WBG plant Abriss in der Geist - Vorstand klagt: Es gibt viel zu wenig Bauland in Lünen

dzWohnungsbaugenossenschaft

Neubauten sollen in der Geist nicht mehr zeitgemäße Mietshäuser aus den 30er Jahren ersetzen. Die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) würde gern auch anderswo bauen. Doch das ist schwer.

Lünen

, 07.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus den 1930er Jahren stammen die Häuser der WBG an der Graf-Haeseler-Straße in der Geist. „Der Wohnungsbestand hat keinen Schallschutz und muss ersetzt werden“, kündigte Rainer Heubrock, Vorstandsvorsitzender der WBG nach der Vertreterversammlung der Genossenschaft an.

„Wir haben die betroffenen Mieter informiert und helfen auch, wenn sie im Bestand der WBG bleiben wollen. Natürlich können sie auch zurück ziehen, wenn die Neubauten stehen“, so Heubrock.

Ältere und junge Mieter betroffen

In den betroffenen Häusern würden sowohl ältere, langjährige Mieter wohnen als auch ganz junge Leute, die dort ihre erste eigene Wohnung haben. Anstelle der bisher 54 Wohnungen sollen 61 neue Wohneinheiten entstehen. Die alten Häuser werden abgerissen. Die Arbeiten sollen im Spätsommer diesen Jahres starten. Im ersten Bauabschnitt, der 23 Wohnungen beinhaltet, werden die Hälfte dieser Wohnungen öffentlich gefördert.

Architekt der Neubauten ist der Lüner Robert Weiß, der die Häuser in die Umgebung integrieren will, also auch Satteldächer geplant hat. Es wird auch eine Tiefgarage für die Mieter gebaut.

Derzeit 30 Kinder im Neubauprojekt Querstraße

Anfang Mai wurde das Bauprojekt an der Querstraße in Horstmar an die Mieter übergeben. Heubrock: „Wir haben zwei Häuser an kinderreiche Familien vermietet, dort leben acht Kinder und im Flüchtlingsheim, das daneben errichtet wurde, sind es zurzeit 22 Kinder.“ Integration beim Spielen sozusagen. „Unsere Sozialarbeiter und die Stadt mit der Caritas sind vor Ort und kümmern sich.“

Kritik: Keine Vorratspolitik bei Baugrundstücken

Gerne würde die WBG weiteren Wohnraum bauen. Doch dafür fehle es derzeit an geeigneten Grundstücken. „Für die Fläche Wethmar-Ost gibt es immer noch kein Baurecht“, sagt Heubrock. Zudem drohen hohe Erschließungskosten, auch wegen Anforderungen in Sachen Jahrhundertregen. Nach Meinung des WBG-Vorstands sei es in Lünen versäumt worden, Vorratspolitik in Sachen Baugrund zu betreiben. Heubrock: „Wir merken den Druck, dass Leute Häuser bauen wollen, aber keine Grundstücke finden.“

Bauen wird immer teurer

Ein weiteres Problem sei es, dass zum einen das Bauen selbst immer teurer werde, andererseits die entsprechenden Firmen derart ausgelastet seien, dass sie kaum noch Termine frei haben. „Hier merkt man auch den Fachkräftemangel deutlich“, so Bernd-Peter Menke, nebenamtliches Vorstandsmitglied.

Mieter-App für zweite Jahreshälfte geplant

Die Digitalisierung bei der WBG schreitet voran. Derzeit entwickele man eine Mieter-App, mit der die Mieter sowohl Informationen rund um Mietverträge bekommen als auch miteinander und mit der WBG kommunizieren können. Heubrock: „Wir wollen die App in der zweiten Jahreshälfte anbieten.“

In Kamen habe man ein Pilotprojekt gestartet und mit einem privaten Anbieter eine Paketanlage aufgebaut. Heubrock: „Wenn das gut läuft, kann ich mir vorstellen, solche Paketanlagen auch in anderen WBG-Siedlungen aufzustellen.“ Das System ist ähnlich dem der Packstationen von DHL.

Mehr als 10 Millionen Euro für Neubau-Maßnahmen

Im vergangenen Jahr hat die WBG in den Bestand rund 8.5 Millionen Euro investiert. In diesem Jahr sollen es ebenfalls 8,5 Millionen Euro sein.

Neubau-Maßnahmen schlugen 2018 mit 8,2 Millionen Euro zu Buche, in diesem Jahr werden es 10.3 Millionen Euro sein. Bei Erschließungen waren es im Vorjahr 884.000 Euro, in diesem Jahr werden es 326.000 Euro sein.

Nachhaltigkeit mit E-Autos, Ökostrom und Blühstreifen.

WBG plant Abriss in der Geist - Vorstand klagt: Es gibt viel zu wenig Bauland in Lünen

Setzen bei den Dienstfahrzeugen zunehmend auf E-Autos: (v.r.) Vorstandsvorsitzender Rainer Heubrock und die nebenamtlichen Vorstandsmitglieder Wilfried Kolodziejski und Bernd-Peter Menke. © Beate Rottgardt


Geplant sind in diesem Jahr außerdem zahlreiche ökologisch nachhaltige Projekte wie Blühstreifen für Insekten, Nistkästen, Hochbeete und für die von der WBG gebauten Kitas Kräuterschnecken und Insektenhotels. Zudem wurde der gesamte Strom in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken auf Ökostrom umgestellt. Immer mehr Dienstfahrzeuge seien E-Autos.

Aus der Vertreterversammlung

Neuer Aufsichtsrats-Vorsitzender

  • Der Jahresüberschuss der Genossenschaft beträgt nach eigenen Angaben 2,7 Millionen Euro. Es wurde eine Dividende von 4 Prozent beschlossen.
  • Für den Aufsichtsrat wurden Ingrid Mergelkuhl und Heiko Rautert einstimmig wiedergewählt.
  • Der bisherige Vorsitzende des Aufsichtsrats, der frühere Erste Beigeordnete der Stadt Lünen, Günter Klencz, hat sein Mandat niedergelegt. Er wird zum 1. Januar 2020 in den nebenamtlichen Vorstand wechseln.
  • Sein Vorgänger dort, Bernd-Peter Menke, hört zum Jahresende nach 45 Jahren als haupt- und nebenamtlicher Mitarbeiter auf.
  • Neuer Aufsichtsrats-Vorsitzender ist Dr. Felix Prinz, sein Stellvertreter ist Heiko Rautert. Neu in den Aufsichtsrat gewählt wurde Dr. Christian Melchers.
  • Der Wohnungsbestand lag 2018 bei 4519. Außerdem verfügt die WBG über 62 Gewerbeeinheiten und 5715 Mitglieder.
Lesen Sie jetzt