Nach dem tödlichen Unfall hatten Menschen Lichter und Kuscheltiere an der Moltkestraße niedergelegt. © Quiring-Lategahn (A)
Landgericht Dortmund

Tödlicher Unfall Moltkestraße: Erkrankung des Anwalts bremst Prozess aus

Der Prozess um den tödlichen Verkehrsunfall auf der Moltkestraße in Lünen ist geplatzt. Eine langfristige Erkrankung des Verteidigers zwingt das Dortmunder Landgericht zur Absage aller Termine.

Der heute 22-jährige Angeklagte muss also noch länger auf die Entscheidung über seine Zukunft warten. Das Amtsgericht hatte ihn in erster Instanz zu zwei Jahren und drei Monaten Haft wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Dagegen läuft nun die Berufungsverhandlung in Dortmund.

Neuer Termin nicht in Sicht

Doch diese ist nun erst einmal wieder zu Ende und wird irgendwann noch einmal komplett von vorne beginnen. Schon am ersten Verhandlungstag Ende Mai hatte sich der Verteidiger des Angeklagten von einer Kollegin vertreten lassen müssen. Jetzt ist klar: Er wird so bald nicht wiederkommen.

Bei der dann irgendwann beginnenden Neuverhandlung werden noch einmal alle grausamen Details des Unfallgeschehens zur Sprache kommen. Der Angeklagte hatte den 26. Oktober 2019 zusammen mit seiner Frau und den beiden vier und zwei Jahre alten Kindern bei Angehörigen der Frau verbraucht – und dabei reichlich Alkohol getrunken.

Reichlich Alkohol im Blut

Gegen 22.30 Uhr beschloss der mit rund 1,7 Promille stark betrunkene Mann dann, seine Familie nach Hause zu fahren. Dass seine Frau protestierte, interessierte ihn offenbar nicht. Nach einer Ohrfeige soll sich die 20-Jährige dann angsterfüllt neben ihre Kinder auf die Rückbank gesetzt haben.

Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Der Angeklagte soll ohne Licht und mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Brambauer gefahren sein. Dass auf der Rückbank offenbar weder seine Frau noch seine Kinder angeschnallt waren, will er nicht mitbekommen haben.

Auto prallt gegen Baum

Auf der Moltkestraße kam es dann zur Katastrophe. Der Angeklagte überholte ein Fahrzeug mit vier Insassen, kam in der nächsten Kurve jedoch von der Fahrbahn ab und prallte mit dem Auto gegen einen Baum.

Der heute 22-Jährige überlebte ebenso schwer verletzt wie seine zwei Jahre alte Tochter. Die Frau und der vierjährige Junge kamen jedoch ums Leben.

Das Kind starb laut einer Rechtsmedizinerin einen „Ultrasekundentod“. Eine Blutung am Hirnstamm sorgte dafür, dass sofort die Atmung aussetzte. Die Frau wurde noch schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert.

Frau und Sohn starben

Bei dem Aufprall hatte sie neben zahlreichen Knochenbrüchen jedoch einen Abriss der großen Körperschlagader erlitten. Die Ärzte schafften es nicht mehr, die Blutung zu stoppen.

Schon am ersten Verhandlungstag hatte der Vorsitzende der Berufungskammer dem Angeklagten gesagt, dass aus jetziger Sicht eine Bewährungsstrafe nur schwer zu erreichen sein werde. Weil auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hat, könnte die Strafe am Ende sogar auch höher ausfallen.

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