EINBLICKE IN DIE LOKALREDAKTION

Wir für Sie: Wie die Redaktion Sie durch den Tag begleitet

Als Lokalredaktion sind wir Ihr Tagesbegleiter in Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen, Ihr Kümmerer und Partner. Wie das funktioniert? Wir nehmen Sie einen Tag lang mit hinter die Kulissen.
Vor Ort unterwegs sein: Das zeichnet Lokaljournalismus aus. Chefreporter Daniel Claeßen spricht mit einem jungen Paar, dass sich trotz Corona und trotz Extrem-Winter entschlossen hat, zu heiraten. © Ruhr Nachrichten

Hallo, mein Name ist Daniel Claeßen und ich bin Chefreporter im Redaktionsteam für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.

Der typische Tag in der Redaktion beginnt für mich mit einem Seufzer. Das liegt daran, dass ich morgens irgendwann vor 9 Uhr nicht nur meine Mails, sondern auch die Kommentare unter unseren Beiträgen auf Facebook lese. Und da ist seit Beginn der Pandemie leider auch viel Blödsinn zu lesen.

Doch genau da beginnt ja unsere Aufgabe: Das Geschehen in Lünen abzubilden und die Dinge zu erklären, auch wenn es immer wieder Zweifler gibt, die alles in Frage stellen. Das Schöne dabei: Man fühlt sich abends wirklich besser. Dafür nehme ich den Seufzer am Morgen gerne in Kauf.

Start in den Tag: Eine Bestandsaufnahme

Der Tag selbst startet unspektakulär. Aufgrund der Pandemie muss ich nur ein paar Stufen nehmen, und schon sitze ich spätestens um 9 Uhr an meinem Schreibtisch im Arbeitszimmer. Das ist bequem, trotzdem vermisse ich meinen Schreibtisch im Pressehaus Lünen.

Mir fehlen die direkten Gespräche mit den Kollegen, aber vor allem das Treiben vor der Tür, um das es ja tagtäglich geben: Das Leben in der Stadt (und drumherum).

Ein kurzes Treffen: Die Konferenz

Genau das ist dann Thema in der Konferenz, zu der sich alle Mitglieder des Content-Teams Lünen gegen 9.30 Uhr zusammenschalten. Hier wird besprochen, welche Themen anstehen, was fertig wird und was wann online geht. Dazu gibt es zwei wöchentlich wechselnde Planer, die ihr jeweiliges Hauptaugenmerk auf Lünen sowie auf Selm, Olfen und Nordkirchen legen. Die übrigen Kolleginnen und Kollegen recherchieren, schreiben und drehen Videos.

Alle Teammitglieder stellen Themen-Ideen vor. Volontärin Nora Varga wird heute zum Beispiel recherchieren, wie der digitale Unterricht an den Schulen funktioniert. © Ruhr Nachrichten © Ruhr Nachrichten

Damit das nicht alles durcheinandergeht, sorgt unsere Content-Team-Managerin Sylvia vom Hofe auch außerhalb der Konferenz dafür, dass der ganze Laden am Laufen bleibt.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Auf meiner Agenda stehen zwei Leser-Anrufe: In einem Fall geht es um die chaotische Vergabe von Terminen im Impfzentrum in Unna. Der andere Fall dreht sich um einen religiösen Verein in Selm, der sich bei seinen Treffen nicht an die Corona-Regeln halten soll. Ich nehme nacheinander zu beiden Lesern Kontakt auf uns lasse mir die Situation schildern.

Im Fall des Impfzentrums ist die Sache einfach: Ich konfrontiere die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) mit den Vorwürfen, die mir dort bestätigt werden: Es gab technische Probleme und zu wenig Impfstoff. Das soll sich aber in den nächsten Tagen ändern. Diese Nachricht sowie bildet den Abschluss meiner Geschichte über den Lüner Hans Gelinski, der nun wie viele andere auf einen Termin hoffen darf.

Beim Verein aus Selm läuft es nicht ganz so gut. Zwar kann das Ordnungsamt Selm die Vorwürfe meines Informanten entkräften – bei den Kontrollen seien keine Verstöße aufgefallen. Allerdings steht weiter die Frage im Raum, ob solche Treffen notwendig sind – schließlich finden auch andere Kirchen und religiöse Gemeinschaften in der Pandemie Wege, ihren Glauben ohne Kontakte und Infektionsrisiken zu leben.

Leider reagiert der Verein nicht auf meine Kontaktversuche, weshalb der Text einige Tage später ohne eine Stellungnahme veröffentlicht wird – und eine Debatte darüber anstößt, welche Verantwortung Vereinen und Institutionen in dieser Zeit zukommt.

Welche unserer Beiträge lesen Sie besonders intensiv, welche weniger? Wo müssen wir dranbleiben? Die Systeme unseres Medienhauses liefern uns dazu teilweise in Echtzeit Analysen, so dass wir kurzfristig reagieren können. © Daniel Claessen © Daniel Claessen

Kaum habe ich die beiden Themen – inklusive eines kurzen Abstechers zum Mittagstisch – abgearbeitet, ploppt eine Mail auf: In Lünen kündigt die Abrissfirma die nächste Sprengung am ehemaligen Steag-Kraftwerk an – wie üblich mit der Bitte, vorab nichts zu veröffentlichen. Denn niemand möchte eine Menschenmasse vor dem Kraftwerksgelände haben, gleichzeitig möchte uns die Firma Gelegenheit geben, über den Knall, den später halb Lünen hören wird, zu berichten. Ich beauftrage unseren Fotografen Günther Goldstein, vor dem Kraftwerk in Stellung zu gehen, und erfrage bei der Firma die notwendigen Infos.

So kann ich die Eilmeldung vorbereiten, die unmittelbar nach der Explosion veröffentlicht und per Push-Mitteilung auf die Handys unserer Abonnenten geschickt wird. So sind RN-Kunden die ersten, die unmittelbar nach dem großen Knall die Erklärung erhalten.

Zwischenstand: Wir verteilen die restlichen Aufgaben

Aufgrund dieser ungeplanten Zusatzarbeit sind andere Dinge liegen geblieben – das geht nicht nur mir so, sondern auch anderen Mitgliedern unseres Teams. In der Nachmittagskonferenz um 15.30 Uhr bringen wir uns gegenseitig auf den neuesten Stand.

Dann wird auch festgelegt, wer die täglichen Rubriken übernimmt – Tagesvorschau, Corona-Update und den Newsletter, den wir für Lünen und Selm täglich um 18.30 Uhr versenden. Danach verabschiedet unsere Chefin Sylvia alle in den Endspurt – von dem wir nie wissen, wie lange er heute wohl dauern wird. Denn selbst wenn alle Texte geschrieben sind und der Rest des Tages durchgeplant ist, kann immer noch eine Meldung reinkommen, die alles durcheinander wirft.

In der Nachmittagskonferenz bereitet das Team des Medienhauses Lünen den nächsten Tag vor. © Ruhr Nachrichten © Ruhr Nachrichten

Heute ist das glücklicherweise nicht der Fall – die Kolleginnen und Kollegen fragen gegen Abend nach und nach bei den Planern an, ob noch was zu tun ist. Auch ich mache das, nachdem die letzte Mail geschrieben ist: Es geht um die Feinabstimmung für ein Video-Interview mit Dr. Berthold Lenfers vom Klinikum Lünen/Werne, der regelmäßig die aktuelle Situation in der Pandemie analysiert und für viele Leserinnen und Leser ein wichtiger Orientierungspunkt in der aktuellen Situation geworden ist.

Am nächsten Tag geht es weiter im Medienhaus. © Ruhr Nachrichten © Ruhr Nachrichten

Die Planer melden zurück: „Alles gut, mach Feierabend.“ Wenn jetzt noch was passiert, springt der Spätdienst ein – im täglichen Wechsel behält ein Teammitglied Mails, Polizei und natürlich die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken im Blick. Ich beende den Tag, wie ich ihn begonnen habe: Mit einem – dieses Mal aber zufriedenen – Seufzer. Danach zerren mich meine Kinder zum Abendessen. Wird auch Zeit.

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.