Trotz Fäkalien-Alarm und Grillverbot: Viele Besucher im Seepark - manche gehen sogar baden

dzHorstmarer See

Am Mittwoch (24. Juli) wurden gleich zwei Dinge bekannt, die einen Besuch am Horstmarer See verderben könnten: Badewarnung und allgemeines Grillverbot. Viele sehen aber beides entspannt.

von Kristina Gerstenmaier

Horstmar

, 25.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kioskbesitzerin Manuela Katzmarek ist ein bisschen sauer. Im 23. Jahr betreibt sie die Bude am Horstmarer See nun schon, aber wenn die Presse berichtet, dann sei das immer nur Negatives. „Dabei ist das ja ein Traumfleckchen hier“, sagt sie. „Hier kann jeder kostenlos hinkommen und Toiletten, Sicherheitspersonal, Reinigung, alles wird von der Stadt finanziert.“

Tatsächlich aber wurde am Mittwoch (24. Juli) seitens des Kreisgesundheitsamtes davor gewarnt, im See zu baden. Bei der jüngsten der regelmäßigen Gewässerproben, entnommen am 17. Juli, wurde eine erhöhte Anzahl von Enterokokken gefunden. Das sind Bakterien, die auf eine fäkale Verunreinigung hindeuten. Die sind zwar harmlos, wenn sie geschluckt werden, wer aber offene Wunden hat, kann sich infizieren. „Natürlich müssen die Leute wissen, dass da jetzt was ist und dann kann jeder selber entscheiden“, räumt Katzmarek ein. Aber es ist eben auch Natur und ein offenes Gewässer. „Und es ist in all den Jahren zum ersten Mal vorgekommen. Wir haben eben auch viele Tiere im See.“

Trotz Badewarnung und Grillverbot einige Besucher

Viele Besucher lassen sich von einem Bad im kühlen Nass tatsächlich nicht abschrecken. Im Wasser tummeln sich nach wie vor Kinder und Erwachsene - wenn auch weniger als noch zu Beginn der Woche. „Wir gehen trotzdem rein. Es ist ja erst mal nur eine Empfehlung und überhaupt nicht gesagt, dass man sich was holt“, sagt Helena Landeis, Mutter einer Vier- und eines Fünfjährigen. „Sonst muss man ins Schwimmbad gehen“, ergänzt ihr Mann Anatoli, „aber da gibt es eben keine Natur.“ Auch dass es jetzt ein Grillverbot gibt, hält die Familie nicht davon ab, in den Seepark zu kommen, obwohl sie hier selbst häufig Würstchen gebraten haben. Sie sind sogar ein wenig froh: „Das Grillverbot tut dem See gut, der Qualm hat uns schon immer ziemlich gestört“, sagt Helene Landeis.

Trotz Fäkalien-Alarm und Grillverbot: Viele Besucher im Seepark - manche gehen sogar baden

Helena und Anatoli Landeis haben keine Bedenken, ihre Kinder im See baden zu lassen. So sei die Natur eben. © Kristina Gerstenmaier

Auch andere sehen das entspannt und können das Grillverbot nachvollziehen. „Ich genieße das Wasser, die Sonne, die Luft und meinen Urlaub. Ich selbst habe auch keine offenen Wunden, aber meiner Tochter und meiner Enkelin habe ich gesagt, sie sollen lieber ins Schwimmbad gehen“, sagt Kerstin Resner aus Hamm. Auch wenn sie später eigentlich noch grillen wollte, kann sie das Verbot aufgrund der Trockenheit komplett nachvollziehen.

Besucherin beobachtete Verunreinigung

„Das ist ja eine schlichte Notwendigkeit“, sagt auch Monika Radoske, die mit ihrem Partner Lothar Krigs regelmäßig aus Hagen herkommt. „Es ist schön zu sehen, dass die Tiere dort hinten jetzt eine Art Ruhebereich haben. Sowieso sollte man lieber zu Hause grillen. Es ist nicht schön, wenn sie da alles vollräuchern und ihren Müll liegen lassen.“ Von der Badewarnung hat sie von ihrem Sohn erfahren, der es wiederum im Radio hörte. „Der Gedanke ist nicht schön“, sagt das Paar.

Trotz Fäkalien-Alarm und Grillverbot: Viele Besucher im Seepark - manche gehen sogar baden

Marcel Henkel vom Hygieneinstitut Gelsenkirchen nimmt am 25. Juli erneut Proben, um die Gewässerqualität zu überprüfen. Die Auswertung dauert ein bis zwei Tage. © Kristina Gerstenmaier

Während Lothar Krigs sich auf seiner Luftmatratze relativ sicher fühlt, sagt Monika Radoske: „Es ist auch schön, hier zu liegen und die Aussicht zu genießen.“ Dass die Gewässerprobe ein solches Ergebnis gebracht hat, sei kein Wunder. Erst zwei Tage zuvor hatte die 54-Jährige bei einem morgendlichen Besuch den Uferbereich von Fäkalien - „vielleicht von Menschen oder Hunden“ - bedeckt vorgefunden.

Was aber zunächst einen Zusammenhang vermuten lässt - die Beobachtung der Besucherin und die Veröffentlichung der Badewarnung liegen nah beieinander, ist aber keiner: Die Probe wurde schon eine Woche zuvor, am 17. Juli, dem See entnommen.

FDP kritisiert Toilettensituation am See

Im Nachgang zu der Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes kritisiert nun auch die FDP öffentlich den Umgang mit der Toilettensituation am Hortsmarer See. „Während der Ratssitzung am 11. April 2019 beschloss der Rat der Stadt Lünen einstimmig den Vorschlag der Verwaltung, Toilettenwagen zur Verbesserung der Situation am Seepark im Seepark aufzustellen“, schreibt die Partei in einer Pressemitteilung. „Aus Sicht der FDP handelt es sich hierbei um eine Maßnahme, die normalerweise innerhalb weniger Tage umsetzbar wäre.“ Geschehen sei bis heute leider nichts. Im Zusammenhang mit den im Wasser gefundenen Fäkalien müsse man sich „zumindest die Frage stellen, ob dieses Szenario mit der Aufstellung von Toilettenwagen hätte verhindert werden können“, heißt es weiter.

Trotz Fäkalien-Alarm und Grillverbot: Viele Besucher im Seepark - manche gehen sogar baden

Uwe Fischer (l.) vom Ordnungsamt und Hauptkommissar Peter Feldmann kontrollieren ab sofort regelmäßig, ob das aufgrund der extremen Trockenheit ausgesprochene Grillverbot auch eingehalten wird. © Kristina Gerstenmaier

Bezüglich des Grillverbots sind Polizei und Ordnungsamt zuversichtlich. Im Rahmen der Ordnungspartnerschaft kontrollieren sie, wie auch schon im vergangenen Jahr, regelmäßig den Grillbereich. „Wir sind sehr erleichtert, dass die Verfügung durch ist“, sagt Uwe Fischer vom Ordnungsamt. „Teile der Politik haben ja schon lange vorgeschlagen, ein allgemeines Grillverbot auszusprechen, hinter dem wir auch voll und ganz stehen würden, aber auch so wird es, wenn die Besucherzahlen jetzt zurückgehen, eine deutliche Erleichterung für die Anwohner geben.“ Wer sich nicht an das Grillverbot hält, muss mit einem Bußgeld ab 50 Euro aufwärts rechnen. „Aber wir sind überzeugt, dass wir das Problem, wie auch schon im vergangenen Jahr, ganz schnell in den Griff bekommen“, sagt Fischer.

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