Ein kleiner Teil der Trauergemeinde steht etwas abseits vom Grab des Verstorbenen. © Nora Varga
Friedhof Niederaden

Viele Menschen bei Beerdigung eines Lüners (27) rufen Polizei auf den Plan

Viele Menschen aus ganz Deutschland, Verkehrschaos und verärgerte Anwohner, die Beerdigung eines jungen Lüners ließen Polizei und Ordnungsamt einschreiten. Die Familie wurde überrumpelt.

Es sind mehr als 200 Personen, die am Mittwoch (30.12.) auf dem Kommunalfriedhof in Niederaden zusammenkommen, um den jungen Lüner Massud O. zu verabschieden. Aus dem ganzen Bundesgebiet sind Freunde und Verwandte angereist, um an der Beerdigung teilzunehmen. Eine Cousine des Verstorbenen: „Er war hier überall bekannt in Lünen und Dortmund. Er hatte viele Freude und Verwandte, auch Arbeitskollegen waren da. Keiner hält sich bei so einer schlimmen Lage zurück.“

Der junge Lüner wurde in Folge einer Leukämieerkrankung nur 27 Jahre alt. Seine Cousine erzählt aufgelöst: „Er hat 13 Monate lang gekämpft, er war so lebenslustig und froh.“ Seit 20 Jahren hat Massud O. in Deutschland gelebt. Er hat bei Turanlars Barbershop an der Münsterstraße in Lünen gearbeitet. Eigentlich hätte die Familie die Trauerfeier in einem Saal abgehalten, aber durch Corona ist das nicht möglich. Mit dem riesigen Auflauf an Menschen habe laut der Verwandten keiner gerechnet.

Geplant sei die Beerdigung, die am frühen Nachmittag stattfand, nicht gewesen, erklärt Polizeihauptkommissar Schinck: „Die Familie war selbst überrascht und hat sich sehr kooperativ gezeigt.“ Es seien immer Masken getragen worden und immer wieder wurde auch auf Türkisch dazu aufgerufen, die Abstände einzuhalten. Bei einem so emotionalen Thema müsse man Verständnis haben, erläutert Schinck: „Die Zeremonie am Grab wurde kurz gehalten, aber das ist auch nicht leicht.“ Polizei und Ordnungsamt waren während der gesamten Zeremonie vor Ort. Schinck: „Das ist alles in Eigenverantwortung der Familie passiert“

Abstand nur schwer einzuhalten

Viele der Gäste haben kleine Bildchen des Verstorbenen an der Kleidung oder sein Foto in einem Bilderrahmen dabei. Auch wenn alle Anwesenden Masken tragen, werden die Abstände nur vereinzelt eingehalten. Immer wieder liegen sich Menschen weinend in den Armen oder versammeln sich um das Grab von Massud O..

Am Friedhof in Niederaden gab es ein Verkehrschaos.
Die vielen Trauergäste sorgten für Verkehrschaos. © Nora Varga © Nora Varga

Die Veranstaltung sorgte für Aufsehen bei den Anwohnern: „Die Feldwege und Einfahrten waren zugeparkt. Wir waren nicht die Einzigen, die die Polizei und das Ordnungsamt verständigt haben“, berichtet eine Anwohnerin. „Zu normalen Bedingungen wäre so eine Veranstaltung kein Problem gewesen. Aber nun, wo Kontakte eingeschränkt und Weihnachtsgottesdienste abgesagt werden, muss sowas nicht sein“, findet sie. Dabei stellt sie heraus, dass sie die muslimischen Traditionen respektiert. „Dagegen sagt keiner was. Größere Beerdigungen gibt es hier öfter. Aber in der Pandemie sollten solche Großveranstaltungen nicht stattfinden“

Planung in Zukunft verbessern

Nach einer Stunde löst sich die Trauergesellschaft auf und langsam leert sich der Parkplatz des Friedhofes und die zugeparkten Seitenstreifen. Viele Angehörige und Gäste bedanken sich im Vorbeigehen bei den anwesenden Polizisten. Ein Nachspiel werde die Veranstaltung laut Polizei nicht haben, da die Familie verständig gewesen sei und alles getan hätte, um die Abstände einzuhalten und die Beerdigung schnell durchzuführen. In Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung wolle man nun überlegen, wie große Beerdigungen zukünftig besser geplant werden können.

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Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga
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Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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