Ein Ingenieurbüro hat die am häufigsten genutzten Hauptverkehrsbrücken in der Lüner Innenstadt genau geprüft. In zwei von drei Fällen wird ein Neubau empfohlen. © Günther Goldstein
Brücken

Wichtige Brücken in Lünen müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden

Drei Hauptverkehrs-Brücken hat die Stadt Lünen von einem Ingenieursbüro prüfen lassen. Zwei davon sollten nach Empfehlung der Experten innerhalb von 10 Jahren ersetzt werden.

Nicht zuletzt weil die Lippe quer durch Lünen führt, sind Brücken ein wichtiger Bestandteil des städtischen Verkehrsnetzes. Besonders mit Blick auf das stetig wachsende Verkehrsaufkommen müssen sie regelmäßig geprüft werden.

Weil das allein nicht ausreicht, hat die Stadt Lünen ein Ingenieurbüro aus Münster damit beauftragt, drei – genau genommen vier – Hauptverkehrsbrücken in Lünen nachzurechnen, also zu prüfen, ob die teils Jahrzehnte alten Bauwerke heutigen Standards noch entsprechen.

„Der Verkehr hat sich seit 1950 oder 1970 geändert“, fasst Diplom Ingenieur Michael Girmscheid den Grund für die Nachrechnung im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung zusammen. Aus dieser Zeit stammten die meisten Brücken, die das Büro Thomas & Bökamp aus Münster nachrechnen muss. Hinzu kommen weitere zeitliche Effekte wie Setzungen des Bauwerks selbst oder geänderte Beweisführungen, die vor 50 Jahren noch nicht angewendet wurden.

Meistgenutzte Brücken in Lünen auf dem Prüfstand

Für Lünen standen die am stärksten frequentierten Brücken auf dem Prüfstand: Die Brücken auf der Kurt-Schumacher-Straße über die Lippe, die aus zwei Bauwerken (Ost und West) besteht und die über Stadttorstraße sowie die Brücke auf der Konrad-Adenauer-Straße über die Lippe.

Auch für die Brücke über die Stadttorstraße in der Lüner Innenstadt sieht die Zukunftsperspektive in den kommenden Jahren eher schlecht aus.
Auch für die Brücke über die Stadttorstraße in der Lüner Innenstadt sieht die Zukunftsperspektive in den kommenden Jahren eher schlecht aus. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Besonders die Brücken auf der Kurt-Schumacher-Straße dürften in den kommenden Jahren Stadtplaner, Politik und schließlich auch Autofahrer beschäftigen. Hier empfehlen die Experten aus Münster nicht nur eine Herabstufung der Brückenklasse von „BK60“ auf „BK45“.

Das heißt: Genehmigungspflichtiger Schwerlastverkehr mit über 45 Tonnen sollte nicht mehr darüber rollen. Zusätzlich werden Sonderprüfungen im drei-Jahres-Turnus empfohlen.

Neubauten auf Kurt-Schumacher-Straße empfohlen

Wichtiger: In allen drei Fällen empfehlen die Ingenieure mittelfristig einen Ersatzbau. Zeitlich konkret heißt das: innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das ist aber noch nicht alles. Der Fußgängerweg auf dem östlichen Teil der Lippebrücke Kurt-Schumacher-Straße soll, so Girmscheid weiter, „lastfrei werden“. Die Fläche auf dem sogenannten Krakarm der Brücke, einem seitlichem Ausleger, soll deshalb gesperrt oder abgerissen werden. Auf Nachfrage von Rüdiger Billeb (SPD) führt Girmscheid aus, dass der Fußgängerweg selbst breiter als drei Meter sei. Ganz wegfallen wird er demnach also nicht.

Die Lippebrücke über die Konrad-Adenauer-Straße steht zwar auch schon viele Jahre, ist nach Ansicht der Experten aber noch in ausreichend gutem Zustand.
Die Lippebrücke über die Konrad-Adenauer-Straße steht zwar auch schon viele Jahre, ist nach Ansicht der Experten aber noch in ausreichend gutem Zustand. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Im Fall der Brücke über die Stadttorstraße wird die Herabstufung und der mittelfristig Neubau auch deshalb erforderlich, weil nicht mehr alle Bestandsunterlagen vorliegen. So ist für die Prüfer unklar, ob die Brücke eine Schubbewehrung hat. Das sind Bügel oder Schrägeisen, die Spannungen aufnehmen können.

Der schlimmste Fall, ein Versagen der Statik, kündige sich allerdings durch Risse an, die bei einer Prüfung auffallen sollte.

Lage an Konrad-Adenauer-Straße entspannter

Etwas entspannter fällt der Bericht zur Lippebrücke auf der Konrad-Adenauer-Straße im Westen der Innenstadt aus. Auch hier empfehlen die Experten Prüfungen im Drei-Jahres-Turnus, die Brückenklasse (BK60, geeignet auch für genehmigungspflichten Schwerlastverkehr über 45 Tonnen), könne bestehen bleiben. Die Nachweisklasse C weise auf eine vorläufig eingeschränkte Restnutzungsdauer von 20 Jahren hin. „Das ist bei diesen Bauwerken fast immer der Fall, weil die alten Brücken, die neuen Prüfstandards von heute nicht mehr halten“, erklärt Girmscheid. Nach weiteren 15 Jahren werde bei dieser Brücke dann eine weitere Neuberechnung erforderlich.

Mit der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen muss sich jetzt die Fachabteilung Straßenbau der Stadt Lünen weiter auseinandersetzen. Weitere Infos dazu werden der Politik zu gegebener Zeit vorgelegt, heißt es in der Vorlage der Verwaltung zu dem Thema.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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