In kleinen Gruppen bringt Matthias Schnatmann Kindern das Schwimmen bei. © Schwimmschule Magellan

Schwimmlehrer kämpft gegen den Untergang: „Eigentlich wäre Hochsaison“

Seit einem halben Jahr sind die Schwimmschulen geschlossen. Dabei hätten sie jetzt Hochsaison. Ein freiberuflicher Schwimmlehrer berichtet, wie er gegen den eigenen Untergang anschwimmt.

Zu normalen Zeiten hätte Matthias Schnatmann in diesen Wochen vor der Urlaubszeit Hochbetrieb. „Familien fahren nach Holland oder an die Nordsee – ans Meer“, sagt er. „Den Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder schwimmen können.“

Matthias Schnatmann betreibt die Schwimmschule Magellan. In Dortmund-Lütgendortmund unterhält er ein kleines Schwimmbad mit einem vier mal acht Meter großen Becken. In Castrop-Rauxel-Ickern bietet er im Lehrschwimmbecken an der Uferstraße Kurse an. In Datteln lernen Kinder im Stadtbad schwimmen.

Das Lehrschwimmbecken in Ickern hatte im Herbst 2020 nur kurz auf – dann fiel eine Pumpe aus und alle Schwimmkurse mussten abgesagt werden.
Das Lehrschwimmbecken in Ickern hatte im Herbst 2020 nur kurz auf – dann fiel eine Pumpe aus und alle Schwimmkurse mussten abgesagt werden. © Michael Fritsch (Archiv) © Michael Fritsch (Archiv)

Wöchentlich kommen zwischen 100 und 150 Kinder in die Kurse – kleine Gruppen mit bis zu sieben Teilnehmern. Sie können Prüfungen vom Seepferdchen für Frühschwimmer bis zum silbernen Schwimmabzeichen ablegen.

„Seepferdchen nenne ich gern die ‚Lizenz zum Ertrinken‘“, sagt der Schwimmlehrer. „Erst ab Bronze können Kinder richtig schwimmen.“ 200 Meter müssen sie dann unter anderem durchhalten. Gut 25 Unterrichtsstunden benötigen die Kinder bis zum Seepferdchen, weitere 20 bis zum Schwimmabzeichen in Bronze.

Gefahr auch im Pool

Die Gefahren lauern nicht nur im Urlaub bei einer Unterströmung im Meer. „Die Pools im Garten werden immer größer und tiefer“, sagt Schnatmann. Für die Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter eine Gefahr. Viele Eltern wissen das und wollen eine unbeschwerte Ferienzeit erleben.

Seit dem 2. November 2020 ist die Schwimmschule Magellan wegen des Corona-Lockdowns jedoch geschlossen. Zum zweiten Mal: Im Sommer und Herbst vergangenen Jahres waren vorübergehend Kurse möglich – mit einem strengen Hygienekonzept.

Seit November schwimmt Matthias Schnatmann selbst gegen den Untergang an. Einnahmen aus dem Schulbetrieb hat er nicht. Die Kosten am Standort der Schwimmschule aber sind fix: gut 2500 Euro im Monat – für die Miete des kleinen privaten Schwimmbades, für Wasser, Heizung und Strom.

Klein aber fein ist die private Schwimmschule in Lütgendortmund am Lindentalweg 16a.
Klein aber fein ist die private Schwimmschule in Lütgendortmund am Lindentalweg 16a. © Schwimmschule Magellan © Schwimmschule Magellan

Die Wassertemperatur im Lütgendortmunder Lehrschwimmbecken hat er auf 20 Grad herunter gefahren. „Wenn ich die Heizung ganz abschalte, könnte ich sparen“, erklärt er. „Die Wiederinbetriebnahme aber wäre teurer.“

Warten und Spazierengehen

Matthias Schnatmann hat als Freiberufler staatliche Überbrückungshilfen beantragt. Das Problem: Sie erstatten die Fixkosten wie Miete, Nebenkosten und Energie. „Aber kein Geld für den Lebensunterhalt“, sagt er.

Es waren Monate mit schlaflosen Nächten. „Man wartet, wartet, wartet. Wann gibt es endlich Geld?“, erzählt der Schwimmlehrer. Seine Eltern unterstützten ihn mit einem privaten Kredit. Der Vermieter des kleinen Schwimmbades stundete über Monate die Miete.

„Diese tote Zeit nervt“, schildert er seine Gemütslage. „Ich bin froh, dass ich zumindest meine beiden Hunde habe und spazieren gehen kann.“ Zwar spät, aber letztlich sei die staatliche Unterstützung geflossen.

Matthias Schnatmann ist mit seinen Hunden viel in der Natur unterwegs. Damit verbringt er die Wartezeit, bis siene Schwimmschule wieder öffnen darf.
Matthias Schnatmann ist mit seinen Hunden viel in der Natur unterwegs. Damit vertröstet er sich die Wartezeit, bis siene Schwimmschule wieder öffnen darf. © Matthias Schnatmann © Matthias Schnatmann

Und jetzt, mit der Erweiterung der Überbrückungshilfe III konnte er zusätzlich einen Eigenkapitalzuschuss beantragen. Einmalig 7500 Euro – das muss reichen. „Ende Juni läuft die Überbrückungshilfe aus“, sagt er. „Wenn es im Juni oder Juli nicht wieder losgeht, weiß ich auch nicht, wie es weitergehen soll.“

Beruf als Lebensaufgabe

Matthias Schnatmann ist 56 Jahre alt. Seinen Beruf sieht er als Lebensaufgabe. „Wenn Sie in die Kinderaugen sehen, wie sie sich freuen, dass sie schwimmen können – das ist schön.“

Der Schwimmlehrer gibt nur noch „Prognosen für zwölf Stunden“ ab, um Enttäuschungen zu vermeiden. Er denkt aber an die Zukunft. „Wenn es wieder losgeht, gibt es einen Run auf die Kurse.“ Dafür sucht er dringend eine Schwimmlehrerin oder einen Schwimmlehrer.

Eine Woche brauche er, um den Betrieb wieder hochzufahren. „Alle wollen dann zumindest in ein, zwei Monaten ein bisschen schwimmen lernen“, sagt Matthias Schnatmann. Für ein wenig Sicherheit in einem hoffentlich unbeschwerten Familienurlaub.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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