Totes Lüner Baby: Zweifel an Aussage der Mutter

Fall Nils

Mit weiteren medizinischen Experten wurde am Montag der Prozess um das Schicksal des im Alter von nur sieben Monaten verstorbenen Nils fortgesetzt. Noch immer gilt es die Frage zu beantworten: Woran ist das Baby aus Lünen 2010 gestorben? Wurde es von seiner Mutter zu Tode geschüttelt?

LÜNEN/DORTMUND

28.08.2017, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Nachdem zuletzt der von der Verteidigung in Stellung gebrachte Rechtsmediziner Bernd Brinkmann ein Gutachten erstattet und darin Kritik an den früheren Ausführungen eines Biomechanikers geübt hatte, setzte sich dieser nun bei dem Prozess am Dortmunder Landgericht zur Wehr. Der Experte unterstellte Brinkmann, bei seinen Berechnungen zu der Frage, bei welcher Krafteinwirkung ein Säuglingsschädel bricht, unrealistische Werte angenommen zu haben. Er selbst komme deshalb zu anderen Ergebnissen. 

Tatsache ist, dass die angeklagte Mutter aus Lünen behauptet, sie habe ihr Kind an jenem verhängnisvollen Tag auf dem Elternbett abgelegt, um in die Küche zu gehen. Dann habe sie einen dumpfen Knall gehört und Nils auf dem Boden liegend vorgefunden. Ihre Vermutung: Der Junge muss sich über die Bettkante gerollt haben und dann auf den Kopf gefallen sein. Nur dabei könne er sich den verhängnisvollen Schädelbruch zugezogen haben.

Der am Montag vernommene Biomechaniker glaubt indes, dass weitaus größere Kräfte auf den Kopf des Kindes eingewirkt haben müssen. Ein Sturz aus 45 Zentimetern Höhe sei nur schwer vorstellbar, um eine solche verheerende Wirkung zu entfalten. Entsprechend geht auch die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Nils geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen worden ist.

Bernd Brinkmann hatte zuletzt noch entgegnet, dass der Biomechaniker nicht bedacht habe, dass bei dem Sturz aus dem Bett ja auch der nachrutschende Körper eine Krafteinwirkung auf den Schädel gehabt habe. Davon geht der Biomechaniker jedoch nicht aus.

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