Warum die katholische Kita St. Norbert derzeit gleich zwei Leiterinnen hat

dzAnnette Müller geht in Rente

Diese Tage erlebt Annette Müller (63) mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn Ende September geht sie in Rente - nach 45 Berufsjahren, davon 27 als Leiterin der Kita St. Norbert.

Nordlünen

, 10.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Etwas leichter fällt Kita-Leiterin Annette Müller der Abschied, weil sie ihre Nachfolgerin Sabine Raphold nicht nur bereits kennt, sondern auch zusammen mit ihr in diesen Wochen in der Kita den Wechsel vorbereitet.

„Langsam merke ich auch, dass der Abschied näher rückt, das war vor den Ferien noch ganz weit weg“, so die 63-Jährige, die seit 26 Jahren auch mit ihrer Familie in Nordlünen zuhause ist. „Das war mir wichtig, auch in der Gemeinde, in der ich arbeite, zu wohnen“, sagt sie.

Die Kita St. Norbert ist für sie zwar „wie eine zweite Heimat“, sie will aber nach ihrem offiziellen Abschied auch bewusst erst einmal keine Besuche dort machen: „Meine Nachfolgerin soll ihren Weg gehen, ihre Schwerpunkte setzen.“

Ihr Wunsch für die Kita ist es, „dass meine Nachfolgerin diese Arbeit mit Herzblut übernimmt. Dann wird es auch automatisch anders sein, weil sie es ja authentisch macht. Ich habe hier ein unglaublich tolles Team, das ist ein Geschenk, keine Selbstverständlichkeit.“

Warum die katholische Kita St. Norbert derzeit gleich zwei Leiterinnen hat

Johnny Lamprecht (r.), Gründer des "Trommelzauber-Teams" und "DJ Dr. Fofo" mit Annette Müller, Leiterin der Kita St. Norbert, bei einer großen Aktion mit Kindern und Eltern. © Beate Rottgardt

Diesem Team wünscht sie, dass es „seine Offenheit behält und mögliche Konflikte gemeinsam austrägt, sich auch gemeinsam weiter entwickelt.“ Weil es 27 Jahre sind, in denen Annette Müller die katholische Kita geleitet hat, bringen heute Kita-Kinder aus den ersten Jahren wieder ihren Nachwuchs in die Gruppen. „Und die Eltern von früher sind heute Großeltern.“

Nach 45 Berufsjahren wird Annette Müller ab Oktober ihre Altersrente beziehen. Angst vor Langeweile hat sie nicht: „Ich bin immer noch in der Gemeinde ganz aktiv und will das auch weiter sein.“ Beispieslweise im Chaissa-Kreis oder im Liturgie-Kreis, die ihr beide am Herzen liegen.

Gelebte Ökumene schon im Elternhaus

Annette Müller war schon als Kind christlich geprägt. Mit der katholischen Mutter und dem evangelsichen Vater erlebte sie Ökumene früh, engagierte sich als Jugendliche bereits in der Heimatgemeinde in Dortmund-Dorstfeld.

„Weil ich auch einige Kindergruppen geleitet habe, stand für mich früh fest, dass ich Erzieherin werden will.“ Dank der Kurzschuljahre bekam sie schon 1974 ihren schulischen Abschluss zur Erzieherin. Da war sie 18 Jahre alt.

Ihr Anerkennungsjahr absolvierte die katholisch getaufte junge Frau in Wickede in einem evangelischen Kindergarten. „Damals konnten wir uns unsere Stellen aussuchen, das ist heute wieder so bei den Nachwuchskräften.“

Fortbildungen für die Arbeit mit behinderten Kindern

Im Anerkennungsjahr bekam sie schon eine Gruppenleitung - das allerdings wäre heute undenkbar. Insgesamt blieb sie zwei Jahre dort, entdeckte auch, wie wichtig Arbeit mit behinderten Kindern ist, absolvierte Fortbildungen und war zweieinhalb Jahre in einer Einrichtung für Kinder mit Handicap.

Seit 1978 arbeitete sie in Regel-Kitas, erst in Dortmund-Derne. Seit 1992 als Leiterin in der Kita St. Norbert. Das christliche Weltbild ist ihr immer wichtig gewesen: „Die Ideale wie Friedensstiftung, Wertschätzung und Respekt, die Jesus vermittelte, möchte ich den Kindern vermitteln, egal welchen Glaubens.“

Kinder sollen voneinander lernen - nur so können Unstimmigkeiten vermieden werden, ist ihre Meinung.

Warum die katholische Kita St. Norbert derzeit gleich zwei Leiterinnen hat

Als Vorsitzende des damaligen Pfarrgemeinderats St. Norbert bei der Eröffnung des St. Norbert-Treffpunkts: Annette Müller durchschnitt das rote Band und eröffnete damit offiziell das Gebäude. © Bettina Voß

Wichtig ist Annette Müller auch die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Caritas-Altenzentrum St. Norbert, die seit vielen Jahren erfolgreich läuft. „Wir planen seit 1999 jedes Jahr die monatlichen gemeinsamen Veranstaltungen. Das ist für die Kinder genauso wichtig wie für die Senioren.“

Viel zu verdanken habe sie dem früheren Pfarrer von St. Norbert, Klaus Hageböck, mit dem sie auch noch in Kontakt steht: „Er hat mich unterstützt und mir auch neue Sichtweisen eröffnet.“

Mehr Zeit auch für die kleine Enkelin

Als Rentnerin hat sie nun mehr Zeit, um mit ihrem Mann ihre erwachsenen Kinder in Wiesbaden und Aachen zu besuchen - und vor allem Zeit mit ihrer kleinen Enkelin zu verbringen. Und mehr Zeit fürs Malen zu haben: „Wir haben mit den Kindern auch immer Kunstprojekte organisiert. Jetzt habe ich die Gelegenheit, auch mal Maltechniken in Seminaren zu lernen.“

Sabine Raphold (55) lebt mittlerweile auch in Nordlünen. Die Mutter zweier erwachsener Söhne war zuletzt in einem Montessori-Kindergarten in Unna tätig, hat auch in einem betreuten Wohnen für Mutter und Kind in Dortmund gearbeitet.

Warum die katholische Kita St. Norbert derzeit gleich zwei Leiterinnen hat

Sie zeigen das neue Logo des Familienzentrums NRW Lünen-Nord (v.l.): Gudrun Sieding (St. Marien-Kita), Silke Overmann (St. Gottfried-Kita) und Annette Müller (St. Norbert-Kita). © Martina Niehaus

„Ich freu mich auf das Team, weil man das Gefühl hat, dass es hier wie eine Familie ist.“ Der neue Weg werde anfangs nicht leicht sein, zumal, wenn jemand nach 27 Jahren geht. „Das System muss sich neu orientieren. Aber die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und den beiden anderen Kitas, die mit unserer hier das Familienzentrum Lünen-Nord bilden, ist sehr gut.“ An erster Stelle aber, so Sabine Raphold, stünde natürlich die Zusammenarbeit mit den Eltern und Kindern.

Die neue Leiterin ist in Frankfurt am Main geboren, wuchs dann in der Nähe von Stuttgart auf. Zunächst arbeitete sie als Erzieherin im Raum Ludwigsburg, ging dann für ein Jahr ins Ausland.

„Danach habe ich in einer Kita in Dortmund gearbeitet, bin erst nach Lünen-Süd und dann nach Oberaden gezogen und lebe heute in Nordlünen.“ Als sie hörte, dass die Leitungsstelle in der Kita St. Norbert frei wird, bewarb sie sich.

Und jetzt erfolgt seit 1. September die Übergabe von Annette Müller an ihre Nachfolgerin.

Die Verabschiedung von Annette Müller findet am Sonntag, 29. September, statt, mit einem Gottesdienst in der St. Norbert-Kirche und anschließend einer Feier in der Kita St. Norbert.
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