Urheberrecht und Gebühren: Gar nicht so einfach, den Durchblick zu behalten

dzMeinung am Mittwoch

In „Meinung am Mittwoch“ haben Gastautoren das Wort. Sie beleuchten Themen, die ihnen wichtig sind. Heute schreibt Bob Michaels über seine Erfahrung mit dem Urheberrecht.

von Bob Michaels

Lünen

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wir alle kennen sie oder haben zumindest schon einmal davon gehört: Verwertungsgesellschaften. Dabei handelt es sich um Einrichtungen, welche, grob umrissen, Urheberrechte treuhänderisch wahrnehmen sollen. Doch wie transparent ist das Ganze?

Trotz aller Bemühungen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, scheiterte ich beispielsweise bereits an den Erklärungen der GEMA, die kompliziert und mit unfassbar vielen Fußnoten versehen sind – und auf telefonische Anfrage wollte man mir partout keine Auskunft geben.

Nachvollziehbar bei Musik

Dennoch, bei Musik ist das Ganze vielleicht noch nachvollziehbar – irgendjemand (außer ich natürlich!) spielt „You’re my heart, you’re my soul“ – und Herr Bohlen hat mal wieder ein paar Euro mehr auf dem prallen Bankkonto. Spannend ist aber, dass immer die, im übrigen vom BGH bestätigte, „GEMA-Vermutung“ gilt – man muss immer (wirklich immer!) belegen, dass man eben nicht besagten Titel gespielt hat – sonst bekommt Superstar-Dieter trotzdem Kohle aufs Konto.

Urheberrecht und Gebühren: Gar nicht so einfach, den Durchblick zu behalten

Bob Michaels. © Michaels

Bob Michaels ist Gastronom.

Der Fairness halber sollte jedoch erwähnt sein, dass dieses System natürlich auch auf andere Titel und Künstler angewandt wird.

Auch Smartphones und Computer betroffen

Doch was die Wenigsten wissen: Auch USB-Sticks, Smartphones, Computer, Festplatten, Drucker, etc. werden mit einer so genannten Urheberrechtsabgabe bzw. Pauschalabgabe belegt. So sind für einen USB-Stick mit einer Speicherkapazität über 4 Gigabyte 1,56 Euro fällig und für ein Smartphone satte 6,25 Euro. Wir Verbraucher merken es nur anhand der Endpreise, da die Einforderung bei den Geräteherstellern und Importeuren über die ZPÜ, die VG Wort und die VG Bild-Kunst erfolgt. Diese teilen die Einnahmen dann unter den Verwertungsgesellschaften (wie die GEMA) auf, welche diese irgendwie an ihre Mitglieder weiterleiten – wer wieviel bekommt und wie das Ganze verteilt wird, ist allerdings ein großes Geheimnis.

Pauschalabgabe stützt sich auf Vermutung

Wiederrum interessant ist, dass sich wohl auch diese Pauschalabgabe auf jedwede Vermutung stützt, denn selbst wenn ein Fotograf einem Brautpaar ein paar schicke Fotos auf einem USB-Stick gibt, ist das Ganze fällig. Das Brautpaar könnte den Stick ja löschen und anderweitig nutzen.

Sie sehen, werte Leserin und werter Leser, allein schon dieser große Umriss zeigt auf, dass man mit (Zwangs-) Abgaben, die einer bloßen Vermutung entsprechen, ein hübsches Sümmchen verdienen kann ohne eine echte Gegenleistung zu erbringen. Es ist eben das Geschäft mit dem Urheberrecht...

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