Verwaltungsgericht lehnt Klage gegen Abschiebung nach Kuba ab: Lüner denkt ans Auswandern

dzProblem Touristenvisum

Damit hatten Manfred und Yaumara Stach nicht gerechnet. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen lehnte die Klage gegen die drohende Abschiebung der Ehefrau nach Kuba ab. Das Ehepaar ist ratlos.

Lünen

, 23.02.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Eilverfahren hatte der Lüner Rechtsanwalt von Manfred und Yaumara Stach beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen beantragt. Denn seit Ende des Jahres 2019 schwebt über dem Paar das Damoklesschwert einer drohenden Abschiebung der Ehefrau nach Kuba.

Im Eilverfahren verloren

„Wir haben die Klage eingereicht, ein Eilverfahren, doch wir haben verloren“, so der Jurist, der seinen Namen nicht in der Presse lesen möchte. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat sich nicht der Meinung des Anwalts angeschlossen. Er hatte in der Klageschrift die Abschiebungsandrohung und eine angedrohte Einreisesperre für zwei Jahre im Falle einer Abschiebung als „rechtswidrige“ Entscheidungen bezeichnet.

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Eine Rückreise nach Kuba der 44-jährigen Kubanerin mit Durchführung eines Visaverfahrens ist aus Sicht des Anwalts eine „außergewöhnliche Härte“. Das sahen die Gelsenkirchener Richter offenbar anders. „Ich fürchte, in einem Hauptverfahren würde es keine andere Entscheidung geben“, so der Anwalt. Wenn sich Stach, der aufgrund seines geringen Einkommens Recht auf Prozesskostenhilfe hat, dennoch für eine weitere Klage entscheiden würde, dauerte dies, so die Einschätzung des Anwalts, wohl bis zu einem Jahr.

„Ich weiß, dass ich da was falsch gemacht habe“

Dennoch könne es weiterhin sein, dass Mitarbeiter der Stadt Lünen vor der Tür des Ehepaares stehen und Yaumara Stach zum Flughafen begleiten, damit die zweifache Mutter zurück in ihre Heimat fliegt.

Das Problem ist, dass die 44-Jährige nur ein Touristenvisum hatte, als sie zu ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann nach Lünen kam. „Ich weiß, dass ich da was falsch gemacht habe, aber wir wollten doch heiraten“, sagt der 61-jährige Stach.

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Er ist genauso mit den Nerven am Ende wie seine Frau, die bei dem Gespräch mit dem Anwalt und danach zittert, nichts sagen kann. Ihr Mann befürchtet das Schlimmste, wenn sie tatsächlich zurück in ihre Heimat muss: „Was ist, wenn sie auf dem Flug zusammenbricht?“, fragt er sich.

Das Ehepaar ist bei einem Neurologen in Behandlung, hat mittlerweile auch eine Überweisung für einen Aufenthalt in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Ob sie tatsächlich dort zu Ruhe kommen, steht noch nicht fest. „Wir nehmen beide Medikamente zur Beruhigung.“

Diese gesundheitlichen Probleme will der Anwalt jetzt noch einmal als Begründung gegen eine Ausweisung anbringen.

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Stach überlegt mittlerweile, ob es Sinn machen würde, in die Heimat seiner Frau auszuwandern, hat sich schon bei seiner Versicherung ausrechnen lassen, wie viel Rente ihm zustehen würde, wenn diese nach Kuba überwiesen wird.

„Erst einmal Ruhe bewahren“, rät der Rechtsanwalt, der Stach auch schon beraten hat, als er Probleme hatte, seine inzwischen von ihm geschiedene Ehefrau aus Marokko vor einigen Jahren zu sich zu holen.

Der Anwalt meint, dass es für Stach möglicherweise wirklich besser wäre, wenn er nach Kuba auswandert. „Ich müsste alles verkaufen, das Auto, die Möbel, den Garten,“ so der gesundheitlich angeschlagene Rentner.

Ausreise aus Deutschland und Sprachzertifikat sind Pflicht

Klar ist - seine Frau braucht ein entsprechendes Visum und kann das nur bekommen, wenn sie zunächst einmal die Bundesrepublik verlässt. Das würde theoretisch auch beispielsweise in die Niederlande oder nach Polen funktionieren. Bei der jeweiligen Botschaft dort müsste Yaumara Stach ein Visum beantragen. Weiteres Problem: Die 44-Jährige hat das erforderliche A1-Sprachzertifikat nicht geschafft, wenn auch nur knapp. Nun muss sie versuchen, die Prüfung erneut zu absolvieren. Aber auch das kostet Geld, das der Rentner nicht hat.

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