Blanke Angst vor dem Zeugnis? 5 Tipps von Lüner Experten für den Umgang mit schlechten Noten

dzSchlechte Noten

Nächste Woche gibt es Zeugnisse - nicht für alle Kinder ein Grund zur Freude. Experten sprechen über die größten Ängste der Lüner Schüler und wie sich Eltern verhalten sollten.

Lünen

, 05.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Eine 16-Jährige ist verzweifelt - sie braucht dringend eine gute Note in Mathematik, damit sie den gewünschten Ausbildungsplatz bekommt. Doch das Zeugnis, das sie in Händen hält, ist das schlechteste, das sie je hatte. Nun hat die Jugendliche Angst vor der Reaktion ihres Vaters auf diese Noten - und wendet sich deshalb an die „Nummer gegen Kummer“, das bundesweit erreichbare Kinder- und Jugendtelefon.

Nur ein Beispiel von vielen, auf das sich die Beratungsstellen und Telefon-Hotlines in diesen Tage vorbereiten. In Lünen können sich Schüler beispielsweise auch an die Mitarbeiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes wenden. Wir haben dort nachgefragt, was erfahrungsgemäß die fünf größten Ängste der Lüner Schülerinnen und Schüler vor den Zeugnissen sind.

1. Die Vorwürfe der Eltern

Die größte Angst bei schlechten Noten ist nach wie vor, dass die Eltern sauer sind, schimpfen und dem Kind Vorwürfe machen. „Damit machen es Eltern ihren Kindern noch schwerer“, weiß Martina Rupprecht. Sie ist Diplom-Psychologin und Teil des Beratungsteams des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne.

Es gibt kein Patentrezept, wie Eltern reagieren sollten, wenn das Zeugnis schlecht ausfällt. Aber, so der Rat der Expertin: „Eltern sollten auf jeden Fall Ruhe bewahren. Und sich klar machen, dass Schule nicht das Allerwichtigste auf der Welt ist.“ Da die Probleme nicht weglaufen, sollte man sich in Ruhe damit beschäftigen und nach Lösungen suchen.

Zur Deeskalation und zum Familienfrieden trage auch bei, nicht nur die Schwächen des Kindes zu sehen. „Besser ist es, auch wenn man sauer ist, als Eltern auch die Stärken des Kindes hervorzuheben“, rät Diplom-Pädagogin Leyla Ibis-Asa von der Caritas.

2. Die unsichere Versetzung

Auch wenn es Elternsprechtage und „blaue Briefe“ gibt - manchmal heißt es Zittern bis zum Schluss, ob ein Kind es in die nächste Klasse schafft „So einen Fall hatte ich gerade, dass Eltern und Kind auch eineinhalb Wochen vor den Zeugnissen noch nicht wussten, ob es mit der Versetzung klappt“, so Martina Rupprecht.

Auch hier sollten Eltern trotz der Sorgen Ruhe bewahren und das Kind nicht noch mehr ängstigen. „Zeigen sie ihm, dass sie es natürlich lieb haben, auch wenn es eine Ehrenrunde drehen muss.“

3. Der Verlust von Freunden

Wenn es schon feststeht, dass ein Kind das Klassenziel nicht erreicht, entwickelt es oft mehrere Ängste vor der neuen Situation. Da ist vor allem die Angst, die Freunde aus der bisherigen Klasse zu verlieren, wenn es in eine neue Klasse kommt. Und auch vor der neuen Klasse, den neuen Klassenkameraden und Lehrern können Kinder Ängste entwickeln. Und schließlich vor dem Druck zuhause, es nun aber auf jeden Fall schaffen zu müssen.

Hier sollten die Eltern dem Kind zuhören, seine Ängste ernst nehmen. Und die Zeit in den Ferien nutzen, um langfristig und vorausschauend zu planen, wie es weiter gehen soll. „Gemeinsam kann man überlegen, ob Nachhilfe etwas bringt oder doch ein Schulwechsel sinnvoll ist“, so Layla Ibis-Asa.

4. Keine Pause in den Ferien

Druck kann auch die Ferien vermiesen. Manche Kinder haben Angst davor, aufgrund schlechter Noten im Urlaub lernen zu müssen, statt zu spielen, zu schwimmen oder ihr Lieblingsbuch zu lesen.

Hier rät Martina Rupprecht gerade bei jüngeren Kindern, auch mal bewusst eine Pause einzulegen. „Kinder brauchen Erholungszeit und damit auch Zeit ohne Schulinhalte.“ Also auch ohne Schulbücher, die dann eher nicht ins Reisegepäck gehören.

Anders ist es, wenn Nachprüfungen anstehen, damit Schüler weiter in der bisherigen Klasse bleiben können. „Das betrifft ja meist Jugendliche. Da sollte man dann einen Teil der Ferien schon als Vorbereitungszeit nutzen.“

5. Mobbing und Ausgrenzung

Angst haben Kinder und Jugendliche auch davor, von den Klassenkameraden ausgelacht zu werden, weil sie schlechte Noten haben. Das kann im schlimmsten Fall zu Mobbing und Ausgrenzung führen. Auch das ist ein Thema, das immer wieder bei den Gesprächen von Kindern und Jugendlichen mit den Beratern von „Nummer gegen Kummer“ vorkommt. Aber auch die Berater der Caritas kennen solche Fälle: „Hier ist es besonders wichtig, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen Vertrauen entwickeln, um sich bei solchen Problemen an ihre Eltern zu wenden.“ Oder Hilfe bei der Beratungsstelle suchen - beispielsweise in den offenen Sprechstunden, die in verschiedenen Stadtteilen angeboten werden.

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Gute Vorbereitung für das Gespräch mit den Eltern

Sich jemand Fremden anonym anzuvertrauen, kann vor dem Gespräch mit den Eltern helfen, Ängste abzubauen und einen Ausweg für die eigene Situation zu finden“, so Anna Zacharias, Fachreferentin beim Verein „Nummer gegen Kummer“, dem Dachverband von 91 lokalen Trägern der Beratungstelefone.

In Lünen können sich Schüler (und Eltern) auch persönlich Rat und Hilfe holen. Die Mitarbeiter der Beratung für Eltern, Jugendliche und Kinder des Caritasverbandes stehen - nicht nur - in Zeugniszeiten als Gesprächspartner zur Verfügung.

Und das absolut vertraulich, versichert Bereichsleiterin Margret Banken-Konrad.

HILFE FÜR RATSUCHENDE

SORGENTELEFON UND BERATUNG

  • Die Beratungsstelle der Caritas, Lange Straße 84, ist erreichbar unter Tel. (02306) 70 04 11 10, montags bis donnerstags 8.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr sowie freitags 8.30 bis 12.30 Uhr. Dort kann man Gesprächstermine vereinbaren.
  • Das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer ist erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter Tel. 116 111.
  • Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist erreichbar montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr unter Tel. (0800) 11 10 550.
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