Trianel-Kraftwerk bleibt bis mindestens Oktober 2020 vom Netz

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Bei der routinemäßigen Revision des Trianel-Kraftwerks im Lüner Stummhafen sind Schäden am Generator festgestellt worden. Der Stromerzeuger muss damit deutlich länger vom Netz bleiben.

Lünen

, 15.06.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einmal im Jahr wird ein Kraftwerk auf Herz und Nieren geprüft: Revision. In diesem Jahr hat diese Inspektion aller Bauteile beim nicht ganz sieben Jahre alten Kohlekraftwerk Trianel am Stummhafen am 21. Mai begonnen. Bis zu zwei Monate sollten die Prüfungen dauern. Inzwischen gehen die Verantwortlichen von einem Zeitraum bis Ende Oktober aus - wegen eines Defekts am Herzen der Anlage.

Bis zum 31. Oktober abgemeldet

„Am Generator wurden schadhafte Stellen im Bereich des sogenannten Blechpaketes detektiert“, sagt Maik Hünefeld, Sprecher der Trianel GmbH in Aachen, auf Anfrage der Redaktion. Noch sei nicht genau abzusehen, wie groß der Reparaturaufwand sei. Deshalb habe Trianel „die Nicht-Verfügbarkeit des Kraftwerks zunächst bis zum 31. Oktober angemeldet“. Mit anderen Worten: Die Anlage bleibt noch mehr als vier weitere Monate außer Betrieb. Ob sie ohne den Schaden am Netz wäre, ist allerdings auch fraglich.

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Infolge der Corona-Pandemie war der Stromverbrauch durch Großabnehmer in Deutschland stark gesunken. Weil es in 2020 außerdem bisher sehr sonnig und windig ist, wurde viel Solarstrom und viel Windenergie ins Netz gespeist - unabhängig vom Verbrauch: eine schwierige Gemengelage für konventionelle Kraftwerksbetreiber.

Lohnt nicht: Kohlekraftwerke pausieren

Die Folge: die Handelspreise für Strom halbierten sich an der Strombörse im Vergleich zu den Mittelwerten von 2018 und 2019. Dieser Preissturz sorgte dafür, dass Betreiber von Kohlekraftwerken ihre Anlagen lieber in den Standby-Modus versetzen, anstatt teuer weiter zu produzieren - darunter auch Trianel in Lünen.

Für Kernkraftwerke ist das keine Option. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres herunterfahren. Und für Gaskraftwerke sie die Situation am Markt anders aus: Sie produzieren zurzeit zu deutlich niedrigeren Kosten Energie als Kohlekraftwerke - aufgrund des stark gesunkenen Gaspreises.

Niedriger Strompreis kommt nicht beim Verbraucher an

Leider, so hat es zuletzt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) angeprangert, profitieren private Verbraucher nicht von diesem Preisverfall auf dem Energiemarkt. Im Gegenteil. Nirgends in der EU sind die Strompreise so hoch wie in Deutschland.

Ein Grund: Endverbraucher zahlen in der Regel einen Festpreis pro Kilowattstunde Strom, egal zu welchem Preis der gerade gehandelt wird. Ein anderer Grund: Der tatsächliche Strompreis macht ohnehin nur einen kleinen Teil der Stromrechnung aus. Wie die Bundesnetzagentur aufschlüsselt, machen das Netznutzungsentgelt und die Abgaben/Umlagen einen Großteil der Kosten aus.

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Wegen des Preisverfalls war das „starke Stück Lünen“, wie sich das Trianel-Kraftwerk nennt, schon vor der Revision im Ruhemodus, anstatt Strom für bis zu 1,6 Millionen Haushalte zu produzieren. Ob und wann es nach der Revision wieder hochfahren würde, sei von der weiteren Preisentwicklung an der Strombörse abhängig, hatte Sprecher Hünefeld schon Ende Mai mitgeteilt - also vor der Entdeckung des Schadens im Generator.

Die Reparatur wie auch die Revisionsarbeiten in anderen Teilen der Anlage laufen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Für das Kraftwerkspersonal und für die Mitarbeiter der Fremdfirmen, die zurzeit im Kraftwerk beschäftigt sind, gelten laut Hünefeld die Abstandsregeln und strenge Hygienevorschriften.

Erst Fieber messen, dann aufs Kraftwerksgelände

„Vor Betreten des Kraftwerksgeländes werden bei allen Mitarbeitern die Körpertemperatur gemessen.“ Wenn Abstandsregelungen nicht einhaltbar seien, sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend. Ein Mehrschichtensystem mit verschobenen Anfangszeiten innerhalb der Schicht schränke die Kontakte ein. „Auf dem gesamten Kraftwerksgelände sind derzeit nicht mehr als max. 80 Menschen zeitgleich unterwegs.“

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