Zu viel Zinsen: Wenn Banken Sparverträge loswerden wollen - Widerspruch kann sich lohnen

dzÄrger um Sparverträge

Vor 18 Jahren schloss die heute 50-Jährige ihren Sparvertrag ab - gut verzinst. Für Banken heute ein Problem, sie kündigen vermehrt. Aber Widerstand kann sich duchaus lohnen.

Lünen

, 09.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gut verzinste Sparverträge sind in der aktuellen Niedrigzinsphase für Banken und Sparkassen nicht gerade das, was man sich wünscht. Die Verbraucherzentrale in Lünen berichtet jetzt davon, dass immer mehr Menschen in der hiesigen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Hilfe suchen, weil die Banken versuchen solche Verträge loszuwerden. Neben zahlreichen Bausparverträgen sind derzeit in erster Linie Prämiensparverträge von Sparkassen betroffen.

So ist es auch bei einer 50-jährigen Frau, die Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Beratungsstelle, jetzt beraten hat. Vor 18 Jahren hat die Frau, so berichtet es Gülzow, einen solchen Vertrag bei der Sparkasse Bergkamen-Bönen abgeschlossen. Nun erhielt sie die Kündigung und suchte Rat bei der Verbraucherzentrale. Und die riet in diesem konkreten Fall zum Widerspruch.

„Wir sind der Ansicht, dass die Begründung des Gerichts hier nicht zutrifft“

„Wir haben das Kündigungsschreiben gesehen“, sagt Gülzow und ist der Ansicht, dass das Gerichtsurteil, auf das sich die Sparkasse beziehe, „hier nicht zutrifft“. Es komme aber natürlich immer auf den Einzelfall an.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale bezieht sich die Sparkasse Bergkamen-Bönen bei ihren Kündigungen auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 14. Mai 2019 (Aktenzeichen: XI ZR 345/18). Dem Urteil lag ein Fall aus Sachsen-Anhalt zu Grunde, bei dem eine Kündigung nach 15 Jahren als rechtmäßig einstuft worden sei.

Aber es lohne sich, in jedem Einzelfall genauer hinzusehen, betont Gülzow. Es gebe verschiedene vom Bundesgerichtshof abweichende Vertragskonstellationen, die eine Kündigung auch nach über 15 Jahren ausschließen könnten, so die Verbraucherzentrale. Der Bundesgerichtshof habe nur für ganz bestimmte Verträge entschieden, dass Kündigungen rechtens seien.

Es gibt inzwischen mehrere Fälle bei der Verbraucherzentrale

Die 50-jährige Kundin der Bergkamener Sparkasse ist nicht die einzige, die bei der Lüner Verbraucherberatung inzwischen Rat suchte. Es gebe mehrere Fälle, so Gülzow. Von der Sparkasse an der Lippe seien ihr solche Fälle aber bisher nicht bekannt. Die Sparkasse an der Lippe bestätigt auf Anfrage, man habe „seitens der Sparkasse keine Verträge gekündigt“.

Es gibt einen Musterbrief für den Widerspruch bei der Bank

Die Verbraucherzentrale hat inzwischen eine Musterbrief für den Widerspruch gegen eine Kündigung auf ihrer Homepage veröffentlicht. Die Verbraucherzentrale bietet zudem eine kostenpflichtige Beratung zu Bank- und Kapitalmarktrecht an. Wichtiger Hinweis: Der Beratungstermin solle vor Ablauf der Kündigungsfrist stattfinden.

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