Wahl-Litauer aus Lünen: Panevezys hält sich an Corona-Auflagen

dzBurkhard Körbl

Seit fast zwei Jahren lebt Burkhard Körbl in Lünens litauischer Partnerstadt Panevezys. Der langjährige Lüner Verwaltungsmitarbeiter schildert, wie die Litauer mit der Corona-Krise umgehen.

Lünen

, 10.05.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

or knapp zwei Jahren ging Burkhard Körbl in Rente. Viele Jahre hatte er sich in der Lüner Stadtverwaltung sowohl um den Sport als auch um die Lüner Städtepartnerschaften gekümmert. Seit Juli 2018 lebt der heute 67-Jährige nun in Lünens litauischer Partnerstadt Panevezys.

Insgesamt haben sich acht Deutsche aus verschiedenen Gebieten der Bundesrepublik für Panevezys als neue Heimat entschieden. „Es ist ein Geheimtipp für Rentner“, meint Körbl.

Wenig Coronainfizierte in Litauen

„Meine Frau ist Litauerin, sie hilft mir natürlich beim Übersetzen, denn ob ich Litauisch noch richtig lerne, weiß ich nicht“, erzählt er am Telefon. Allerdings versteht er doch einiges von der Sprache seiner Wahlheimat. „Zum Einkaufen reicht es.“ Wenn es um Unterhaltungen geht, spricht er meistens Englisch. „Viele sprechen hier Englisch, die Älteren haben sogar Deutsch in der Schule gelernt.

Das Corona-Virus hat sich bislang in Litauen wenig ausgebreitet. Im ganzen Land gibt es 1400 Infizierte, von denen aber über 600 schon wieder als genesen gelten. 46 Menschen sind an den Folgen des Virus gestorben. „Die meisten Fälle sind wohl Menschen, die das Virus von Auslandsreisen mitgebracht haben.“

In Panevezys, mit 91.000 Einwohnern ein wenig größer als die Partnerstadt Lünen, und dem Kreis (insgesamt 130.000 Einwohner) gibt es sogar nur 14 Infizierte. „Ein Mensch ist gestorben, er hatte das Virus aus Südafrika mitgebracht“, so Körbl.

Kontaktsperre und Quarantäne

Seit dem 13. März gilt in Litauen eine Kontaktsperre. „Wer seitdem aus dem Ausland eingereist ist - mit dem Flugzeug oder mit der Fähre von Kiel nach Kleipeda - musste sich 14 Tage lang in Quarantäne begeben. Wer sich nicht daran hält, dem drohen empfindliche Strafen. Aber es hat sich wohl jeder daran gehalten“, so der Lüner.

Alle Geschäfte bis auf die Lebensmittel-Läden wurden geschlossen. In die geöffneten Geschäfte durfte nur ein kleinere Zahl an Kunden als normalerweise. „Man muss sich an die Vorgaben halten. Das machen wir auch. Ich bin mit unserem Hund unterwegs. Und von Anfang an mit Maske.“

Er habe Glück gehabt - im vergangenen Jahr hatte er sich wegen Renovierungsarbeiten zwei Masken gegen Staub zugelegt. Die kann er nun auch nutzen. „Vor allem haben wir uns aber selbst Masken aus Stoff gebastelt.“ Die Einhaltung von Kontaktsperre und Maskenpflicht werde auch kontrolliert. Masken müssen bis zum 11. Mai in Litauen getragen werden.

Schon früher war Burkhard Körbl (l.) in Panevezys zu Gast, wie hier mit Dolmetscherin Irina, Schauspieler Waldemar Kobus und Kinofestleiter Mike Wiedemann (v.l.) beim Film-Festival in Panevezys.

Schon früher war Burkhard Körbl (l.) in Panevezys zu Gast, wie hier mit Dolmetscherin Irina, Schauspieler Waldemar Kobus und Kinofestleiter Mike Wiedemann (v.l.) beim Film-Festival in Panevezys. © Brinkaite-Karaliene

Spielplätze geöffnet - Städte über Ostern geschlossen

Spielplätze in Panevezys sind geöffnet. „Die Familien haben insofern Glück, als dass zwei Parks groß ausgebaut wurden und es dort viele Spielgeräte über die Grünflächen verteilt gibt.“

Über Ostern gab es in Litauen eine Maßnahme, um Familienbesuche zu vermeiden. „Die Städte wurden sozusagen geschlossen, weil man das Hin- und Herreisen eindämmen wollte.“

Große Einschränkungen spürt Körbl nicht. „Ich gehe zwar sonst gerne schwimmen und in die Sauna, das geht derzeit nicht, weil alles geschlossen hat.“ Und auch seine Stammkneipe war längere Zeit zu. Das wird nun langsam in Litauen wieder gelockert. Friseure, Kneipen und Straßencafés dürfen seit dieser Woche wieder öffnen. Und innerhalb des Landes herrscht nun wieder Reisefreiheit.

„Die Behörden beobachten, wie das Ganze an Feiertagen läuft. Aber insgesamt geht hier alles etwas ruhiger und gelassener zu.“

Freude auf Ausflüge

Körbl freut sich darauf, demnächst wieder Ausflüge zu unternehmen. „Panevezys liegt gerade mal 130 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt, auch Riga, die Hauptstadt Lettland ist etwa so weit entfernt.“ Außerdem gebe es in der Umgebung von Lünens Partnerstadt viele Seen.

„Nach Vilnius fahren wir sonst regelmäßig.“ Auch weil er sich einmal im Jahr bei der deutschen Botschaft melden muss. Wenn Lüner Gruppen nach Panevezys kommen, wird er von der Stadt Lünen informiert und hilft ihnen ehrenamtlicht, sich zurecht zu finden.

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