Urlaub im Süden kostenlos genießen: Im Südpark ist das möglich

dzFreizeit-Tipp in Lünen

In den Süden reisen? Das fällt für viele im Corona-Sommer aus. Gegen einen Spaziergang im Süden spricht dagegen nichts. Im Gegenteil: Der Südpark in Lünen-Süd ist ein echter Ausflugstipp.

Lünen-Süd

, 16.07.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Große Hinweisschilder auf den Süd-Park suchen Ortsunkundige vergebens. Das ist nicht nur ein Nachteil. Denn wer Passanten in der Bergbausiedlung in Lünen-Süd, in diesem Fall auf der Wagnerstraße, anspricht, bekommt nicht nur eine kumpelhafte Wegbeschreibung - „hier kannste gleich parken, und hinten geht’s dann links rein“ -, sondern auch noch Bestätigung: „Das lohnt sich echt.“

Ein kleines Pättken führt an Gärten und Hinterhöfen vorbei. Wer sich gerade noch mitten in der Kolonie glaubte, steht plötzlich mitten im Wald: Vor allem hohe Buchen recken sich in die Höhe, aber auch einige Eichen und Ahorn-Bäume. Später werden sich noch Obst- und Walnussbäume, Esskastanien und Meter hohe Rhododendren-Büsche dazu gesellen. Und sogar ein mächtiger Mammutbaum.

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Unterwegs im Südpark in Lünen-Süd

Der Südpark in Lünen-Süd ist ein echter Ausflugstipp - nicht nur für die Ferien und für die Zeit, in der die Urlaubsreise in den Süden ausfallen muss.
14.07.2020
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in den 1920er-Jahren stand hier, im Bereich Wagnerstraße, ein Kassenhäuschen. Der Parkbesuch war günstig, aber nicht kostenlos wie heute. © Sylvia vom Hofe
An die Bergbauvergangenheit erinnert die Lore am Wegesrand. Der Park diente einst der Erholung der körperlich schwer arbeitenden Bergleute. © Sylvia vom Hofe
Der Waldgeist blickt auf die Besucher hinab: eine Schnitzarbeit von Guido Wagner. © Sylvia vom Hofe
Idyllisches Motiv: die Kanada-Gänse zwischen Teich und Bachlauf. © Sylvia vom Hofe
Der leidenschaftliche Fotograf Kai Klapper, ein gebürtiger Lünen-Süder, ist Stammgast im Park.© Sylvia vom Hofe
Naturbeobachtungen - hier zwei Kanada-Gänse - sind überall möglich. © Sylvia vom Hofe
Wer sich für den Park einsetzt und die Arbeit des Freundeskreises Südpark unterstützt, ist hier nachzulesen. © Sylvia vom Hofe
Rasen betreten erlaubt und erwünscht! Dass zum Parkbesuch das Spielen und Toben gehört, stand schon seit der Parkgründung 1923 fest. © Sylvia vom Hofe
Tafeln informieren kurzweilig über Tiere und ihre Gewohnheiten. © Sylvia vom Hofe
Nicht alle auf den Tafeln aufgeführten Tiere sind auch Bewohner des Parks. © Sylvia vom Hofe
Der große Spielplatz im Grünen ist ein beliebtes Ziel für Familien. © Sylvia vom Hofe
Blüten erkennen und bestimmen ist das eine, sich an ihnen erfreuen und nicht sattsehen wollen das andere. © Sylvia vom Hofe
Einer der Mammutbäume im Park: ein Hingucker. © Sylvia vom Hofe
Der mächtige Stamm des exotisch anmutenden Mammutbaums führt in die Höhe. © Sylvia vom Hofe
Nicht nur die Freude am Hier und Jetzt spiegelt sich im Parkbesuch, sondern auch die Erinnerung an die Opfer von Gewalt, Krieg und Terror. © Sylvia vom Hofe
Eine ungewöhnliche Bank. Der alte Baumstamm bietet eine breite und bequeme Sitzfläche. © Sylvia vom Hofe
Der Reiher lässt sich nicht aus der Ruhe bringen beim Fischen. © Sylvia vom Hofe
Farbenpracht in den Beeten. © Sylvia vom Hofe
Die fleißigen Park-Freunde haben hier ihren Vereinssitz. © Sylvia vom Hofe
Familie Gönülcalan genießt den Ausflug in den Südpark.© Sylvia vom Hofe

Nach wenigen Schritten wird es gleich kühler. Und ruhiger. Der Straßenlärm, das Röhren der Laubbläser und das Stimmengewirr von der kleinen Grillfeier - alles tritt in den Hintergrund. Dafür zwitschern Vögel. Die kleinen Sänger sind in den tiefgrünen Laubkronen nicht auszumachen. Andere Vögel posieren dagegen bereitwillig für die neugierigen Betrachter und, recken ihren schwarzen Hals in die Höhe - ohne einen Pieps.

Überraschende Entdeckung nicht nur für Familie aus Eving

Der wäre auch gerade kaum zu hören. So vergnügt ruft der kleine Yusuf und winkt so stürmisch, wie es ein 15 Monate alter Junge nur kann. Der Graureiher auf dem Teich lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Seine Eltern umso mehr. Sie strahlen. Dass der Ausflug so schön werden würde, haben sie sich nicht gedacht. „Ich bin zwar als Junge in Lünen zu Schule gegangen“, sagt Yunus Gönülcalan aus Dortmund-Eving. Im Südpark sei er aber nie gewesen. Freunde hätten den Tipp gegeben - allein schon wegen des großen Spielplatzes. „Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken“, sagt Yusufs Mutter Burcin.

Der Südpark liegt im Lüner Stadtteil Lünen-Süd zwischen Wagnerstraße und Derner Straße im Osten und Jägerstraße im Westen.

Eine Entdeckung, an der sich nicht nur Kinder nicht sattsehen können: der übermenschlich große Waldgeist am Ufer des Teichs. Er lächelt durch seinen Riesenbart. Guido Wagner hatte das Kunstwerk 2019 mit seiner Kettensäge geschaffen. Und gleich dazu eine einladende Bank.

Tafeln informieren über Wolf, Wespe und Co.

Menschen prägen und pflegen den Park. Das ist auf jedem Schritt durch das 16 Hektar große Gelände zu erkennen. Bunte Tafeln informieren über die Tiere des Waldes - sogar über die, die sich nicht nach Lünen-Süd vorwagen wie der Wolf. Andere finden dagegen sogar ein eigenes Hotel im Park: Mauerbienen, Schlupfwespen und Zebraspringspinnen haben sich in den Nischen und Löchern der hier gebauten Nist- und Überwinterungshilfen gut eingerichtet.

„Die Südpark-Freunde halten hier alles so toll in Schuss“, sagt Kai Klapper. Er hat seine Fotoausrüstung dabei. Wieder einmal. Bessere Motive als im Südpark könne er sich der gar nicht wünschen: egal, ob er Menschen porträtiert vor schönem Hintergrund oder ob er die facettenreiche Natur allein ins Bild rückt.

Ehrenamtliches Engagement prägt den Park

Der inzwischen auf mehr als 200 Mitglieder gewachsene Freundeskreis Südpark e. V. war 2006 entstanden - aus einem Schock heraus, wie auf den Infowänden nahe des Vereinsheims am Teich nachzulesen ist. Die Stadt hatte damals angekündigt, den Park aufgeben zu wollen. Angesicht zahlreicher Sparmaßnahmen war das Gelände bereits verfallen. Die Lünen-Süder beließen es nicht beim Protest, sie krempelten die Ärmel hoch, schufteten und schufen aus dem verwilderten Flächen ein einzigartiges Naherholungsgebiet.

1923 geschaffen als Erholungsort für die Kumpels

Als solches war der Park 1923 geschaffen worden: ein Volkspark für die Kumpels, die auf den Zechen Preußen 1 und 2 in Gahmen und Horstmar arbeiteten, und später auf Gneisenau in Derne. In einer Zeit, als Urlaub noch ein Fremdwort war, sollten sich die Familie dort erholen. So wie jetzt wieder.

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