Austausch“. Der Kühlhaus-Neubau, nennt sie ein Thema, habe noch nichts mit der Erweiterung zu tun. Sie stellt klar, dass Westfleisch dafür auch einen ökologischen Ausgleich leisten müsse.

Vorarbeiten für Bebauungsplan laufen – Bürgerbeteilung zur Not digital

Zwar habe es im Bescheid eine Befreiung gegeben. Das Thema sei aber vorher schon in städtebaulichen Verträgen geregelt worden. Diekmann betont, dass ungeachtet der weiteren Absichten von Westfleisch, die Vorarbeiten für den Bebauungsplan weiterliefen. „Die Gutachten sind gerade da und werden bei uns im Hause geprüft.“ Im Laufe des Verfahrens, verspricht sie, werde es „auf jeden Fall eine Bürgerbeteiligung“ geben. Unabhängig von Corona: „Notfalls machen wir das digital.“

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