Das Videospiel Fortnite sorgt immer wieder für Diskussionen. © picture alliance / EPic Games/Ko
Videospiele

Videospiel „Fortnite“: Lüner Grundschule warnt vor Risiken für Kinder

Eine Lüner Grundschule hat in einem Elternbrief vor dem Risiko des Videospiels „Fortnite“ gewarnt. Worum geht es eigentlich bei „Fortnite“ und welche Altersgruppen sollten es nicht spielen?

Es fallen Schüsse, hektisch rennt sie weg, versucht, sich zu verstecken. Sie feuert Leuchtkugeln in die Richtung, aus der sie ihren Angreifer vermutet. Ein Geräusch hinter ihrem Rücken, sie haben sie, das war’s. Ein Schuss und der Spielcharakter löst sich in Luft auf. Was klingt wie eine Szene aus einem Actionfilm, ist aber ein Szenario, das sich am Tag hunderttausend Mal so oder so ähnlich in Kinderzimmern abspielt: im Videospiel „Fortnite“.

In dem Videospiel bewegt man sich mit seiner Figur auf einer Insel umher. Mit einem selbst landen 50 Spieler auf dieser Insel. Sie können in Gebäuden und Kisten Waffen, Granaten, Fallen und Gegenstände sammeln. Sie schießen sich gegenseitig ab. Es gewinnt der letzte Überlebende . Dieses Spielprinzip nennt man „Battle Royale“, also königliche Schlacht: Am Ende kann nur einer gewinnen. Das Spiel ist grundsätzlich kostenlos. Mit echtem Geld können sich Spieler aber Kostüme, unterschiedliche Farben für Waffen oder andere Kleinigkeiten kaufen, die nur die Optik, nicht aber die Funktionsweise des Spiels beeinflussen.

Elternbrief warnt vor dem Spiel

Das Spiel erfreut sich seit seiner Veröffentlichung 2017 großer Beliebtheit unter Jugendlichen. Videospiele sind in der Gesellschaft weit verbreitet. Egal, ob man Candy Crush oder Solitär auf dem Handy spielt oder Fortnite oder Assassin’s Creed an Computer und Konsole.

Aus Videospielen können aber auch Probleme erwachsen. Christian Groß ist Sozial- und Suchttherapeut und Pressesprecher des Fachverbandes Medienabhängigkeit e.V. und kennt die Debatte um das Videospiel Fortnite. Für ihn ist die Gewaltdarstellung nicht das Kernproblem des Spieles, das laut der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) Kinder ab zwölf Jahre spielen können.

„Das Problem ist, dass die USK natürlich hauptsächlich auf gewaltverherrlichende, extremistische oder auch auf sehr düstere Spiele-Szenarien schaut. Die USK schaut leider sehr wenig auf Glücksspiel-relevante Faktoren, also sowas wie ,Pay-to-win‘-Systeme. Wenn man sich die Glücksspielfaktoren in Fortnite anschaut, dann hat das Spiel ziemlich starke Suchtmechanismen.“ Auch in Lünen sind die Risiken von Fortnite ein Thema. Eine Lüner Grundschule warnte in einem Elternbrief vor dem Spiel und machte Eltern darauf aufmerksam, dass das stundenlange spielen von „Fortnite“ für Kinder im Grundschulalter nicht geeignet sei. Im Elternbrief heißt es: „Kinder im Grundschulalter sollte mit solchen Spielen gar nicht in Berührung kommen, denn Waffengewalt ist bei Fortnite oft zwingendes Mittel zum Sieg.“

Pay-to-Win

Als Pay-to-win wird der Mechanismus eines Spieles bezeichnet, der es dem Spieler ermöglicht, durch das Zahlen von Geld das Spiel zu gewinnen. In solchen Spielen können sich Spieler mit Echtgeld exklusive Waffen, Zeitvorteile oder Ressourcen kaufen. Oft sind solche Funktionen verbunden mit Glücksspiel-Mechanismen. Man kauft sich dann zum Beispiel eine Kiste, in der zufällig ein Vorteil steckt.

Die Spieleratgeber NRW informieren auf ihrer Website über das geeignete Spielalter für Fortnite: „Die gesetzliche Altersfreigabe „ab 12 Jahren“ für das Gesamtprodukt Fortnite beseitigt nun endlich die vorherrschende Verwirrung und bietet sowohl Eltern als auch Heranwachsenden eine wertvolle Richtschnur.“ Wir haben auf Facebook gefragt, wie unserer Leser über das Spiel denken. Die Meinungen sind gespalten. Eine Mutter schreibt uns: „Mein Sohn ist 13 Jahre alt und spielt es schon sehr lange. Wieso soll ich es ihm verbieten?“

Andere Eltern stehen dem Videospiel deutlich kritischer gegenüber: „Es macht süchtig und es ist nur mit Waffen und so was brauchen meine Kinder nicht. Mir ist es wichtig, wenn sie die Realität zu schätzen wissen und nicht dieses Gezocke.“ Experte Christian Groß rät zu einem angemessenen Umgang: „Wir würden ganz klar raten, dass Eltern mit den Kindern klare Zeiten vereinbaren und auch gegen Widerstand oder gegen gewisses aggressives Auftreten der Kinder dabei bleiben. Hier gilt es, die Begrenzung durchzuhalten und dann eben zu sagen: Das und das war ausgemacht und darüber hinaus nicht.“ Dass Videospiele einen hohen Suchtfaktor haben, hängt mit den Denkweisen von Kindern zusammen: „Kinder sind in der Regel schon von den neuronalen Strukturen, also vom Gehirn, nicht in der Lage, sich derart kritisch zu reflektieren wie Erwachsene. Kinder sind deshalb auch nicht in der Lage, sich in einer Form selbst zu steuern wie Erwachsene.“

Mitspielen und Interesse zeigen

Für Eltern ist es ein erster Schritt, wenn sie versuchen nachzuvollziehen, was für Kinder an Videospielen so faszinierend ist. Christian Groß: „Es auf jeden Fall äußerst hilfreich und sinnvoll. Denn zu erkennen und zu verstehen, was für meinen Sohn oder meine Tochter dort so spannend ist, hilft auch zu verstehen, was in der realen Welt fehlt.“ Wenn ein Kind zum Beispiel als guter Spieler in Fortnite von Freunden anerkannt und geschätzt wird, könnte es diese Wertschätzung früher durch den Fußballverein gegeben haben.

Für Eltern gibt es einige Indikatoren, an denen festgemacht werden kann, wann ein Videospiel zum Problem wird.

Christian Groß: „Zeit ist gar kein entscheidender Faktor. Es ist als Jugendlicher auch in Ordnung, mal ein Wochenende oder eine Nacht durchzuzocken. Das darf für einen Moment auch mal exzessiv sein. Das Problem entsteht eher dann, wenn ich über einen längeren Zeitraum für das Computerspiel andere Dinge vernachlässige.“ Wenn Freunde, Sport, Schule oder Freizeit unter dem Spiel leiden, sei das Spiel zwar noch keine direkte Sucht, aber zumindest ein Problem. Der Experte empfiehl Eltern, die Probleme mit dem Medienkonsum des Kindes haben, sich Hilfe zu suchen. Erste Anlaufstellen können die Internetangebote www.schau-hin.info oder www.klicksafe.de sein.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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