Totes Lüner Baby: Aussage entlastet Mutter

Sachverständiger vor Gericht

Vor sieben Jahren starb ein Baby aus Lünen an schweren Kopfverletzungen. Seitdem brennt eine Debatte um die Todesursache. Die Mutter steht unter Anklage, gleichzeitig wäre aber auch ein Unfall denkbar. Diese Theorie unterstreicht ein Sachverständiger, der am Montag aussagte. Er macht außerdem auf Fehler aufmerksam.

LÜNEN

17.07.2017, 18:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Prozess gegen Mutter, die Kind geschüttelt haben soll.

Prozess gegen Mutter, die Kind geschüttelt haben soll.

Im Prozess um das Schicksal des kleinen Nils lässt die Verteidigung der angeklagten Mutter aus Lünen nichts unversucht. Am Montag sagte auf ihr Betreiben erneut der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann als Sachverständiger aus. Dieser hält einen Sturz aus dem Elternbett als Ursache für den Schädelbruch für plausibel.

Der inzwischen 78-jährige Professor zitierte internationale Studien und Arbeiten, um die Annahme der Staatsanwaltschaft zu widerlegen. Die Anklagevertreterin glaubt weiterhin, dass die Mutter Nils heftig geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen hat. Nur so seien der Schädelbruch und die daraus folgende tödliche Hirnblutung zu erklären.

Im Prozessverlauf soll es mehrere Fehleinschätzungen gegeben haben 

Detailliert setzte sich Brinkmann in seinem Vortrag vor allem mit der Aussage eines Kollegen auseinander, die dieser schon im Sommer 2015 in dem Prozess gemacht hatte. Darin seien „mehrere Fehleinschätzungen“ enthalten, sagte Brinkmann. Zum Beispiel gebe es selbstverständlich doch Abhandlungen zu der Frage, ob sich die Dicke des kindlichen Schädelknochens auf seine Anfälligkeit zum Brechen auswirkt. Sturzversuche mit technologisch höchst anspruchsvollen Dummies hätten durchaus belastbare Ergebnisse erbracht, so Brinkmann. Seinen Kollegen nahm er jedoch ausdrücklich in Schutz. „Ihm lagen diese Arbeiten sicher damals nicht vor.“

Baby war ohne Überlebenschance 

Der ehemalige Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Uni Münster machte ebenfalls deutlich, dass der sieben Monate alte Nils im Sommer 2010 so gut wie keine Überlebenschance mehr hatte, als er in die Kinderklinik gebracht wurde. Die Blutungen zwischen der harten Hirnhaut und dem Schädelknochen war drei Zentimeter dick und hatte einen Durchmesser von neun Zentimetern. Angesichts dieser Dimensionen sagte der Sachverständige: „Schon nach wenigen Minuten waren die Nervenzellen irreversibel geschädigt.“ 

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