Vandalismus in Lünen: Karussellfahrzeug landet in der Lippe

dzAn der Fußgängerbrücke

Unbekannte haben in der Nacht zu Montag (3.8.) ein Kinderkarussell-Fahrzeug aus der Verankerung gerissen und in die Lippe geworfen. Die Schausteller bleiben auf dem Schaden sitzen.

Lünen

, 03.08.2020, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich war alles normal, wenn man in dieser Zeit davon sprechen kann: „Die Kollegen haben Sonntagabend ihr Fahrgeschäft abgeschlossen, da war alles in Ordnung“, schildert Ricardo Arens, Sprecher des Schaustellervereins Rote Erde, die Situation am Kinderkarussell „Summer in the City“. Das Fahrgeschäft ist eines von mehreren Attraktionen, die quasi als Ersatz für die ausgefallenen Volksfeste (Himmelfahrtskirmes und Lünsche Mess) den Schaustellern zumindest kleinere Einnahmen sichern sollen.

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Das Karussell steht seit zwei Wochen am Alten Markt. „Am nächsten Morgen haben sich die Kollegen dann ganz normal einen Kaffee geholt und wollten das Geschäft starten - da fiel ihnen auf, dass ein Fahrzeug fehlte.“ Eine Situation, mit der man nicht unbedingt rechnet. „Gerade jetzt, wo es kaum Einnahmen für die Schausteller gibt, ist so etwas natürlich eine Vollkatastrophe.“

Kollegen machten sich auf die Suche

Die Karussellbetreiber riefen die Polizei und informierten den Verein Rote Erde, der die Kirmes-Alternative in Lünen organisiert. „Die Kollegen, die derzeit vor Ort sind, haben dann gemeinsam in der Stadt gesucht“, so Ricardo Arens. „Schließlich haben wir das Fahrzeug gefunden - in der Lippe, direkt unter der Fußgängerbrücke an der Langen Straße.“

Das Kirmesfahrzeug liegt unterhalb der Brücke in der Lippe.

Das Kirmesfahrzeug liegt unterhalb der Brücke in der Lippe. © Daniel Claeßen

Für den Schaustellersprecher ist die Sache klar: „Das war ein Dumme-Jungen-Streich.“ Allerdings wird dieser Streich gravierende Folgen haben. Denn der Karussellbetreiber wird die Reparatur nicht zahlen können: „Die Schausteller haben schließlich kaum Einnahmen.“ Ricardo Arens schätzt den Schaden auf 1000 Euro. „Für jemanden, der gerade nach Monaten mal 600 Euro eingenommen hat, ist das ziemlich viel Geld.“

Deshalb sei ihm auch nicht zum Lachen zumute gewesen, als er von dem Vorfall erfahren habe, erklärt Arens: „Es ist ja nicht so, dass der Schausteller Anspruch auf Grundsicherung oder Hartz IV hätte. Wenn kein Geld reinkommt, ist kein Geld da.“ Erschwerend komme hinzu, dass Karussells selten gegen Vandalismus versichert sind: „Da sagen die Versicherungen schnell, dass das zu teuer wird.“ Denn leider käme Vandalismus - wenn auch nicht immer in dieser ausgeprägten Form - häufiger vor.

Schausteller wollen Auto bergen

Wenn dann noch die Corona-Krise hinzukommt, sei ein solcher Fall schlichtweg ärgerlich. „Derzeit sind die Schausteller ja schon zufrieden, wenn sie 100 Euro am Tag einnehmen.“ Trotz dieser prekären Umstände kann der Schaustellersprecher der Situation noch etwas Gutes abgewinnen: „Das Auto ist noch da, wir werden es heute Abend bergen und dann kann man sehen, was zu retten ist.“ In Lünen wird das Fahrgeschäft jedoch in dieser Woche mit einer Lücke unterwegs sein - danach ist ohnehin Schluss: „Dann sind drei Wochen rum, und dann wechseln die Kollegen, so dass auch noch andere Schausteller die Chance haben, etwas einzunehmen.“

Im Kinderkarussell am Alten Markt klafft eine Lücke.

Im Kinderkarussell am Alten Markt klafft eine Lücke. © Claeßen

Wechsel der Schausteller am Montag

Grundsätzlich sei man mit dem Projekt in Lünen sehr zufrieden - immer mit der Einschränkung, dass es sich hier um den berühmten Tropfen auf den heißen Stein handelt. „Die Bevölkerung in Lünen nimmt das Angebot gut an und zeigt sich sogar dankbar, dass wir da sind“, sagt Ricardo Arens. „Einige kommen extra in die Stadt, um Karussell zu fahren oder eine Currywurst zu essen.“ Dabei zeigten sich die Lüner auch spendabel, was das Trinkgeld angeht: „Die Menschen haben verstanden, wie es um unsere Branche steht. Das haben wir in dieser Form noch bei keinem anderen Projekt erlebt.“

Ob es nach der zweiten Phase, die ab Montag ebenfalls drei Wochen dauern wird, noch weitere Wechsel gibt, kann Arens jetzt noch nicht sagen: „Wir wissen ja noch nicht, was auf uns zukommt - und wie lange wir auf Volksfeste verzichten müssen.“

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