Corona prägt den Arbeitsalltag von Hausarztpraxen: Dr. Arne Krüger und Mitarbeiterin Nadja Preuss haben täglich damit zu tun. © Quiring-Lategahn
Hausarzt-Praxis

Wie Corona den Alltag eines Arztes verändert: „Jeden Tag volles Risiko“

Vor einiger Zeit hatte Dr. Arne Krüger zwei oder drei positive Corona-Tests pro Woche in seiner Praxis. Jetzt sind es drei oder vier täglich. Er sagt: „Wir tragen jeden Tag volles Risiko.“

Um sich und seine Mitarbeiter in der Praxis zu schützen, hat Hausarzt Dr. Arne Krüger an der Münsterstraße 30 auf FFP2-Masken umgestellt. Das ist der dichtere Schutz, der allerdings auch das Atmen mühsamer macht. Nicht nur das hat sich in seiner Arztpraxis geändert, seit die Corona-Infektionszahlen in die Höhe gehen. „Die Telefone glühen, eine Mitarbeiterin ist zurzeit mit nichts anderem beschäftigt.“

Früher hatte er zwei oder drei positive Corona-Fälle in der Woche, jetzt drei oder vier täglich. Wenn er das positive Ergebnis mitteilt, holt er sich das Umfeld gleich auch heran, um die Kette zu unterbrechen. Geschwindigkeit sei alles. Unterstützung vom Gesundheitsamt gebe es kaum. Mitunter habe sich das Amt beim Erstkontakt dann noch nicht mal gemeldet, erlebt Krüger.

„Jeder Tag mit Corona gefüllt“

Seine Praxis hat er inzwischen anders organisiert. Weniger Termine für Patienten, damit die Abstände eingehalten werden können und Gespräche nur in Ausnahmefällen länger als 15 Minuten. Dazu Tests möglichst draußen im Hof. Jeder Tag sei mit Corona gefüllt. Das mache inzwischen 60 bis 70 Prozent seiner Arbeitsleistung aus. „Es ist unglaublich anstrengend“, sagt er. Eine Mitarbeiterin verbringe drei Stunden am Computer, um Laboraufträge, Codierung und QR-Codes zu regeln. Logistik, die eine Praxis plötzlich leisten müsse. Dazu viel Bürokratie. Das Verfahren, wie die Praxis mit Tests in unterschiedlichen Varianten umzugehen habe, umfasse sechs Seiten. „Ein unnützer Zeitfresser“, sagt Krüger dazu.

Bei allen Patienten, die mit Schnupfen kämen, müsse jeden Tag neu abgewogen werden: Wer wird getestet, wer nicht? Eine permanente Bredouille. Dazu die Frage, ob er auch den übrigen Patienten gerecht werde?

Viele Patienten seien dankbar, dass die Praxis sich unkompliziert kümmere, andere wiederum seien ungehalten, weil manches nicht mehr so gehe wie gewohnt. „Der Ton ist ruppiger geworden“. Krüger führt das darauf zurück, dass den Menschen Erholung und Pausen fehlten. „Inzwischen liegen die Nerven blank.“

Von 900 Abstrichen 100 positiv

So wie ihm, gehe es auch anderen Hausärzten in Corona-Zeiten. „Es gibt nur wenige, die sich verweigern. Die meisten arbeiten über das Limit hinaus.“ Und jeder trage ein hohes Risiko. Jeder Fehler habe Konsequenzen. Bei Corona gebe es Hinweise auf schwere Komplikationen: von Lungenembolie über Nierenversagen bis zum Schlaganfall. Manche werden auch nach Monaten noch nicht wieder fit. „Dieses Risiko tragen wir jeden Tag“, so Krüger.

Seit Oktober habe er 900 Abstriche bei Corona-Verdacht genommen, davon waren 100 positiv. Hinzu kamen 700 Grippeimpfungen. Sonst sind es 400. Wie das erst wird, wenn gegen Corona geimpft wird? „Für uns an der Basis gibt es da noch viele Fragezeichen.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Magdalene Quiring-Lategahn

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.