Wenn Friseure wieder öffnen: Vieles wird anders sein, auch der Preis

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Es sind haarige Zeiten. Nicht nur für Kunden, sondern vor allem für Friseure. Wenn nach der Corona-Zwangspause am 4. Mai in Lünen wieder geöffnet wird, ist vieles im Salon anders. Auch der Preis.

Lünen

, 21.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Frisuren sind aus der Fasson, die Kunden genervt. Am 4. Mai sind es sechs Wochen, in denen die Salons geschlossen bleiben mussten. Mancher hat vertrauensvoll bei Friseurmeisterin Christiane Belz (54) angefragt, ob sie nicht doch mal zur Schere greifen könnte. „Auch bei den Mitarbeiterinnen war das so“, weiß die Chefin des Salons an der Borker Straße 93.

Sie wundert sich über die, die zurzeit gut frisiert sind. Obermeister Frank Kulig hat da heftigere Erfahrung: Ihm sei gedroht worden, dass Kunden künftig woanders hingingen, wenn er nicht sofort die Haare schneide.

So lange wie jetzt hatte Christiane Belz ihr Geschäft noch nie geschlossen. Selbst im Urlaub bleibt geöffnet. Die Corona-Krise sei „schon heftig“. Die Meisterin glaubt nicht, dass das alle überleben werden. Sie selbst hängt in der Warteschleife. Die 9000 Euro Soforthilfe sind noch nicht eingetroffen. Für die angestellte Meisterin hat sie Kurzarbeitergeld beantragt. Die Auszubildende muss sie voll bezahlen, die Teilzeitkraft nicht. „Ich hoffe, dass wir das hinkriegen“, sagt sie.

Jeder zweite Platz muss frei bleiben

Zurzeit steht ihr Telefon nicht still. Kunden möchten endlich wieder zum Friseur und gepflegt aussehen. Doch der Besuch im Salon wird ab 4. Mai anders sein als gewohnt. Das fängt schon mit der Desinfektion an. Christiane Belz hat an vielen Stellen versucht, Desinfektionsmittel zu bekommen, „mal hier welches, mal da.“ Am Eingang wird sie es bereitstellen. Dann heißt es, Abstand halten. Jeder zweite Platz muss freibleiben.

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Wer bisher mal schnell für einen Trockenschnitt vorbeigeschaut hat, kann das nicht mehr tun. „Jeder Kopf muss mit einem stark entfettenden Produkt gewaschen werden“, sagt Christiane Belz. So wird die Oberfläche des Virus zerstört. Das schlägt sich im Preis nieder. „Die Haarwäsche muss mit bezahlt werden“, sagt die Meisterin.

Und weil die Kunden jetzt mindestens sechs Wochen nicht da waren, ist auch der Haarschnitt rausgewachsen. Ein Neuschnitt ist teurer. Bei Frauen, die Farbe nutzen, reicht die Ansatzfärbung nicht mehr. „Das potenziert sich preislich“, sagt Christiane Belz. Man müsse immer den Einzelfall sehen, aber da könnten schon 10 bis 15 Euro mehr zusammen kommen.

Mundschutz für Kunden und Personal

Mehrarbeit kommt außerdem auf das Personal zu. Täglich müssen die Plätze desinfiziert und nach jedem Kunden mit einem fettlösenden Mittel gereinigt werden. Bürsten und Scheren ebenfalls. Und wer bisher das nette Plaudern mit den Angestellten genossen hat, wird das künftig durch Mundschutz tun. Christiane Belz hat selbst genähte, aber auch FFP2-Masken von ihrem Mann im Laden. Außerdem organisiert die Friseur Innung Dortmund und Lünen für die 140 Mitgliedsbetriebe rund 500 wiederverwendbare und waschbare Behelfsmasken. Das sind drei pro Betrieb.

Bereits angekommen sind bei Christiane Belz Spuckschutzmasken aus Plexiglas. Angst, sich anzustecken, hat sie bei den Schutzmaßnahmen nicht. Hygiene sei ja immer schon ein wichtiges Thema gewesen, Handschuhe bei den Nassarbeiten ebenfalls. Am 4. Mai wird die Chefin von 9 bis 18 Uhr alleine im Salon stehen. „Ich möchte testen wie viel Zeit ich dann brauche.“ Am Dienstag kommen die drei Kolleginnen dazu. An dem Tag ist von 9 bis 20 Uhr „gut zu tun“.

Kein erhöhtes Infektionsrisiko

Das wird in vielen Betrieben so sein. „Viele unserer Kunden warten seit Wochen darauf, wieder zum Friseur gehen zu können“, so Frank Kulig. Er bittet in den ersten Tagen um Verständnis, wenn der Betrieb sich verzögern sollte, „denn wir können nur unter strengen Auflagen arbeiten, die wir unbedingt einhalten wollen und müssen.“ Ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe beim Friseur nicht. Hygienischer Atemschutz sowie die Vorgaben zu Handhygiene und Desinfektion würden konsequent eingehalten.

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