Thomas Langer hängt mit seinen Anträgen in der Bearbeitungsschleife der Behörden - und das kostet ihn Geld, Unterstützung und Nerven. © Langer
Finanzhilfen

Vater aus Lünen hat Geldprobleme, weil Antragsbearbeitung lange dauert

Thomas Langer arbeitet, doch der Lohn reicht nicht zum Leben. Regelmäßig muss der 44-Jährige Wohngeld und Kindergeldzuschlag beantragen - und genau das hat für ihn und seine Familie Konsequenzen.

Thomas Langer hat einen Job. Er ist bei der Arbeitsloseninitiative angestellt und arbeitet als Stadtservicekraft. Er gehört zu den Männern und Frauen, die mit roten Kappen auf dem Kopf durch die Stadt laufen und für Sauberkeit und Ordnung sorgen. Jeden Monat bringt er dafür 1300 Euro nach Hause. Ein Einkommen, das für ihn allein ausreicht, nicht aber auch für seine Frau und die drei Kinder.

Hilfe für Familien mit kleinem Einkommen

Thomas Langer nutzt daher die Möglichkeiten staatlicher Hilfe. Er beantragt Wohngeld, um bei den Mietzahlungen entlastet zu werden, und er stellt regelmäßig einen Antrag auf Kindergeldzuschlag. „Der Kinderzuschlag ist eine Leistung für Familien mit kleinem Einkommen. Den Kinderzuschlag können Eltern nur bekommen, wenn sie genug für sich selbst verdienen, aber das Einkommen nicht oder nur knapp für ihre gesamte Familie reicht“, heißt es auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit. Das trifft auf Thomas Langer zu.

Der Antrag auf Kinderzuschlag muss jedoch gesondert bei der Familienkasse, die zur Bundesagentur für Arbeit gehört, gestellt werden. In der Regel erhalten die Antragsteller den Kinderzuschlag dann für sechs Monate. Ist der Bewilligungszeitraum abgelaufen, muss der Kinderzuschlag neu beantragt werden.

Mehrfach hat Thomas Langer das schon getan – und jedes Mal mit Erfolg. Doch über eine Sache ärgert sich der Familienvater kolossal: Die Dauer der jeweiligen Antragsbearbeitung.

Behördenmarathon in der Endlosschleife

„Maximal vier Wochen vor Ablauf des Bewilligungszeitraums kann ich den neuen Antrag auf Kinderzuschlag stellen“, erklärt er. Dafür brauche ich aber die aktuelle Verdienstbescheinigung. Die bekomme ich erst zur Monatsmitte.“ Sind die Unterlagen dann endlich auf dem Weg, muss er warten. Das dauert. Das gesteht auch die Familienkasse auf ihrer Homepage zu: „Wenn Sie nach sechs Wochen noch nichts von uns gehört haben, können Sie telefonisch nach dem Stand der Bearbeitung fragen“, heißt es dort.

Da hilft es Betroffenen auch nicht wirklich, wenn es zudem heißt: „Sobald uns Ihr Antrag vorliegt, überprüfen wir Ihre Angaben und Unterlagen. Wenn etwas fehlt, zum Beispiel ein bestimmter Nachweis, melden wir uns bei Ihnen“, oder „Die Bearbeitungszeit ändert nichts am Zeitraum, für den Sie Kinderzuschlag bekommen. Ausstehende Beträge erhalten Sie zum nächstmöglichen Termin.“

Schuldenfalle durch Bearbeitungsschleife

Diese rückwirkende Zahlung ändere nichts an der Tatsache, dass er bis dahin nicht wisse, wie er über die Runden kommen solle, erklärt Thomas Langer. „Ich habe drei Kinder, ich habe Kosten, ich habe laufende Kreditzahlungen. Ich kann dann die Raten für Einkäufe nicht pünktlich zahlen – und die Ware bekomme ich auch nicht, weil die fälligen Raten nicht beglichen wurden.“ Und das ärgert ihn maßlos: „Ich gehe arbeiten, ich stelle alle Anträge fristgerecht, ich schicke sie per Einschreiben los, um das auch nachweisen zu können. Es ist doch dann nicht meine Schuld, dass ich zu wenig Geld habe, weil auch die Wohngeldstelle erst dann tätig wird, wenn die Familienkasse den Bescheid geschickt hat.“

Das kann im Einzelfall tatsächlich so sein, bestätigt Benedikt Spangardt, Sprecher der Stadt Lünen, wo die Wohngeldstelle ansässig ist. „Je nach der Höhe des Einkommens kann Wohngeld vorläufig bewilligt und der Bescheid über den Kindergeldzuschlag nachgereicht werden. Ist noch unklar, ob das Familieneinkommen mit dem Kindergeldzuschlag ausreichend ist oder doch Grundsicherung nach dem SGB II beantragt werden muss, ist die Vorlage des Bescheides über den Kindergeldzuschlag für die Bearbeitung des Wohngeldes erforderlich.“ Durchschnittlich, so erklärt Spangardt, liege die Bearbeitungszeit der Anträge zwischen ein und drei Monaten.

Spangardt hat deshalb einen Tipp: „Um finanzielle Engpässe zu verhindern bzw. zu verringern, wird empfohlen, Wohngeld und Kinderzuschlag zeitgleich und zeitnah zu beantragen. Um eine fortlaufende Wohngeldzahlung zu ermöglichen, sollte ein Weiterleistungsantrag zwei Monate vor Ablauf des Bewilligungszeitraumes gestellt werden.“ Soweit dies möglich ist, macht Thomas Langer dies bereits, und hängt doch wieder in der Bearbeitungsschleife. Glücklicherweise half ihm dieses Mal sein Arbeitgeber mit einem kurzfristigen Kredit, den er zurückzahlen kann, sobald die Zahlungen wieder laufen. „Aber das ist doch ein Teufelskreis“, sagt Langer. „Man muss doch an dem System etwas ändern.“

Folgen sind erheblich

Denn schon jetzt kann er sagen, dass das erneute Warten Folgen hat: „Das Sozialticket, das unsere Kinder für den Bus nutzen, musste bis 15. Februar beantragt werden. Da ich die nötigen Bescheide nicht habe, gibt es für März kein Sozialticket. Ich mache nichts falsch – aber werde finanziell komplett ruiniert“, sagt Langer, der auch ganz bewusst mit vollem Namen in diesem Artikel in Erscheinung treten möchte. „Man muss doch mal aufzeigen, wie das System ist. Und das war auch schon vor Corona so.“

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