In Lünen macht ein neuer Ein-Euro-Shop auf. Der Anfang vom Ende, findet unser Autor. Meint damit aber nicht die Innenstadt. Zumindest nicht nur.

Lünen

, 11.01.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nun ist es also so weit: Auch Lünens Innenstadt bekommt einen „Ein-Euro-Laden“. Gut, streng genommen gibt es schon einen, sogar ziemlich genau auf der anderen Straßenseite - der heißt halt nur anders. Und in der Vergangenheit hat es ähnliche Läden auch schon an der Langen Straße gegeben. Also nichts Neues für Lünen. Eigentlich.

Bevor ich hier ins Detail gehe, ein paar Dinge vorweg, damit nicht nachher etwas falsch verstanden wird: Ich habe weder etwas gegen Betreiber von Billig-Läden noch gegen Leute, die dort einkaufen (ich mache es ja selber, aber dazu später mehr). Es ist auch gut möglich, wenn auch nur schwer vorstellbar, dass sich Menschen mit einem eigenen Ein-Euro-Laden einen Lebenstraum erfüllen. Aber persönliche Schicksale spielen hier jetzt gerade keine Rolle. Sondern die Philosophie solcher Geschäfte.

Der erste Weg führt in die Billig-Shops

Für mich symbolisieren Ein-Euro-Läden vor allem zwei Dinge: die Wegwerfmentalität und die daraus resultierende Ignoranz, mit der die Menschen derzeit an ihrer eigenen Abschaffung arbeiten. Das Perfide dabei: Diese Abschaffung werden wir nicht mehr erleben, unsere Kinder vermutlich auch noch nicht. Allerdings werden die auch keine Gelegenheit mehr haben, das Ding noch umzubiegen.

Die Botschaft der Ein-Euro-Läden: Es geht alles ganz billig, und anstatt dein Geld für etwas Teures auszugeben, kauf doch lieber sechsmal hintereinander das gleiche Teil bei uns, sobald es kaputt ist. Und wer zerbricht sich denn noch den Kopf darüber, ob man einen Putzeimer flicken soll, wenn er für 99 Cent einen neuen kriegt? Wer kauft Klobürsten mit auswechselbaren Köpfen, wenn das Komlpett-Set nur einen Euro kostet (hier tut sich übrigens auch ein schwedisches Möbelhaus besonders hervor). Warum in langlebige Akkus investieren, wenn vier Batterien keinen Euro mehr wert sind?

Das Konzept geht auf - sonst würde es kaum so viele Läden dieser Art geben. Ist ja auch bequem. Und Bequemlichkeit spielt für die meisten nun mal eine wesentlich wichtigere Rolle als die Umwelt. Manchmal erwischt es mich ja selbst - zum Beispiel, als ich für das neue Auto eine Flitsche zum Abziehen der Scheiben kaufen wollte. Man ist schon so konditioniert, dass der erste Weg direkt in die Billig-Shops führt. Will man das ändern, braucht es Disziplin und zumindest ein wenig Verständnis für das größere Ganze, um das es eigentlich geht.

Nochmal zur Einordnung: Ich habe nichts dagegen, dass es billige Waren gibt. Schließlich hat nicht jeder das nötige Kleingeld. Ich störe mich aber daran, dass die Billig-Mentalität salonfähig geworden ist. Wer günstig einkaufen will oder muss, kann das auch ohne Ein-Euro-Shops schaffen.

Ungewohnte Situation - ungewohnte Lösung?

Und natürlich sind Ein-Euro-Shops auch nicht gerade ein Aushängeschild für eine Innenstadt, die ihre Existenz retten will. Hausbesitzer ziehen solche Geschäfte aber einem Leerstand vor. Das ist schade. Nicht, dass die Läden leer stehen sollen. Aber neue und ungewohnte Situationen erfordern vielleicht auch mal neue und ungewohnte Lösungsansätze. Einer davon findet sich zum Beispiel in der Münsterstraße - mit dem Kunst-Café. Warum nicht auch bei der Neuvermietung zweimal um die Ecke denken?

Immerhin: Was die Geschäftssituation angeht, scheint die Verwaltung die Zeichen der Zeit tatsächlich erkannt zu haben. Hoffentlich nicht zu spät. Reicht ja schon, wenn wir es nicht rechtzeitig schaffen, unser Konsumverhalten den Begebenheiten anzupassen.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen. Unser Autor freut sich über Kommentare - entweder gleich unter diesem Artikel oder per E-Mail.
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