Trotz starken Zuwachses: grüne Politik bleibt heikles Thema in Lünen

dzWahlergebnisse

Der Lüner Ortsverband der Grünen hat nicht mit diesem Wahlergebnis gerechnet. Sie freuten sich über das wachsende Bewusstsein für die Umwelt, doch zukünftige Diskussionen bleiben mühsam.

von Kimberly Becker

Lünen

, 16.09.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wahlergebnisse der Kommunalwahlen in 2020 zeigen, dass die Grünen und die Themen, für die sie stehen, wichtiger geworden sind. 2014 sind es noch 7,4 Prozent gewesen, im Vergleich dazu hat sich der Stimmenanteil mit 13,8 Prozent nun beinahe verdoppelt. Ute Brettner von der Ortsgruppe der Grünen in Lünen vermutet, dass einige Wähler von der SPD hin zu den Grünen abgewandert sind. Ein Blick auf die Zahlen zeige einen deutlichen Einschnitt bei der SPD und einen starken Zuwachs bei den Grünen.

"Natürlich hat uns vor allem die Fridays-for-Future-Bewegung im letzten Jahr dabei geholfen, so viele Stimmen zu erhalten. Auch die starke Dürre hat dafür gesorgt, dass die Klimaproblematik stärker wahrgenommen wird", sagt Ute Brettner. Grundsätzlich würden Umweltthemen immer stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken. „Die Leute merken, dass das nicht mehr schleifen gelassen werden kann und schnellstens etwas getan werden muss."

Jetzt lesen

Trotz der positiven Entwicklung erwartet die Politikerin schwierige Diskussionen zu grünen Ideen - wie zum Beispiel der Austausch zum Lärmaktionsplan. „Es gibt keine andere Möglichkeit, den Lärm einzudämmen, als Autos, die langsamer fahren", erklärt Brettner, die für eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h im Stadtgebiet eintritt. Als sie diese Idee schon einmal zur Sprache kam, habe es geheißen, dass man das „den Autofahrern nicht zumuten“ könne.

Das größte Konfliktpotenzial

Das Thema mit dem höchsten Konfliktpotenzial sei ohnehin der Verkehr. Für Ute Brettner steht fest: „Jeder Euro, der in den Straßenbau investiert wird, führt zu mehr Autos und mehr Belastung der Umwelt." Alternativen, die bereits vorhanden sind, müssen verbessert und attraktiver gemacht werden - wie das Fahrrad. „Ich selbst habe auch ein Auto, aber das nutze ich kaum. Mit dem Fahrrad kommt man vor allem in der Stadt sehr gut überall hin", sagt die Parteisprecherin.

Es sollen alltagstaugliche Fahrradwege und Fahrradstraßen ausgebaut werden. Noch fehle aber auch das Verständnis der Autofahrer für Fahrradfahrer. "Viele Autofahrer wissen gar nicht, was eine Fahrradstraße überhaupt ist.“

Das wollen die Grünen mit ihrer neuen Ratsmannschaft ändern. „Wir haben viele junge Menschen dazu gewonnen", erklärt Ute Brettner. „Sie sollen nun erstmal Erfahrungen in den Ausschüssen sammeln.“

Jetzt lesen

Mit der Verdopplung der grünen Mandate hätte niemand gerechnet - sonst wäre vielleicht mehr gewagt worden, sodass auch jüngere Mitglieder schon stärker in offizielle Ämter eingebunden werden. „Klar ist, dass grüne Politik trotz guter Ergebnisse und junger Kraft schwierig umzusetzen sein wird.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt