Vor Weihnachten klingeln die Kassen im Einzelhandel. Aber nicht bei allen: Ein Geschäft hat nicht viel von dem Weihnachtsgeschäft. Die Besitzerin will kämpfen.

Lünen

, 20.12.2018, 06:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für viele Einzelhändler in der Lüner Innenstadt lief das Weihnachtsgeschäft richtig gut. Einige Verkäufer berichteten, die Kunden würden wieder mehr in den Städten einkaufen und weniger im Internet. Die Beratung vor Ort würde in den Mittelpunkt rücken.

Auf Beratung setzt auch Gabriele Eickhoff-Feller (52), das nützt ihr aber nichts. Denn die Laufkundschaft bleibt aus. Zwar ist ihr Geschäft „Mal was anderes“ in zentraler Lage der City, aber eben 15 Meter von der Langen Straße entfernt. Ein schmaler unauffälliger Gang zwischen der Eisdiele Casa del Gelato und der Adler Apotheke führt zu dem Dekorations- und Feinkostgeschäft in der Kirchstraße. „Nicht viele Kunden verirren sich in diesen Teil der Innenstadt“, sagt die Besitzerin. Das würde vor allem daran liegen, dass ihr untersagt wurde einen sogenannten Kundenstopper in der Langen Straße aufzustellen.

Vor über einem Jahr eröffnete Eickhoff-Feller das Geschäft. Letztes Jahr lief das Weihnachtsgeschäft gut. „Da hatte ich noch ein Schild in der Fußgängerzone stehen.“ Jetzt darf sie das nicht mehr, und das schlägt sich deutlich in ihren Verkaufszahlen nieder. „Dieses Jahr muss ich 50 Prozent Einbußen im Weihnachtsgeschäft verzeichnen.“

Mit dem Bürgermeister gesprochen

Eine Zeit lang konnte sie ein Hinweisschild auf der gepachteten Fläche der Eisdiele aufstellen, aber auch das wurde ihr untersagt. „Die Stadt sagte mir, die Geschäfte dürften nicht füreinander werben.“

Bereits im November hat sie gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten in der Bürgersprechstunde mit dem Bürgermeister über das Thema gesprochen. Konkrete Lösungsvorschläge gibt es nicht.

Das Weihnachtsgeschäft brummt - nur leider nicht bei allen

In der Parallelstraße zur Lange Straße findet man das Geschäft „Mal was anderes“. © Maiwald

„Die Stadtverwaltung kümmert sich momentan um das Thema Werbung für die 1B-Lage“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Wo und ob Werbemittel in der Innenstadt eingesetzt werden dürfen, ist in der „Werbesatzung Innenstadt“ und in den „Gestaltungsleitlinien für Gebäude, Werbeanlagen und Freiflächen im Stadtkern von Lünen“ festgelegt. Derzeit wird geprüft, was in diesem Rahmen möglich ist und, ob der Rahmen geändert werden kann. Der Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns selbst schreibt in seiner Kolumne „Auf ein Wort“ zu dem Thema Kundenstopper: „Mit strengen Reglementierungen allein kommen wir nicht weiter. Auch hier gilt: In den Dialog eintreten - und dann schauen, was vernünftig und machbar ist. Im Sinne der Händler und der Passanten.“ Außerdem weist er darauf hin, dass die Aufsteller besonders für Blinde und Sehbehinderte den Einkaufsbummel zum gefährlichen Hürdenlauf machen würden.

Vernachlässigt von der Stadt

Aber nicht nur das Werbeverbot sei frustrierend, generell fühlt sich die 52-Jährige in der 1B-Lage der City von der Stadt vernachlässigt. „Hier wird nichts gemacht. Es baumeln drei defekte Lichterketten vor sich hin und niemand kümmert sich darum.“

Auf Anfrage der Redaktion wurde eine Beschwerde an das Kulturbüro weitergeleitet. Die Lichterketten sollen nun geprüft werden.

Eickhoff-Feller will dafür kämpfen, dass die Nebenstraßen der Innenstadt attraktiver werden. Weil die Stadt sich nicht kümmere, hat sie selbst zwei große Blumenkübel angeschafft und schleppt sie jeden Tag in die kleine Gasse und am Abend wieder zurück. So will sie Kunden auf ihr Geschäft aufmerksam machen.

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