Seit dem 29. Juni hat das Freibad Cappenberger See wieder geöffnet. Die Rahmenbedingungen kritisieren viele. © Goldstein
Nach der Corona-Pause

Viel Kritik an strikten Corona-Regeln im Freibad Cappenberger See

Überholverbot im Becken, Schwimmgruppen je nach Geschwindigkeit, Tickets nur online - viele Lüner sind enttäuscht von der Art und Weise, wie das Freibad Cappenberger See wieder geöffnet hat.

Völlig übertrieben“, findet Anka Bauckmann die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus im Freibad Cappenberger See. „Gerade ältere Menschen kommen damit nicht zurecht und beim Online-Banking werden auch nicht alle Banken akzeptiert“, schreibt sie auf eine Facebook-Umfrage dieser Redaktion. Sie ist eine von vielen, die unzufrieden ist mit der aktuellen Situation. Und schließt: „Da kann man lieber bis nach Werne fahren. Da kann man zur Not auch drinnen schwimmen.“

Zu traurig zum Lachen?

Damit legt sie den Finger in die Wunde, denn tatsächlich sind die Bedingungen in Werne ganz andere. Während man in Lünen die Tickets nur online über den Bezahldienstleister Giropay kaufen kann, geht das in Werne auch vor Ort. Dort gibt es auch keine zeitliche Beschränkung des Besuchs, keine Aufteilung nach Schwimm-Geschwindigkeit und kein Überholverbot.

„Wäre es nicht so traurig, ich würde herzhaft lachen“, schreibt uns dazu Ilona Seepe in einem Leserbrief. „Die Bädergesellschaft gibt sich wirklich alle Mühe, ihren, meist langjährigen Kunden den Zutritt zum Freibad Cappenberger See zu verweigern.“

Die Bädergesellschaft in Lünen ist eine 100-prozentige Tochter der Stadtwerke. Sprecherin Jasmin Teuteberg bekräftigt auf Anfrage, dass man den Lüner Weg für den richtigen hält: „Wir halten uns strikt an die Richtlinien der Landesregierung“, sagt sie. Das reiche aber nicht: „Als Badbetreiber sind wir in der Verantwortung, alle Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die geforderten Maßnahmen auch eingehalten werden können. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst und halten uns dabei äußerst stringent an die Corona-Schutzverordnung.“ Das müsse jedes Bad für sich selbst entscheiden.

„Auch nicht hundertprozentig glücklich“

Teuteberg verteidigt auch das Online-Bezahlsystem. Es sei der einzige Weg, „um kontaktloses Bezahlen und das Vermeiden von längeren Menschenaufläufen zu vermeiden“. Die Giropay-Methode soll noch um „paydirekt“ ergänzt werden, bei weiteren Drittanbietern würden die Gebühren so hoch, dass es nicht mehr „wirtschaftlich vertretbar“ sei. Die Bädergesellschaft sei damit „auch nicht hundertprozentig glücklich“, weil das bedeute, dass manche Badegäste so nur schwierig an eine Eintrittskarte kommen: „Momentan sehen wir allerdings keine andere Möglichkeit.“

Teuteberg weist auch darauf hin, dass das Lüner Konzept „aus der Sicht des Fachbereichs Gesundheit und Verbraucherschutz des Kreises Unna den Vorgaben der aktuellen Coronaschutzverordnung“ entspreche. Gilt das dann auch für die deutliche lockere Herangehensweise in Werne? Ja, sagt Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises Unna dazu. „Beide Konzepte sind aus unserer Sicht in Ordnung.“

Viele Regeln wurden schon gelockert

Das liege daran, dass die Regelungen der Coronaschutzverordnungen nicht in allen Punkten exakt vorgegeben seien. Das Ziel, dass 1,5 Meter Abstand eingehalten werden müssen, sei etwa vorgegeben. Die Regelungen dazu müssten dann individuell festgelegt werden. Ein Freibadbetreiber könne zudem auch darüber hinaus Maßnahmen ergreifen.

Rauert weist aber auch darauf hin, dass manche Regelungen längst nicht mehr in der Coronaschutzverordnung stünden. Etwa die, dass die Kontaktdaten der Kunden in Freibädern gespeichert werden müssten. Genau deshalb setzt das Freibad Cappenberger See ja auf die Online-Tickets. Auch andere Regelungen, etwa die maximale Personenzahl pro Quadratmeter, seien schon gelockert worden.

Auch die GFL hat in einer Stellungnahme eine „bürgerfreundliche Freibad-Öffnung“ gefordert. Eine schnelle Lockerung der Maßnahmen am Freibad Cappenberger See ist indes nicht in Sicht: „Solange seitens der Landesregierung keine weiteren Lockerungen verkündet werden, werden wir an den aktuellen Maßnahmen festhalten“, so Teuteberg.

Seit der Wiedereröffnung des Bads am 29. Juni haben Stand 8. Juli 128 Badegäste das Freibad Cappenberger See besucht.

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Gebürtiger und auch immer noch dort lebender Dortmunder. Der der Stadt Lünen aus der „Außensicht“ viel abgewinnen kann – und doch immer wieder erstaunt ist, wie manches hier so läuft. Lieblingsthemen: Politik, Wirtschaft, Soziales.
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Marc Fröhling

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