Veganer Imbiss an der Münsterstraße „wegen Corona“ weiter geschlossen

dzGastronomie

Auch wenn ein Zettel eine baldige Wiedereröffnung verspricht, sobald Corona es zulässt: Das einzige rein vegane Restaurant Lünen scheint geschlossen. Eine Spurensuche.

Lünen

, 14.10.2020, 12:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das kulinarische Angebot in Lünen ist recht groß: Italienisch, griechisch, regional, lateinamerikanisch. Besonders Fleischesser kommen vielerorts und in allen Preiskategorien auf ihre Kosten. Vegane Speisen waren jedoch eine echte Ausnahme in der Lippestadt.

Als Erhan Tutar sein „C & O vegan“ im Februar 2017 an der Münsterstraße eröffnete, traf er damit auf eine Marktlücke. Cigköfte, Manti und Suppen bot der gebürtige Türke an. Auch einen Partyservice sollte es geben. Diese Redaktion berichtete damals über die Neueröffnung.

Doch jetzt im Oktober 2020 - gut dreieinhalb Jahre später - hängt ein Zettel in der Tür: „Aufgrund der Corona Epidemie ist mein Geschäft derzeit geschlossen. Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich wieder für Sie da sein kann.“ Der überwiegende Teil der Imbisse und Restaurants öffnete jedoch nach den corona-bedingten Einschränkungen bereits im Mai wieder seine Türen. Der vegane Imbiss an der Münsterstraße ist nach wie vor geschlossen, die Glasfassade verhangen.

Kunden aus Essen und Wuppertal

Am Telefon stellt Erhan Tutar klar: „Ich habe den Imbiss vor anderthalb Jahren weiter veräußert.“ Auch eine andere Spur führt ins Leere: Naci Toklu, ein Herner Metzgereibesitzer, dessen Visitenkarte im Schaufenster hängt, gibt an, nicht der Betreiber eines Lüner Imbisses zu sein. Schließlich bringt der Besuch bei den Vermietern des Ladenlokals Aufschluss: „Der letzte Besitzer ist seit drei Monaten raus“, berichtet Erkan Sari und gibt Auskunft, wo der zu finden sei.

Ramazan Yikilamaz, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Ladenlokal lebt, kaufte Erhan Tutar die Ladeneinrichtung ab und betrieb den Imbiss mit anatolischem, nicht ausschließlich veganem, Essen weiter. „Das war etwas absolut Einzigartiges“, erzählt der 35-Jährige. „Das war alles hausgemacht und wir hatten auch einen Partyservice. Die Kunden kamen sogar aus Essen und Wuppertal. Das Essen ist richtig gut angekommen.“

Eröffnungsdatum ungewiss
Ramazan Yikilmaz (35) ist auf der Münsterstraße zu Hause. Heute arbeitet er wieder als Angestellter in dem Imbiss, über dem er wohnt.

Ramazan Yikilmaz (35) ist auf der Münsterstraße zu Hause. Heute arbeitet er wieder als Angestellter in dem Imbiss, über dem er wohnt. © Gerstenmaier


Trotzdem entschloss er sich im April, den Laden aufzugeben. „Das war keine Entscheidung von heute auf morgen, ich habe sechs Monate lang überlegt“, erzählt er. Doch seine Frau sei hochschwanger. Corona habe ihm dann die Entscheidung erleichtert. Heute arbeitet er als Angestellter in einem anderen Imbiss.

Es gebe bereits einen neuen Besitzer, weiß Erkan Sari, dessen Vater das Ladenlokal vermietet, der neue Besitzer renoviere zur Zeit. Über die Art der angebotenen Speisen kann er allerdings nichts sagen; nur dass es auf keinen Fall vegan sei. Für diese Redaktion war der neue Betreiber nicht zu sprechen. Auch ein Eröffnungsdatum gab er nicht preis. Fest steht nur: Ein rein veganer Imbiss dürfte für Lünen zunächst einmal Geschichte sein.

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