„Unausgewogenheit“: Warum wird für Notre-Dame mehr gespendet als für Menschen in Not?

dzMeinung am Mittwoch

In „Meinung am Mittwoch“ haben Gastautoren das Wort. Sie beleuchten Themen, die ihnen wichtig sind. Jutta Beese fragt, warum für Notre Dame mehr gespendet wird als für Menschen in Not?

von Jutta Beese

Lünen

, 24.04.2019 / Lesedauer: 2 min

In der letzten Woche gab es zwei Ereignisse, die mich besonders zum Nachdenken gebracht haben:

Zum einen war es der Brand der Kirche Notre-Dame in Paris. Lodernde Flammen schlugen aus dem Wahrzeichen der Stadt. Große Betroffenheit rund um die Welt. Es kamen Mitleidsbekundungen von großen Staatsoberhäuptern.

„Unausgewogenheit“: Warum wird für Notre-Dame mehr gespendet als für Menschen in Not?

Jutta Beese. © Magdalene Quiring-Lategahn

Jutta Beese, Verbundleitung der katholischen Kindertageseinrichtungen St. Marien.

Menschen spendeten spontan so viel Geld, das bereits eine Woche nach dem Brand 1 Milliarde Euro für den Wiederaufbau zu Verfügung steht (ich weiß, lange noch nicht genug). Aber auch hier gibt es weltweite Reaktionen, den Wiederaufbau der Notre-Dame finanziell zu unterstützen. Beeindruckend, das und wie schnell und unkompliziert diese hohe Summe zustande gekommen ist (für den Aufbau eines Gebäudes).

„Sternsingeaktion brachte 2018 die Hälfte an Spenden“

Zu Beginn eines jeden Jahres findet die „Sternsingeraktion“ statt. Das Sternsingerwerk setzt sich für Menschen in Armut ein. 500.000 Kinder und Jugendliche ziehen durch die Gemeinden in Deutschland und haben z.B. im Jahr 2018 knapp 49 Millionen Euro (!) Spenden gesammelt. Die Hälfte von dem, was eine Familie für den Wiederaufbau von Notre-Dame gespendet hat.

„Unfall auf Madeira ging mir sehr nahe“

Das zweite Ereignis war der Busunfall auf Madeira. Da ich im letzten Sommer auf der Insel meinen Urlaub verbracht habe, ging mir dieser Unfall sehr nahe. Die meisten Verletzten und Toten kamen aus Deutschland. Somit war die Reaktion unserer Regierung schnell und nachhaltig.

Regierungsmitglieder flogen umgehend nach Madeira, die betroffene Reisegesellschaft machte es den Angehörigen möglich, zum Unfallort zu reisen, um dort trauern zu können. Die Verletzten wurden mit Militärmaschinen nach Deutschland zurückgebracht.

Die Unausgewogenheit in unserer Welt

Im März diesen Jahres wurde einem Schiff mit 49 Flüchtlingen die Einreise nach Europa verweigert. Wer kümmert sich um diese Menschen? Beide Ereignisse zeigen die Unausgewogenheit in unserer Welt.

Es ist schwierig zu bewerten, ob nun historische Bauwerke wichtiger sind als Menschenleben. Was meinen Sie?


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