Tierschützer wollen die Population der Stadttauben zunächst mit einem Eieraustausch eindämmen. Doch abseits davon kämpfen sie für andere Lösungen, um auch den Eiertausch zu erleichtern. © Tierschutzverein Lünen
Tierschutz

Tierschützer suchen Mitstreiter für das Tierwohl der Lüner Stadttauben

Der Ruf der Lüner Stadttauben ist schlecht. Es gibt zu viele, ihre Hinterlassenschaften stören viele Menschen. Tierschützer suchen nach einer Lösung und bitten um Hilfe.

Stromdrähte, um Tauben zu vertreiben – dieses Vorgehen der Stadt Lünen erregte zu Jahresbeginn die Gemüter vieler Tierfreunde und Bürger. Andererseits sind die zahlreichen Tauben in der City vielen Lünern ebenfalls ein Ärgernis.

Tierschützer hoffen auf Taubenhäuser

Aktive Tierschützer in Lünen suchen Alternativen. Auch sie sehen das Problem und wandten sich mit einem Vorschlag an Politik und Verwaltung. Da Tauben standorttreu sind, lassen sie sich nicht vertreiben – aber in speziellen Taubenhäusern mit gesundem Futter versorgen und in ihrer Zahl klein halten. Doch in Coronazeiten mit ständig verschobenen Gremiensitzungen dauert die Entscheidungsfindung lang – zu lang für eine Lünerin, die nun von sich aus aktiv wurde. Gemeinsam mit dem Tierschutzverein sucht sie nun Mitstreiter, bis eine andere Lösung gefunden wird.

Lünerin tauscht bereits Eier aus

Die 40-jährige Lünerin und ein gleichgesinnter Helfer suchen derzeit gezielt die Nistplätze der Wildtauben auf und ersetzen die frisch gelegten Eier durch angewärmte Gipsattrappen. „Wir durchleuchten die Eier zuvor, um sicher zu gehen, dass sie nicht schon angebrütet sind – denn dann wäre das Entfernen verboten“, sagt die Lünerin. Aus Angst vor Anfeindungen möchte sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Doch für ihre Arbeit hat sie eine behördliche Genehmigung.

Bevor die Taubeneier durch Gipsattrappen ersetzt werden, werden sie durchleuchtet, um angebrütete Eier verschonen zu können.
Bevor die Taubeneier durch Gipsattrappen ersetzt werden, werden sie durchleuchtet, um angebrütete Eier verschonen zu können. © Tierschutzverein Lünen © Tierschutzverein Lünen

„Wir werden oft angesprochen, was wir da tun“, schildert die Lünerin – und ist froh darüber. Nicht nur, weil sie dann aufklären kann, sondern auch, weil die Leute einen Blick auf das Geschehen in der Natur um sie herum haben. Und je länger die 40-Jährige im Einsatz ist, desto mehr sieht sie eine Verbesserung der Situation. Die noch besser wäre, würde es Taubenhäuser geben. „Das wäre ein Traum“, sagt die Lünerin – denn dann könnten die Eier viel leichter ausgetauscht werden.

Durch Nestraub der besonderen Art sinkt die Zahl der toten Küken

Einmal pro Woche geht sie mit ihrem Mitstreiter zu den Nistplätzen unter Brücken und in Rohrleitungen und entfernt frisch gelegte Eier. Mal sind es sechs, mal sind es 15. „Das ist die Zahl an Küken, die wir zu Beginn unserer Aktion tot aufgefunden haben“, sagt die Frau. Denn das Dilemma der Tauben vor allem nun in der Corona-Zeit ist, dass sie nicht genügend Nahrung finden, um den Nachwuchs großzuziehen.

Dunkel, verkotet und ungepflegt: Die Verbrämung der Stadttauben hat zur Folge, dass Nester an unmöglichsten Orten angelegt werden.
Dunkel, verkotet und ungepflegt: Die Verbrämung der Stadttauben hat zur Folge, dass Nester an unmöglichsten Orten angelegt werden. © Tierschutzverein Lünen © Tierschutzverein Lünen

Auch von den Drahtspitzen, die Tauben eigentlich vom Nisten abhalten sollen, lassen sich etliche Tiere nicht vertreiben – und der Nachwuchs komme darin jämmerlich ums Leben. Gut zu nutzende Brutstätten sind daher heillos überfüllt – und aufgrund der Enge hacken sich die Tiere im Konkurrenzkampf gegenseitig zu Tode. Wer beim Kampf aus dem Nest fällt, wird am Boden Opfer eines Räubers. „Wenn man die Situation an der Kanalbrücke Bebelstraße beobachtet, wird einem anders“, sagt Andrea Komac vom Lüner Tierschutzverein.

Der Teufelskreis entsteht durch das Notbrüten

Denn die Alttauben sind vor allem auf Arterhalt aus – „die kommen daher ins Notbrüten“, erklärt Andrea Komac. Sie legen und Brüten ein Ei nach dem anderen aus, in der Hoffnung, dass der Nachwuchs überlebt. Ein Teufelskreis. Der Tierschutzverein unterstützt daher die privat agierende Tierschützerin – stößt allerdings an seine Grenzen. „Wir sind viele Ältere. Wir können nicht mehr auf Leitern und unter Brücken klettern“, sagt Komac. Mitstreiter werden daher gesucht, die nach Einweisung Eier aus den Nestern holen und gegen Gipseier austauschen.

„Die Tauben lassen sich gut austricksen“, sagt die Fachfrau. Wenn die nämlich sehen, dass die verbleibenden Küken groß werden, stoppen sie die Notbrut. So gehe die Population ebenso zurück wie das Tierleid.

Zur Sache

Kontakt zum Tierschutzverein Lünen

  • Der Lüner Tierschutzverein e.V. sucht Mitstreiter, die ihn mit Wissen oder Tatkraft in dieser Thematik und der weiteren ehrenamtlichen Arbeit unterstützen.
  • Ziel ist es, die Eier der Tauben im Rhythmus von zehn Tagen gegen Toneier auszutauschen, damit sich die Tauben nicht noch weiter vermehren.
  • Interessierte wenden sich an den Lüner Tierschutzverein, www.tierschutzverein-luenen.de oder per Mail an luenertierschutz@gmx.de.
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