Treten, Schubsen, Hitlergruß? Gericht stellt Verfahren ein

dzStreit beim Spaziergang

Ein 38- und ein 17-Jähriger Lüner sind im vergangenen Frühjahr aneinandergeraten - so viel steht fest. Was genau passiert ist, konnte vor Gericht nicht mehr geklärt werden.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 14.10.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während des morgendlichen Spaziergangs mit dem Hund geriet ein Lüner (38) in Streit mit einem Jugendlichen. Der 17-Jährige zeigte ihn danach wegen Körperverletzung und Beleidigung an. Vor Gericht gab es nun drei Variationen zu dem, was passiert ist.

Dabei waren der Teenager und der Mann aus Lünen schon einmal aneinandergeraten. Eigentlich hätten sich beide also besser ignoriert und wären ihrer Wege gegangen. Aber: Am Morgen des 15. März vergangenen Jahres begegneten sie sich im Bereich der Straße Auf dem Kelm erneut und es kam, warum auch immer, wieder zur Auseinandersetzung. Bei dieser Gelegenheit, so wurde dem 38-Jährigen später zur Last gelegt, solle er den Jungen wüst und mit fremdenfeindlicher Tendenz beschimpft, ihn in den Rücken getreten und auch noch den Hitlergruß gezeigt haben.

Späte Einsicht: Einfach weitergehen sollen

Nun befasste sich das Amtsgericht mit dem Vorfall und der angeklagte Lüner schilderte seine Sicht der Dinge. Der Jugendliche habe ihn starr angeguckt, er habe ihn nach dem Grund gefragt und sei daraufhin von dem 17-Jährigen übel beleidigt worden. Da habe er sich revanchiert – allerdings nur verbal. Er habe ihn weder getreten noch in irgendeiner anderen Form attackiert. Auch habe er gewiss nicht den Hitlergruß gezeigt - er gab an, dass der Jugendliche hingegen irgendetwas über Hitler gesagt habe. Darüber hinaus habe der Teenager mehrfach gedroht, seinen Hund umzubringen. Jedoch zeigte der 38-Jährige, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, unter Betreuung steht und bereits einschlägig mit Beleidigungen auffiel, auch die späte Einsicht, dass er hätte weitergehen sollen: „Ja, das habe ich mir hinterher auch gesagt. Ich hätte einfach weggehen sollen.“

Teenager widerspricht

Konträr dazu die Aussage des Teenagers: Er sei auf dem Weg zur Schule gewesen, habe den Lüner gesehen und sich nichts gedacht. Dieser sei ihm aber gefolgt, habe ihn geschubst und auf fremdenfeindliche Weise beschimpft. Allerdings wich das, was er im Zeugenstand erklärte, in einem wichtigen Punkt von dem ab, was im polizeilichen Protokoll stand. „Das war kein Tritt. Das war ein Schubsen“, versicherte er und fügte hinzu, dass er sich nicht erklären könne, warum das so aufgenommen worden sei. An anderen Stellen, zum Beispiel hinsichtlich des Hitlergrußes, fehlte ihm in Anbetracht des Zeitablaufs die Erinnerung. Auch er betonte, bei künftigen Begegnungen weitergehen zu wollen.

Eine Körperverletzung ließ sich unter den Umständen schwer feststellen. Ähnlich verhielt es sich mit der Beleidigung. Das Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt. Die Warnung der Richterin fiel jedoch deutlich aus: „Halten Sie sich aus solchen Dingen raus.“

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