Wie umgehen mit Rechtsradikalismus ? - Die Frage wird nun ein Thema im Ratsausschuss

dzNach Nazi-Schmierereien

Die Nazi-Parolen in einer Physio-Praxis werden nun auch Thema in einem Ratsausschuss: Wie geht man eigentlich mit Rechtsradikalismus um - Kunibert Kampmann findet, es müsste anders sein.

Lünen

, 17.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor rund acht Monaten erlebten die beiden jungen Inhaberinnen der Physio-Praxis Christinentor jenen Morgen, der ihr Leben seitdem einmal auf den Kopf gestellt und ihnen ihre berufliche Existenz genommen hat. Nach einem Einbruch fanden die beiden Frauen die Praxis völlig verwüstet und mit Hakenkreuzen beschmiert am nächsten Morgen vor.

Seitdem korrespondiert ein Anwalt mit der Versicherung, die zwar gezahlt hat, aber nur wenig. Die Praxis ist seitdem geschlossen, die Frauen haben nun ihren Traum von der Selbstständigkeit aufgeben müssen. Daraufhin meldete sich in den vergangenen Tagen die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Gabriele Schiek: Sie wolle und könne danach nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Sie hat inzwischen Kontakt zu den Frauen mit ausländischen Wurzeln aufgenommen, um auszuloten, ob und wie sie helfen kann. Auch der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Lüner Arbeitskreises gegen Rechts, Rainer Schmeltzter, hat sich inzwischen im gleichen Sinn geäußert. Vor wenigen Tagen gab es am Mahnmal für die Synagoge eine Gedenkveranstaltung.

Wie umgehen mit Rechtsradikalismus ? - Die Frage wird nun ein Thema im Ratsausschuss

Kunibert Kampmann hat das Thema Rechtsextremismus auf die Tagesordnung des Auschusses für Bürgerservice und Soziales gesetzt. © Foto: GFL


Nun also findet das Thema also auch den Weg auf die Tagesordnung eines Ratsausschusses: Kunibert Kampmann (GFL), Vorsitzender des Ausschusses für Bürgerservice und Soziales, hat das Thema auf die Tagesordnung des Gremiums am 27. November gesetzt. Er sagt: „Gabriele Schiek und Rainer Schmeltzer haben recht. Nach dem Einbruch, den Zerstörungen und den Nazi-Schmierereien in der Physio-Praxis darf Lünen nicht zur Tagesordnung übergehen.“ Er habe, so sagt Kampmann, bereits Anfang April auf diesen „unsäglichen Vorfall am Christinentor“ hingewiesen. Nun habe sich die existenzielle Krise für die Inhaberinnen der Praxis bestätigt. Er fügt hinzu: „Offen gesagt, so geht es nicht weiter.“

Lange Wartezeiten beim Landeskriminalamt

In der Ausschusssitzung will er nun darüber reden, wie man in Lünen mit Rechtsradikalismus umgeht. Und: „Vielleicht sollten wir auch darüber reden, warum der Vorgang erst jetzt, also neun Monate später, hohe Wellen schlägt. Wir in Lünen sollten deutlich entschlossener und schneller werden.“

Zu hinterfragen sei auch, warum die Ermittler des Staatsschutzes angeblich erst jetzt, ein Dreivierteljahr nach dem Einbruch, einen Fingerabdruck auswerten. Auf Anfrage teilt die zuständige Staatsanwaltschaft Dortmund daraufhin mit, dass für die Auswertung solcher Spuren das Landeskriminalamt zuständig sei. Das sei wiederum so überlastet, dass es - je nach Schwere der Tat - durchaus zu Wartezeiten bis zu einem Jahr kommen könne.

Lesen Sie jetzt