„Unterhalb der Gürtellinie“: Schüler enttäuscht vom Wahlkampf in Lünen

dzKommunalwahl 2020

Vier Erstwähler kritisieren den Wahlkampf in Lünen. Sie sprechen von Angriffen unter der Gürtellinie, Verdrehung von Tatsachen und der Verbreitung von Gerüchten. Sie formulieren einen Appell.

Lünen

, 24.09.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Kommunalwahl durften in Lünen 3920 Jugendliche und junge Erwachsene ihre Stimme abgeben. Manche von ihnen zeigen sich vom Wahlkampf enttäuscht. Das liegt vor allem an dem persönlichen Verhalten einzelner Bürgermeisterkandidaten und ihrem Umfeld.

Stellungnahme von Schülern zeigt Enttäuschung

Unter dem Titel „Fairer Wahlkampf? Fehlanzeige!“ erreichte unsere Redaktion eine Stellungnahme von Lüner Erstwählern.

Darin äußern die Schüler Lina Eichler (Geschwister-Scholl-Gesamtschule), Ruth Kirschbaum und Leonhard Kaiser (beide Gymnasium Altünen) sowie Jan Fomrath (Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) ihren Unmut über die Art des Wahlkampfes in Lünen: „Es ist abschreckend was der Wahlkampf mit manchen Menschen macht – Menschen, denen wir unsere Stimmen und damit unser Vertrauen schenken sollen“, heißt es in dem Schreiben.

Der Auslöser für diese Feststellung: „Personenbezogene Angriffe unterhalb der Gürtellinie, Verdrehung von Tatsachen und die Verbreitung von Gerüchten“. So etwas habe ihrem Verständnis nach nichts in einem Wahlkampf verloren.

„In unserer Vorstellung von Demokratie geht es um Inhalte und um ein respektvolles – wenn auch durchaus kontroverses – Miteinander.“

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Vor allem den jungen Wählern sollten die Politiker ein Vorbild sein und zeigen, wie ein erwachsener Diskurs aussehe. „Was wir erleben, ist allerdings alles andere als erwachsen“, stellten die Schüler fest.

Der Bürgermeister und die AfD

Ruth Kirschbaum, sehr aktiv in der Lüner Fridays-for-Future-Bewegung, erklärt den Frust des Schreibens: „Wir waren erschrocken, dass es nicht nur um Inhalte ging, sondern auch darum, den Kontrahenten schlecht zu reden“, so die 17-Jährige.

Die Ziele und Motivationen der Politiker zu erfahren, sei den jungen Wählern jedoch viel wichtiger.

Das Fass zum Überlaufen brachte laut Kirschbaum die Behauptung angeblicher Sympathien von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns mit der AfD. Der erklärte auf einer Podiumsdiskussion der Ruhr Nachrichten, dass er als Bürgermeister die Zusammenarbeit mit einzelnen Ratsmitgliedern nicht ausschließen könne.

„Schlicht und einfach, weil er es nicht darf“, klären die Schüler in der Stellungnahme auf. „Als Bürgermeister muss er die Chancengleichheit aller gewählten Parteien wahren.“

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Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns habe durch seine Teilnahme an mehreren Demonstrationen gegen Rechts seine persönliche Position in den Augen der vier Schüler deutlich gemacht und so das Sympathie-Gerücht entkräftet.

„Umso erschreckender ist es, dass an den Schulen entsprechende Aussagen nicht mehr hinterfragt, sondern trotz mehrfacher Richtigstellung einfach geglaubt und weiterverbreitet werden“, wird in der Stellungnahme kritisiert.

Verhalten hatte Einfluss auf die Wahl der Schüler

Weil deshalb das Inhaltliche nach Meinung von Ruth Kirschbaum oft zu kurz kam, sind einige Erstwähler unentschlossen: „Ich höre oft, dass viele nicht wissen, wen sie wählen sollen.“

Sie findet, dass es an den Schulen durchaus mehr Informationsveranstaltungen zur Wahl hätte geben können. Gleichzeitig sei aber auch die Eigeninitiative junger Erwachsener gefragt: „Wer sich informieren wollte, der hatte die Möglichkeiten. Für mich gehört es zu einer Demokratie dazu, sich aktiv politisch zu informieren.“

Zumindest die vier Unterzeichner der Stellungnahme gilt allerdings auch: „Das Verhalten der Politiker hat unsere Wahl auf jeden Fall beeinflusst“, sagt Jan Fomrath. Der 17-Jährige ist überzeugt: „Man hat jetzt ein anderes Bild von den Parteien und ihren Kandidaten.“

Für die kommenden Wahlen wünschen sich die Schüler dann einen inhaltsbasierten Wahlkampf in Lünen. Bis dahin richten die Schüler einen kurzen Appell an alle Lüner: „Hinterfragt. Erst recht im Wahlkampf.“

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