Ulrike Hirschberg hat nach ihrer Corona-Erkrankung das Fahrradfahren wieder für sich entdeckt. © Hirschberg
Coronavirus

Ulrike Hirschberg ein Jahr nach Corona: „Die Seele leidet noch immer“

Sie war eine der ersten, die im März vor einem Jahr mit Corona auf der Isolierstation lag. Die Krankheit hat Ulrike Hirschbergs Leben verändert. Sie sagt: „Die Seele leidet noch immer.“

Die Einsamkeit auf der Isolierstation, die Angst davor, was kommen wird: Ulrike Hirschberg (53) hat das alles noch genau in Erinnerung. Im März vor einem Jahr bekam sie Corona. Sie hatte Durchfall und Atemnot. Nachdem sie bewusstlos zusammengebrochen war, lag sie zwei Nächte im Krankenhaus. Schon damals war ihr klar, dass nach der Virus-Erkrankung vieles für sie anders sein wird. Sie sollte recht behalten. Corona war ein tiefer Einschnitt. Das Virus hat ihr Leben verändert. Sogar ihre Arbeitsstelle hat sie gewechselt. Irgendwann war alles einfach zu viel geworden.

Klinik, Quarantäne und vier Wochen, in denen sie sich nur schwer erholen kann. Ulrike Hirschberg blickt auf ein besonderes Jahr zurück. „Die Seele leidet noch immer“, sagt sie. Oft war sie schlapp und konnte doch nicht richtig schlafen. Noch heute sucht sie manchmal nach dem richtigen Wort, eine Konzentrationsstörung als Nachwirkung von Corona.

Doch schon im April steigt die Medizinische Fachangestellte einer Lüner Hausarztpraxis wieder voll in ihren Beruf ein. Sie arbeitet an der Front: Abstriche bei Corona-Verdachtsfällen, Schnelltests, Arbeit in Schutzanzügen und unter strengen Hygieneregeln. Ulrike Hirschberg fühlt sich immer im Corona-Modus und unter Druck. Sie wird das Thema nicht los. Kopfkino in Dauerschleife.

Corona schleicht sich in alle Lebensbereiche

Zuhause ist es nicht anders. Ihr Mann arbeitet im Homeoffice. Die Tochter studiert per Video. Die Abschlussfeier ihres Sohnes bei der Marine fällt aus. Corona schleicht sich in alle Lebensbereiche. Für die sonst immer positiv gestimmte Ulrike Hirschberg, die gerne reist, ins Kino oder Theater geht und das Schöne genießt, hat sich die Welt eingetrübt. Zwei Flugreisen muss sie absagen.

Im Herbst spürt die 53-Jährige, dass sie mehr für sich selbst tun muss. „Ich bin auf dem Weg der Besserung“, sagt sie. Ulrike Hirschberg führt viele Gespräche mit der Familie. Sie wechselt ihre Arbeitsstelle, ein emotionaler Moment nach fünfeinhalb Jahren. Doch es ist der richtige Schritt. Noch im August hat sich die Hygienebeauftragte zur Impfassistentin weitergebildet. Jetzt muss sie raus aus der Praxis, in der sie täglich mit Corona konfrontiert ist. „Ich konnte es nicht mehr hören.“ Heute arbeitet sie bei einem Facharzt mit halber Stundenzahl. Corona ist präsent, aber nicht mehr so massiv.

„Jeder hat seine Geschichte“

Ulrike Hirschberg holt ihr Fahrrad hervor, macht Autogenes Training, genießt Hörbücher und lebt bewusst. „Jeder hat seine Geschichte“, sagt sie, „ich bin noch gut dran.“ Durch die Lockdown-Einschränkungen kommt sie sich so vor, als lebte sie in einer Blase. Keine Kontakte, kein Ausgehen, vor allem keine Perspektive. Ulrike Hirschberg lässt alle drei Monate einen Antikörpertest machen, „einfach um mich besser zu fühlen.“ Nochmal Corona, das wäre zu viel für sie.

Highlight am Wochenende ist für sie das Einkaufen. Jeden Samstag besorgt sie mit ihrem Mann frisches Gemüse und weitere Lebensmittel in unterschiedlichen Geschäften. „Ich mache mich nett zurecht“, sagt sie. Ein kleiner Lichtblick in einer ereignislosen Zeit.

„Aufsaugen, was geht“

Obwohl sie ja Corona hatte, will sich Ulrike Hirschberg impfen lassen. Das Virus, da ist sie sicher, wird weiter zu unserem Leben gehören. Das bekommt eine neue Normalität. Denn die Menschen hätten sich verändert, Abstand ist zur Gewohnheit geworden. Nähe fehlt. Sollte der Lockdown endlich wieder gelockert werden, möchte Ulrike Hirschberg als erstes mit Freunden zu ihrem Stamm-Griechen Irodion, dann ins Kino oder Theater gehen und auf jeden Fall verreisen: „Aufsaugen, was geht.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn

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