Ordnungskräfte sind nicht nur im Rahmen von Schwerpunktkontrollen wie hier am Busbahnhof Lünen unterwegs. Manche schellen auch an der Tür, um die Quarantänepflicht zu kontrollieren. © Goldstein
Coronavirus in Lünen

Verstöße gegen Quarantäne-Anordnung sind in Lünen selten, aber teuer

Wer sich mit Corona angesteckt hat, ohne schwere Symptome zu bekommen, muss zuhause bleiben: Quarantänepflicht. Gibt es in Lünen Kandidaten für eine Zwangseinweisung wie in Baden-Württemberg?

Uneinsichtige Quarantäneverweigerer lässt das Land Baden-Württemberg seit Montag (25. Januar) in zwei Kliniken in Stuttgart und Heidelberg zwangseinweisen. Der erste musste dort schon ein Zimmer beziehen – kontrolliert von einem Wachdienst. In NRW gibt es so ein Vorgehen noch nicht. Wenn es nach den Erfahrungen in Lünen ginge, wäre es auch gar nicht nötig.

Die Sache mit der Quarantäne klärt die seit Dezember gültige Quarantäneverordnung NRW. Menschen mit einer nachgewiesenen Infektion müssen automatisch für zehn Tage ab der Testung in Quarantäne. Das Ausgehverbot beginnt direkt mit Erhalt des Testergebnisses. Voraussetzung für ein Ende der Quarantäne nach zehn Tagen ist es, dass der oder die Betroffene mindestens 48 Stunden vor Ablauf dieser Zeit keine Krankheitssymptome mehr hat.

Wer alles mit in die Quarantäne muss

Personen, die im gleichen Haushalt leben wie infizierte Personen müssen ebenfalls direkt und automatisch in Quarantäne – sogar 14 Tage lang. Diese Phase lässt sich aber auch auf zehn Tage mit einem negativen Test verkürzen. Nicht nur die Angehörigen in den eigenen vier Wänden sind von der Quarantäne-Pflicht betroffen, sondern auch weitere Kontaktpersonen: Menschen, die mindestens einen 15-minütigen engeren Kontakt – zum Beispiel ein Gespräch ohne Alltagsmasken – mit dem oder der Infizierten hatten oder sich mit der Person längere Zeit in einem schlecht oder nicht belüfteten Raum aufhielten.

So einfach diese Anordnung durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales auch ist, so schwierig erscheint manchen die Umsetzung – wenn der Kühlschrank etwa leer ist und eine wichtige Erledigung noch aussteht. Aber das hilft alles nichts. Die Betroffenen müssen sich absondern, um niemanden anzustecken. In Lünen waren zum Stichtag 22. Januar 455 Menschen davon betroffen. Das sind vergleichsweise wenige.

455 Lünerinnen und Lüner sind aktuell in Quarantäne

Eine Woche (15.1.) zuvor belief sich die Zahl noch auf 581, am 8. Januar auf 488. Noch deutlicher fällt der Vergleich aus zum 25. Dezember: Den ersten Weihnachtstag mussten 708 Menschen aus Lünen zwangsweise zu Hause verbringen. Einen Monat zuvor (27.11.) lag die Zahl der Quarantäne-Pflichtigen bei 1.433, am 13. Oktober sogar bei 1.600. „Die Situation entspannt sich im Augenblick“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt, der die Zahlen herausgesucht hat.

Mit der Quarantänekontrolle in Lünen befassen sich zurzeit acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind es auch, die Quarantänebescheide an der Haustür verteilen. Dabei erfolgt gleich die erste Kontrolle: „Die Quarantänebescheide werden persönlich durch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugestellt“, sagt Spangardt. Weil die Quarantänepflicht schon vorher gilt, müssten sie die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt auch bereits zu Hause antreffen. Wenn nicht, wäre das ein erster Anhaltspunkt für einen Verstoß – und ein Ordnungswidrigkeitenverfahren. Das ist keine Kleinigkeit.

2000 Euro müssen Erwachsene bei Verstößen zahlen

Erwachsene müssen bei einem solchen Verstoß tief in die Tasche greifen: 2000 Euro werden fällig bei einem Verstoß gegen die Quarantänepflicht. Wer jünger ist, muss immerhin noch 250 Euro zahlen. 16 solcher Verfahren hat die Stadt seit Beginn der Pandemie auf den Weg gebracht. „Davon wurden 11 Verfahren nach Aufklärung im Rahmen des vorgeschriebene Anhörungsverfahrens wieder eingestellt“, sagt Spangardt: „Die Akzeptanz für die Quarantäneanordnung ist nach unseren Erfahrungen bisher groß“ – anders als offenbar in manchen Landstrichen von Baden-Württemberg.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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