Ende des vergangenen Jahres stellte Tobias Anthöfer einen Weltrekord im sitzenden Kreuzheben auf. Dabei hob er 555,55 Kilogramm in die Höhe. © Privat

Traum von Paralympics: Lüner Weltrekordler Tobias Anthöfer verfolgt große Pläne

Tobias Anthöfer ist offiziell der stärkste Rollstuhlfahrer der Welt. Doch damit nicht genug, denn der 37-Jährige träumt von einer Teilnahme an den Paralympics – in einer ganz bestimmten Sportart.

Er ist der stärkste Rollstuhlfahrer der Welt. Und wenn man so mit ihm redet, dann könnte er auch glatt das größte Herz der Welt haben. Wenn Tobias Anthöfer über sein Lebensmotto spricht, dann hört man Sätze wie: „Ich möchte meinen Teil dafür tun, dass die Welt an jedem Tag ein bisschen besser wird.“

Wenn man ihn so etwas über das Leben erzählen hört, dass er stets ein guter Vater sein will, aber auch ein guter Nachbar und stets hilfsbereiter Mensch, dann scheinen diese Sätze keine leeren Floskeln zu sein.

Anthöfer wuchtet mehr als 550 Kilogramm

Neben dem Familienleben hat der 37-Jährige eine weitere große Leidenschaft, denn Anthöfer ist zeitgleich auch noch ein guter Sportler. Ja, da ist die Einschränkung durch den Rollstuhl. Anthöfer verlor im Laufe seines Lebens die Fähigkeit zu gehen und zu stehen. Doch das hielt ihn nicht auf, ein erfolgreicher Athlet zu werden.

Im Dezember 2020 stellte er einen Rekord in der Disziplin „Sitzendes Kreuzheben“ auf. 555,55 Kilogramm wuchtete er dabei in die Höhe. Bei dieser Marke muss aber noch lange nicht Schluss sein. „Die 600, sogar die 700 Kilo sind möglich“, sagt Anthöfer im Gespräch mit dieser Redaktion.

Das jedoch funktioniere nicht ohne die Unterstützung von Sponsoren. „Man muss beim Lift an seine Grenzen gehen. Das ist mitunter auch schon gefährlich. Daher mache ich das nicht, um einfach nur beglückwünscht zu werden. Das muss sich schon auch lohnen“, gibt er zu bedenken. Bei Überanstrengung melde sich der Körper zwischenzeitlich schon einmal mit Warnsignalen. Nasenbluten zum Beispiel sei ein Signal, dass der Körper die Grenze gar schon überschritten habe.

Kugelstoßen als neue Leidenschaft

Abseits des Gewichthebens hat Tobias Anthöfer aber auch eine neue Disziplin für sich gefunden: das Kugelstoßen. Und auch in dieser Sportart zeigt er sich ehrgeizig. „Ich würde Deutschland da gerne mal bei Wettkämpfen vertreten.“

Aktuell trainiere er für den ersten Wettkampf. Dieser soll am 21. Mai in Bochum steigen. „Ich möchte da einfach mal meine Grenzen austesten“, erklärt Anthöfer. Bei circa neun Meter würde seine Bestleistung derzeit liegen.

Und diese ist unter alles andere als idealen Umständen zustande gekommen. Denn noch trainiert Anthöfer ohne das richtige Equipment. „Da sind noch einige Zentimeter, vielleicht Meter drin“, fasst er neue Bestweiten ins Auge.

Ein richtiger Sitz, der ihn und sein Gewicht aushält, sei enorm wichtig. Den gebe es derzeit noch nicht. Vielmehr stößt er die Kugeln derzeit noch von einer Bank aus los. „Da geht schon einiges an Schub, einiges an Weite verloren“, so Anthöfer.

Mit dem Para-Weltrekordler Tom Habscheid aus Luxemburg tausche er sich regelmäßig aus. Eine Sache, über die er sich freut. „So sollte der Austausch zwischen Sportlern aus meiner Sicht immer sein. Offen und mit Tipps und Ratschlägen. Tom sieht schon eine gute Technik bei mir. Das gibt mir den Ansporn, weiter zu trainieren und mich weiter zu verbessern“, sagt Anthöfer.

Paris 2024 könnte für Anthöfer das Ziel werden

Neben dem ersten Wettkampf in Bochum verfolgt der Familienvater aber auch noch ein anderes Ziel: eine Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften. Ja, auch die paralympischen Spiele seien durchaus etwas, was er sich vorstellen könne. Mit denen in Tokio könnte es wohl zu eng werden, aber Paris 2024 schwebt schon in den Gedanken.

Und wenn dieser Tobias Anthöfer gerade mal nicht an seine eigene Sportkarriere denkt, dann ist da noch der Verein „Stark“ (Strongman – Athletik – Rollstuhl – Kraftsportverein), mit dem er in neue Räumlichkeiten gezogen ist.

Dort laufen derzeit noch die Renovierungsarbeiten auf Hochtouren. In dem Gebäude müsse vor allem der Vermieter noch Arbeiten durchführen lassen, damit alles wie gewünscht ist. Aber wenn die Corona-Pandemie ausgestanden ist und es so richtig losgehen kann, dann will Anthöfer natürlich auch mit dem Verein durchstarten.

„Aktuell können wir natürlich wenig machen. Zudem sind wir da auch auf Spenden angewiesen, um wirklich alles umsetzen zu können. Das ist nicht so einfach. Doch der Verein ist mir echt eine Herzensangelegenheit“, sagt er dazu.

Das glaubt man ihm. Und wenn man sich ein paar Minuten mit diesem starken Mann unterhält, dann kommt schnell das Gefühl auf: Auch die nächsten Herausforderungen wird Tobias Anthöfer meistern.