Wie Daniela Fiege und der Abwasserbetrieb die Stadt gegen Starkregen schützen wollen

dzÜberflutung

Daniela Fiege hat den Starkregen in Lünen-Süd schnell zur Chefsache gemacht. Die Leiterin des Stadtbetriebs Abwasserbeseitigung Lünen (SAL) erklärte der Politik nun ihre Lösungsstrategie.

Lünen

, 19.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Zunächst mal räumte Daniela Fiege mit einem grundlegenden Missverständnis auf: „Wir haben es hier nicht mit Hochwasser zu tun.“ Weder tritt ein Bach über die Ufer, noch drohen Deiche zu brechen: Vor allem Lünen-Süd hat kein Hochwasser-, sondern ein Starkregen-Problem. „Die Kanalisation kann die Wassermengen, die bei einem Starkregen-Ereignis zustande kommen, nicht auffangen“, so die SAL-Chefin.

Wie Daniela Fiege und der Abwasserbetrieb die Stadt gegen Starkregen schützen wollen

SAL-Chefin Daniela Fiege. © Goldstein (A)

Lünen-Süd ist vor allem deshalb von solchen Ereignissen besonders betroffen, weil es mit der Dammwiese und der Jägerstraße zwei Tiefpunkte gibt, in denen sich das Wasser sammelt. Besonders ärgerlich, wenn es innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Ereignisse gibt, die man sonst eigentlich nur alle 30 Jahre erlebt - so wie am 27. Mai und am 1. Juni 2018. Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller waren die Folge, nachdem die üblichen Abflüsse den Wassermassen nicht mehr standhalten konnten.

„Sonst bauen wir noch in 80 Jahren daran“

Der SAL hat laut seiner Chefin die Ereignisse analysiert. Das Ergebnis sind unter anderem Starkregen-Gefahrenkarten. „Wir können auf diesen Karten sehen, wo das Wasser runtergekommen ist - und welchen Weg es nimmt“, erläuterte Daniela Fiege in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung Vertretern der Politik die Situation. Mit Hilfe dieser Karten können künftig Abläufe und Straßen so geplant werden, dass das Wasser von den Wohngebieten weg auf freie Flächen geleitet wird. „Natürlich können Sie uns auch beauftragen, eine neue, größere Kanalisation zu bauen. Aber wenn sie das tun, bauen wir in 80 Jahren noch daran.“

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Und so lange wollen auch die Lünen-Süder nicht auf die Lösung ihrer Probleme warten. Der SAL nutzt die neuen Karten auch zur Einschätzung des Überflutungsrisikos für einzelne Grundstücke. „Die Auswertung und anschließende Beratung erfolgt für den Bürger kostenlos“, verspricht Daniela Fiege. Doch ganz ohne die Hilfe der Betroffenen selbst werde man nicht auskommen: „Wir können das Schadesnpotenzial nur gemeinsam begrenzen.“

Passende Abflüsse und neue Kanäle

Während SAL sich vor allem auf die Optimierung des öffentlichen Entwässerungssystems stürzen will - unter anderem auch durch neue Staukanaäle und Rückhaltebecken -, sei es Aufgabe der Stadtplanung, passende Abflüsse von vornherein bei Neuerschließungen zu berücksichtigen.

Wie Daniela Fiege und der Abwasserbetrieb die Stadt gegen Starkregen schützen wollen

Mit solchen Starkregen-Gefahrenkarten arbeitet der städtische Abwasserbetrieb. Zugrunde gelegt ist hier ein Starkregen, wie er alle 30 Jahre erwartet wird. Die roten Stellen kennzeichnen Wasserstände über 50 Zentimeter. © SAL

Hauseigentümer müssten ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, in dem zum Beispiel druckdichte Kellerfenster, umpflasterte Lichtschächte oder versickerungsfähiges Pflaster genutzt würden. „Auch Rückschlagventile für die Hausleitungen sind empfehlenswert“, so Daniela Fiege.

Starkregen häufiger erwartet

Lünen-Süd hat als Pilot-Projekt in Sachen Überflutungsschutz die besondere Aufmerksamkeit des SAL. Dennoch dürfe sich jeder Lüner Bürger angesprochen fühlen, der sein Eigentüm gegen Überflutung schützen will. Eines sei nämlich klar, so Daniela Fiege: „Derartige Starkregen-Ereignisse werden uns künftig häufiger beschäftigen.“

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