Tief in den Rachen hinein: So liefen Corona-Tests am Gymnasium in Lünen

dzCovid-19

Am Stein-Gymnasium wurden fast 30 Menschen auf Corona getestet - kein Vergnügen für die Schüler. Auch nicht für die Mediziner in wasserdichten Schutzanzügen. Ein Blick hinter die Kulissen.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 23.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Einmal den Mund ganz weit auf machen und dann Ah sagen“, bittet Dr. Roland Staudt einen Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, dem er dann ein Teststäbchen in den Mund führt. Auch wenn es nur ein paar Sekunden dauert - angenehm, das ist im Gesicht des Schülers abzulesen, ist das Ganze nicht. Aber es hilft nichts, sagt Staudt: „Der Abstrich muss wirklich vom Rachen genommen werden. Und da muss natürlich dann auch genug Material dran sein - einmal kurz berühren reicht nicht“, erklärt der Arzt, der für Gesundheitsschutz und Umweltmedizin beim Kreis Unna zuständig ist und mit einer Kollegin vor Ort ist. Den Abstrich weiter vorn auf der Zunge zu nehmen, hat keinen Zweck: „Da kann ich vielleicht sehen, was die Testperson zum Frühstück hatte, aber nicht, ob sie Corona hat.“

Corona-Fall an der Schule

26 Schüler und drei Lehrer mussten sich am Dienstagmorgen diesem Prozedere unterziehen. Der Grund: Eine Schülerin des Gymnasiums ist an Covid-19 erkrankt. Durch Tests von Kontaktpersonen soll vermieden werden, dass sich das Virus weiter ausbreiten kann. Für die Gesundheitsbehörde ist sie aber mit Organisationsaufwand verbunden, erklärt Staudt. „Das fängt an, bevor wir überhaupt zur Schule kommen. Denn zunächst muss natürlich die Frage geklärt werden: Wer muss getestet werden?“, so der Amtsarzt. Bei der Schülerin stellten sich konkret etwa die Fragen, wer sich auch außerhalb ihrer Klasse angesteckt haben könnte und welche Lehrer betroffen sein könnten. Zwar teste die Gesundheitsbehörde im Zweifelsfall lieber als auf einen Test zu verzichten. Aber: „Man muss wirklich gucken, ob es wirklich notwendig ist. Wenn es keinen begründeten Verdacht gibt, dann testen wir auch nicht pro forma, denn die Labore sind jetzt schon sehr stark ausgelastet.“

Damit die Tests alles hinterher zugeordnet werden können, kommt auf das Röhrchen, den Laborzettel und die Selbstauskunft der Getesteten derselbe Barcode.

Damit die Tests alles hinterher zugeordnet werden können, kommt auf das Röhrchen, den Laborzettel und die Selbstauskunft der Getesteten derselbe Barcode. © Beimdiecke

Ist geklärt, wer getestet werden soll, wird die Testung organisiert - oberste Priorität hat dabei, dass dort das Virus keinesfalls weitergetragen wird. Eine festgelegte Reihenfolge, um Wartezeiten zu vermeiden, ein Rundlaufsystem, damit sich die Getesteten nicht über den Weg laufen und die nötige Desinfektion sind mittlerweile bekannte Maßnahmen. Auch die offenen Fenster in der Aula, wo getestet wurde, dürften keinen verwundert haben. Diese waren allerdings nicht nur wegen der Gefahr infektiöser Aerosole geöffnet, sondern schlichtweg auch, um die Raumtemperatur etwas zu kühlen. Denn: „Wir machen die Testung in wasserdichten Overalls, die wir die ganze Zeit über tragen, falls jemand spuckt oder sich sogar erbricht. Darin wird natürlich sehr warm“, so Staudt. Dass sich jemand erbricht, sei zwar noch nicht vorgekommen: „Aber wir müssen ja immer vom Worst-Case-Szenario ausgehen.“ Daher seien neben FFP2-Maske auch Kopfbedeckung, Schutzbrille und natürlich Einmalhandschuhe obligatorisch. Letztere werden nach jedem Test gewechselt, da sich Tröpfchen aus dem Mund der Testperson dort absetzen könnten. Das Testen selbst nimmt laut Staudt aber nur einen Teil der Arbeit ein - das Vorgehen zu erklären und Fragen zu beantworten gehöre genauso dazu.

Quarantäne auch bei negativem Test

Zum Schluss gibt es immer denselben Barcode für das Röhrchen mit dem Teststab, das Kontaktformular und den Laborzettel - so können die Tests wieder zweifelsfrei zugeordnet werden. Dann gehen die Proben ins Labor - und das Warten auf die Ergebnisse beginnt. Auch, wenn am Ende des Wartens ein negativer Test steht, müssen die Testpersonen bis 14 Tage nach dem letzten Kontakt zur infizierten Schülerin in Quarantäne. Sollte der Test positiv sein, dann kommt auf die Gesundheitsbehörde neue Arbeit zu - denn dann gilt es, wieder Kontaktpersonen ausfindig zu machen und Maßnahmen zu ergreifen, um das Virus zu stoppen.

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