Vor 25 Jahren wurde die Zeche Achenbach stillgelegt

Bergbau-Erinnerungen

Heute vor 25 Jahren fuhren die Bergleute der Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer ihre letzte Schicht. Der Bergbau ging, doch die Erinnerung daran lebt fort - an das schwere Grubenunglück von 1912, an die erfolgreichen Jahre in den 1950ern und an die letzte Schicht 1992. Wir blicken zurück - auch in einer Fotostrecke.

BRAMBAUER

, 30.06.2017, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom ersten Fördertag am 1. November 1900 bis zum 30. Juni 1992 wurden circa 1,26 Milliarden Tonnen verwertbarer Kohle ans Tageslicht gebracht. Die Zeche drückte dem Stadtteil ihren Stempel auf.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Bergbau-Epoche in Lünens größtem Stadtteil erinnerten jüngst die fünf Kumpel Detlef Eilers, Paul Sawatzki, Stefan Hubert, Klaus Link und Peter Freiß noch einmal an eine für viele unvergessene Zeit.

Mit Bergmannshemd und Steigerstock

Vier von ihnen hatten sich dazu extra ausstaffiert: Mit einem gestreiften Bergmannshemd, einer Grubenlampe und einem Häckel, auch Fahr- oder Steigerstock genannt, trafen sich die fünf „Achenbacher“ am ehemaligen Schacht IV, dem heutigen Sitz des Lüner Technologiezentrums Lüntec, mit dem angrenzenden „Ufo“.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ein Blick in die Geschichte der Lüner Zeche Minister Achenbach

Heute vor 25 Jahren fuhren die Bergleute der Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer ihre letzte Schicht. Der Bergbau ging, doch die Erinnerung daran lebt fort - an das schwere Grubenunglück von 1912, an die erfolgreichen Jahre in den 1950ern und an die letzte Schicht 1992. Wir blicken zurück.
30.06.2017
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"Die letzte Schicht" lautete der Titel einer Broschüre des Hager-Verlages, die über das Unglück 1912 berichtete. Damals war es üblich, zu Katastrophen kleine Heftchen mit Fotos oder Zeichnungen und Informationen zu dem Unglück herauszugeben Einen Teil des Gewinns spendeten die Verlage oft den Hinterbliebenen.© Foto: www.minister-achenbach.de
Vor dem Zugang zu den Schächten warten Bergleute der Zeche sowie Angehörige auf Neuigkeiten , die aus der Grube von den Rettungsmannschaften weitergegeben werden.© Foto: www.minister-achenbach.de
Totenwache in der Schreinerei - nach dem Unglück von 1912.© Foto: www.minister-achenbach.de
Die Liste der Opfer des Grubenunglücks 1912: Hinter den Namen sind Wohnort, Beruf, Familienstand und Zahl der Kinder aufgeführt.© Foto: www.minister-achenbach.de
In der Zeit der britischen Besatzung posieren Soldaten vor der Zeche Minister Achenbach - das Bild ist aus dem Jahr 1945.© Lünen
Die Zeche in einer alten Schwarz-Weiß-Ansicht.© Foto: Archiv
So sah die Schachtanlage Achenbach 1/2 einst aus. Sie prägte den Stadtteil Brambauer 90 Jahre.© Foto: Archiv
50 Jahre ist dieses Foto alt, das die damaligen Praktikanten der Bebelschule zeigt. Die Jugendlichen hatten sich freiwillig entschieden, ein neuntes Schuljahr in der Volksschule dran zu hängen. Üblich waren 1965 nämlich nur acht Schuljahre. Vier Wochen lang absolvierten sie ein Praktikum in Richtung Bergbau auf der Zeche Minister Achenbach. Das Erinnerungsfoto klebten sie in einen Lünen-Bildband, den sie ihrem "Chef" auf Achenbach überreichten. Es war der damalige Ausbilder Hans Köth, der Buch und Foto bis heute aufgehoben hat und in Ehren hält.© Repro: Beate Rottgardt
Gedenkfeier zur Stilllegung 1992, Werksleiter Dr. Rolf Zeppenfeld.© Foto: Stadtarchiv
Seilbahn mit Teckel (Wagen) mit Blick auf Achenbach 1/2 in Brambauer. Das Foto stammt aus dem Fotoalbum von Erika Kreisherr.© Foto: Erika Kreisherr
Abbrucharbeiten im Jahr 1993.© Foto: Stadtarchiv
Abbrucharbeiten 1993.© Foto: Stadtarchiv
Abbrucharbeiten 1993.© Foto: Stadtarchiv
Abbrucharbeiten 1994.© Foto: Stadtarchiv
Abbrucharbeiten 1994, Sprengung Kohlenbunker.© Foto: Stadtarchiv
Auch das alte Gelände der Zeche Minister Achenbach Brambauer Schacht IV hat Hobbybastler Dr. Friedrich Vollmer nachgebaut.© Foto: Michael Blandowski
Voller Stolz präsentiert Dr. Friedrich Vollmer den selbsterstellten Nachbau des alten Geländes der Zeche Minister Achenbach Brambauer Schacht IV.© Foto: Michael Blandowski
Ein alter Förderwagen empfängt die Besucher der Kleingartenanlage "Achenbach".© Foto: Eva-Maria Spiller
Ein alter Kohlewaggon erinnert heute noch an den Bergbau in Brambauer.© Foto: Michael Blandowski
Zum Gedenken an die vor 1912 tödlich verunglückten 49 Kumpel auf der Zeche Achenbach versammelten sich 2012 Mitglieder des Brambauer Knappenvereins, Vorstände der IGBCE und Angehörige der Verunglückten auf dem alten Friedhof in Brambauer. Von den Knappen und der Gewerkschaft wurden Kränze an der Gedenkstätte niedergelegt.© Foto: Günther Goldstein
Zum Gedenken an die vor 1912 tödlich verunglückten 49 Kumpel auf der Zeche Achenbach versammelten sich 2012 Mitglieder des Brambauer Knappenvereins, Vorstände der IGBCE und Angehörige der Verunglückten auf dem alten Friedhof in Brambauer. Von den Knappen und der Gewerkschaft wurden Kränze an der Gedenkstätte niedergelegt.© Foto: Günther Goldstein
Zum Gedenken an die vor 1912 tödlich verunglückten 49 Kumpel auf der Zeche Achenbach versammelten sich 2012 Mitglieder des Brambauer Knappenvereins, Vorstände der IGBCE und Angehörige der Verunglückten auf dem alten Friedhof in Brambauer. Von den Knappen und der Gewerkschaft wurden Kränze an der Gedenkstätte niedergelegt.© Foto: Günther Goldstein
Zum Gedenken an die vor 1912 tödlich verunglückten 49 Kumpel auf der Zeche Achenbach versammelten sich 2012 Mitglieder des Brambauer Knappenvereins, Vorstände der IGBCE und Angehörige der Verunglückten auf dem alten Friedhof in Brambauer. Von den Knappen und der Gewerkschaft wurden Kränze an der Gedenkstätte niedergelegt.© Foto: Günther Goldstein
Zum Gedenken an die vor 1912 tödlich verunglückten 49 Kumpel auf der Zeche Achenbach versammelten sich 2012 Mitglieder des Brambauer Knappenvereins, Vorstände der IGBCE und Angehörige der Verunglückten auf dem alten Friedhof in Brambauer. Von den Knappen und der Gewerkschaft wurden Kränze an der Gedenkstätte niedergelegt.© Foto: Günther Goldstein
Auch nach einem Vierteljahrhundert ohne Bergbau in Brambauer sind die vier früheren Kumpel der Brambauer Zeche Minister Achenbach (v.l.) Paul Sawatzki, Detlef Eilers, Stefan Hubert und Klaus Link noch immer dicke Kumpel.© Foto: Michael Blandowski
Auch nach einem Vierteljahrhundert ohne Bergbau in Brambauer sind die vier früheren Kumpel der Brambauer Zeche Minister Achenbach (v.l.) Paul Sawatzki, Detlef Eilers, Stefan Hubert und Klaus Link noch immer dicke Kumpel.© Foto: Michael Blandowski
Das alte Gesundheitshaus der Zeche Minister Achenbach Brambauer wird heute von der AIL bewirtschaftet.© Foto: Michael Blandowski
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„Die letzte Tat des Fördermaschinisten war um 13.16 Uhr. Der letzte Förderkorb mit der letzten Tonne Kohle kam ans Tageslicht. Dann war Feierabend, Schluss, Ende! Danach fand die Füllung der Schächte statt. Der Bergbau in Brambauer gehörte der Geschichte an“, erinnerte sich Peter Freiß.

Was bleibt, sind Erinnerungen

Die vier anderen Kumpel, schauten voller Stolz auf die frühere Werkshalle am Schacht 4. Wenige Schritte weiter liegt die alte Zechenhalde. Sie lädt heute zu Spaziergängen mit einem Panoramablick über Brambauer und Umgebung ein.

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Auf dem Gelände von Achenbach 1 und 2 ist das Gesundheitshaus letzter Zeuge der langen Bergbautradition. Schon ein Jahr vor der planmäßigen Stilllegung wurde die Zeche aufgrund einer politischen Vereinbarung dicht gemacht. Das ist in Zeitungsartikeln aus der damaligen Zeit nachzulesen. Bergwerksdirektor Dr. Rolf Zeppenfeld hatte die Anlage bis zuletzt als Aushängeschild innerhalb der Ruhrkohle AG (RAG) gelobt.

Was bleibt, sind Erinnerungen, ein Vierteljahrhundert nach dem Verschwinden der Zeche Minister Achenbach. Um die bergmännischen Tugenden wie Kameradschaft, Vertrauen und Achtung nicht einschlafen zu lassen, soll auch das legendäre „Achenbacher-Treffen“ im Bürgerhaus Brambauer nicht aussterben.

Treffen im Oktober

In diesem Jahr steigt die Zusammenkunft am 27. Oktober. Wie immer im Bürgerhaus Brambauer. Alte Geschichten aus dem Bergbau, das Anstimmen des Bergmannslied „Glück Auf, der Steiger kommt!“ und der Rückblich auf die letzte Förderschicht vor 25 Jahren werden während der 23. Auflage sicher nicht zu kurz kommen. Die Organisation übernehmen Paul Sawatzki, Detlef Eilers, Stefan Hubert und Klaus Link.

 

 

Blick in die Geschichte

Der erste Schacht wurde ab 1897 abgeteuft. Die Kohleförderung begann Anfang November 1900 in den Flözen „Gustav“ und „Anna“. Namensgeber des Bergwerks war der preußische Handelsminister Heinrich von Achenbach.

In den Jahren 1912 und 1914 ereigneten sich durch Schlagwetterexplosionen schwere Grubenunglücke mit insgesamt über 70 Toten. Ein Denkmal auf dem alten Friedhof in Brambauer erinnert an sie.

1922 nahm nach Schacht 1/2 auch Schacht 4 die Förderung auf. Weil es keine untertägige Verbindung gab, ließ man eine 2200 Meter lange Seilbahn zwischen den Schachtanlagen bauen. Sie war von 1923 bis 1968 in Betrieb.

1955 beschäftigte das Bergwerk Minister Achenbach 6615 Kumpel, darunter 702 Jugendliche. Das war die Höchstzahl in der Geschichte der Zeche.

1968 wurde die Zeche in die neugegründete Ruhrkohle AG eingegliedert.

Am 30. Juni 1992 stand dann die letzte Schicht an.

Auf dem früheren Zechengelände im Westen Brambauers entstand das Gewerbegebiet Achenbach. Am Standort des Schachtes Achenbach 3/4 im Osten des Stadtteile wurde das Technologiezentrum mit Ufo errichtet.

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